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Herzl-Bund-Blätter · 1915-12-01 · 31/32 (Dezember 1915) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1915
Issue
31/32 (Dezember 1915)
Date
1915-12-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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271 das Wesen des Juden zu bedeuten schien, Erneuerung aber trat mit trotziger Gebärde an unser Volk an und verlangte, daß wir von ganzem Herzen und mit ganzer Seele anders würden, so wie einst Moses und jeder Gesetzgeber unser Volk mit scharfem Stachel aufgepeitscht hatte, .damit es anders, besser, größer werde. Erneuerung aber wandte sich, weil sie voll Hoffnung ist, an die jungen Menschen, rief ihre Empfänglichkeit auf, die noch Opfer bringen kann, rief ihren Willen auf. daß er sich bäume gegen die blasse Hingabe und unstolzc Demut der Väter, und stellte als Motto über das neue Dasein das stolz-verpflichtende Wort voll hoher Verantwortung: Werde der du bist! Erneuerung aber, nach der die Welt in ihren besten Menschen rings herum schrie, weil der große Wohlstand aus dem Streben die Streberei werden ließ, weil der praktische Mensch die seelischen Bedürfnisse zurückdrängte, Erneuerung, die in fast allen Völkern der Erde während der letzten Jahre körperliche und geistige Ertüchtigung, Härle und Ehrfurcht durchsetzte, fing auch an, unsere jüdischen Menschen zu beseelen, deren beste Verl reter jetzt auf dem Schlachtfeld bluten .... Alle diese Sehnsucht, - und Zionismus ist ein Stück tiefster. Kraft gewordener Sehnsucht, ein Schrei und ein Weg zum Glück —- drängte nach Tat. sehnte sich aus Kritik und Zuschauerscin nach Aktivität — mochte der Mensch seine ästhetischen Neigungen wegwerfen und in Palästina als Schomer oder Bauer seinein Volke dienen, mochte er im stillen Arbeitsgebiet von Bewegung und Eailei sich das Feld schaffen, auf dem in stiller aber unablässiger Arbeit er sich betätigte. Wir lernten voll Freude unsere oft für ändert- Völker verloren gegangene, von Beruf oder Umwelt ausgenutzte Arbeitskraft wieder unserem Eigenleben, unserem nationalen Dasein zuführen und spülten dabei, daß uns die Krälte wuchsen, als wir mit unserem JuJentum in Berührung kamen. Diese Aktivität, die nicht Geschäftigkeit war, die ringsherum alle zukunfisirächtigen Völker mit gleicher Kampfeslust durchzog und erfüllte, diese Aktivität lehrte uns der Zionismus wieder, der die entfesselten, verlorenen Kräfte des Judentums zusammenband, sie stärkte und durch seine Idee heiligte. So groß ist aber diese Tatkratt. Kraft und Wille zur Tat. daß sie auch diese zerstörende Tragik des Weltkrieges überstehen wird und muß, die in unsere jüdische Entwicklung eingriff, als wir noch nicht die Erfüllung unseres Hoffens erreicht, aber doch wenigstens in Sammlung und Erkenntnis unserer Kräfte, unserer Möglichkeit die Grundlage eines neuen und besseren Judentums aufgerichtet hatten.' Das Mittel und Zauberwort aber, mit dem dic^e Grundlagen gefestigt wurden, das heute das Herrscherwort der Zeit ist und den Sieg verbürgt, das war der Gedanke der Organisation, der

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