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Herzl-Bund-Blätter · 1915-12-01 · 31/32 (Dezember 1915) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1915
Issue
31/32 (Dezember 1915)
Date
1915-12-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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270 Jahrhunderte zurückgetretenen Gedanken vom Judenstaat wieder in den Vordergrund rückte und aus ihm antreibende, begeisternde Hoffnungen den Menschen seiner Zeit schuf. Und wenn auch der Oedanke offiziell immer mehr abgeschwächt wurde und die Bewegung ihn nicht proklamierte noch ins Programm aufnahm, und der farblosere Begriff eines autonomen Gemeinwesens an seine Stelle trat, so war doch der zündende Funke von diesem Worte ausgegangen, deswegen, weil es die Lust zum Unmöglichen in den Juden wiedererweckte, aus der allein die Taten emporwachsen, deswegen, weil es alte messianische Sehnsucht und große vergangene Zeit in lebenspendende Horm einkleidete und deswegen auch, weil Herzl mit vorahnendem Blick damit einen Gedanken den Juden einimpfte, den sie lange in liberaler Geringschätzung als unbequem verachtet hatten, der aber heute sich glorreich bewährt und dem 20. Jahrhundert in eigentümlicher Gestalt den Stempel aufdrückt, der Staatsgedanke. Einst hatte ein anderer Jude. Lassalle, den Wert und das allbezwingende Recht des Staats betont, aber die Zeit und eigene Entwicklung hatte ihn auf die Arbeiterbewegung gestoßen und uns. unseren Möglichkeiten, die er weder ahnte noch glaubte, entfremdet. Herzl aber spürte, daß eine wahre Schätzung des Staates ungeahnte Kräfte wachrufen könne, besonders aber bei einem Volke, dem Staat eine so paradoxe Sache war. das nie Staatsbewußtsein haben konnte, wenigstens in seinen größten Teilen nicht, weil es weder fruchtbare Tradition seiner Umwelt mit empfinden, höchstens künstlich nachleben konnte, noch bodenständig war, sondern das Wandern als Los und Hoffnung empfand. Und nie ist Recht und Bedeutung des Staats als einer treibenden und zusammenhaltenden Kraft stärker hervorgetreten als in der Gegenwart; gerade der Jude kann für seine Zukunft daraus lernen, daß sein Dasein in dieser Form sich erhöhen wird, und der Zionismus als politische und praktische Bewegung kann mit Stolz betonen, daß er das Verständnis dafür gehabt und als altncue Empfindung uns eingeprägt hat. Der zweite Teilgedanke, der dem Zionismus zu gründe lag, war und ist das Wort von der Erneuerung. Das bedeutete, daß der Jude wieder einmal versuchen wollte, an seine Jugend- und Lehrjahre anzuknüpfen, um aus seinen Wanderjahren hinaus- und in seine Herren- und--Meisterjahre hinüberzukMirmien. das bedeutete, daß der Jude danach strebte, verrottetes in seinem Blut und \erbittendes in seinem Wesen aus sich auszustußen und mit jener Entwicklungsfähigkeit, die zur Höhe führt, in seine tiefsten Schächte hinabzusteigen, nur er selbst, aber mehr auch als er selbst zu werden Aus Sehnsucht und Not ward der Drang geboren, alles Unterirdische, das den Juden erhielt, zum Kampf gegen die trübe Oberfläche aufzurufen, die heute

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