Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1915
- Issue
- 31/32 (Dezember 1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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hingaben für Volk und Land. Sie spürten, was wir heute wieder empfinden, daß der einzelne Jude weniger ist als Judentum und Judenvolk, sie knüpften an die ewigen Grundkräfte des Volkes an, an seine Leidenschaften und seine Tapferkeit, und sie spürten, daß die ewigen Grundgedanken des jüdischen Menschen ihre segnende Kraft an jedem einzelnen bewährten. Auch heute gilt es, gegenüber der großen Umwertung der Werte, die sich an Treu und Glauben, an Menschen und Völkern vollzieht, und in der Neuorientierung, die viele Ideale in den Staub geworfen hat und die Welt neu zu verteilen scheint, auch heute gilt es, den letzten Urgründen unseres Zionismus nachzuforschen und einmal heute, wo so vieles revidiert wird, sich zu fragen: sind die großen Gedanken, aus denen der Zionismus emporwuchs, noch mit Recht unsere Leitsterne; ist das, was unser Streben jahrelang beflügelt hat, heute noch und morgen für uns maßgebend, oder bedarf es da schmerzvoller, aber notwendiger Entsagung des Umlernens, weil in der grausigen Größe der Zeit der Zionismus sich etwa nicht bewährt habe? Vier Gedanken aber sind es, an denen sich die Welt des Zionismus emporgerankt hat: der Gedanke vom Judenstaat, der Gedanke der Erneuerung, der Gedanke der Aktivität und schließlich der Gedanke der Organisation. Sie alle zusam nen, verschieden und doch einheitlich, bilden Kern und Rückgrat des Zionismus; sie im einzelnen daraufhin zu prüfen, wie aus ihnen unsere Auffassung vom Judentum wurde und wie sie in der Welt und am jüdischen Menschen gemessen, sich bewährt haben, das ist die Aufgabe; an diesen beiden aber, an der Umwelt und am Wesen des Judentums kann man abmessen, ob sie revisionsbedürftig sind oder wir ihnen, sie uns die Führer und Stützen bleiben können. Der erste große Gedanke, der vom Judenstaat, wur ein Genieblitz Herzls, eines an der Welt geschulten Journalisten; er überbrückte fast zwei Jahrtausende jüdischer Geschichte voll Leid und Leere, voll Not und Nacht, und knüpfte an die werteschaffende Vergangenheit an, in der Selbständigkeit des jüdischen Gemeinwesens dem Einzelnen die Kraft und der Gesamtheit die äußerliche Grundlage und Sicherheit gab, um zum Ewigen emporzusteigen. Aber der Gedanke des Staats war im Juden noch viel enger und tiefer verwurzelt; all sein Denken war in seinen großen Zeiten auf den Staat eingestellt, dessen Idee mit der seines Gottes zusammenfloß, beide zur unlösbaren Einheit verbunden. Alles was im Alten Testament an Geboten der Sittlichkeit in das Gewissen der Menschheit eingehämmert ist, gilt zunächst dem Staat, dem Judenstaat, dessen Gesetzbuch die Bibel ist. An diese alte Zeit knüpften die jungen Träume Herzls an, der diesen grundlegenden und im Laufe demütiger, gedrückter —