Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1915
- Issue
- 31/32 (Dezember 1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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2ö2 So war es. als unser Vater, der Makkabäer. hinaufzog, den Tempel zu reinigen — und diesem Bild, aus dem das Chanuka- Fest entstand, dem Bild ewig erneuter Reinigung, unermüdeter Selbstprüfung, dem Bild des Lebens unseres Volkes vom ersten Tage bis zum letzten, blieben wir treu. Wie eine Mahnerin tritt in dieser lärmenden Zeit das Fest vor uns hin und wie ein Sinnbild. Erinnerung an die sittliche Tat. die sich dem sinnlosen Walten irdischer Macht entgegenstemmt; Sinnbild ewig erneuter Bereitung im Dienste des ewigen Lichtes; Sinnbild unwandelbarer Treue in der Behütung des Heiligsten und stets wiedererstarkender Kraft zur Reinigung unseres Tempels. Mahnerin im Kampfe der Sittlichkeit mit der Gewalt, der Heiligkeit gegen irdisches Streben, der Idee, (welche die Idee Gottes ist), des Geistes, (welcher der Geist Gottes ist) gegen die Geistlosigkeit, des Sinnes gegen die Sinnlosigkeit, wenn ihr wollt: Gottes gegen die Gottlosigkeit! Es kam eine schlimme Zeit Der Tempel ward zerstört, seine Diener über die Welt verstreut. Sie, die gewohnt waren, im hellen Licht zu leben, dem sie dienten, wurden in Finsternis S;halten. In dunklen, winkligen Gassen verbargen sie scheu ren Reichtum und ihre Sehnsucht. Vergaßen sie ihr Geschick? Verloren sie die Kraft ihrer Seele? Nein — noch im, ärmsten Gewand blieb der Jude der Hüter des Lichtes, und wie er, stets fluchtbereit, stets neue Formen erfand, in denen er seine Schätze verbarg, so fand er auch für seine heilige Aufgabe, die er nie vergaß, die neue Form, das Chanukahfest. Draußen in der Welt, in der Zeit, kämpft und tobt die Gewalt. Alles erdrückt ihre Wucht und fast scheint es. als ob sie für immer zum Siege gelänge. Tiefste Finsternis umhüllt die Welt und verbirgt das Licht-- Erlosch es? Nein. Wir treuen Hüter blieben ihm treu. In unseren kleinen Kammern versehen wir den Dienst. Und holen den Leuchter hervor und entzünden ihn. Bin Licht zunächst. Leberwand es die Finsternis? Es ist zu schwach — ein zweites denn! So zünden wir Lichter, am ersten Tage eins und jeden Tag eins mehr. Und brennen die Kerzen alle, daß es uns göttlich wird ums Herz beim Glanz der neuentfachten Flamme, dann schicken wir wie Noah aus der Arche einen Boten hinaus in die Welt, daß er uns künde, ob die Finsternis weicht, und daß er ein Oelblatt bringe zum Zeichen, daß es dem Lichte an Oel nicht mehr mangelt. Meist kehrt er traurig zurück — da schließen wir wieder die Fenster und Türen, und warten, ohne Klage, wie wir so lang schon warteten.