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Herzl-Bund-Blätter · 1915-12-01 · 31/32 (Dezember 1915) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1915
Issue
31/32 (Dezember 1915)
Date
1915-12-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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261 schaffen! Die Zeit, die an ihm vorüberfloß, war bunter, wilder, rasender, als selbst unser Sinn zu denken vermag. Doch wie der Standhafte, der im Holzstoß ein Lied anstimmt zu Gottes Ehre, von göttlicher Kraft erfüllt, das Feuer nicht spürt, das seine Füße sengt, so blieb dies Fest in allem, was je geschah, unberührt und ohne Trennung von der göttlichen Kraft, die es gebar. Seht diese Feier: wie eine Mahnerin tritt sie in dieser Zeit ■ vor uns. Prüfet und messet eure Kraft an ihr. und urteilt, ob ihr ihrer noch würdig seid! Seit jenem Tage, an welchem das Wort entstand: Ihr sollt ein Volk von Priestern sein, ein auserwähltes Volk! hörten die Juden nicht auf, für ihren Gott zu eifern. Ein Volk von Priestern, von Dienern des Herrn: keine Macht erkannten sie an außer der sittlichen Idee, die der Welt einen Gott, dem Geschehen einen Sinn gibt. Ihr zu dienen, war ihre Aufgabe und nur ihr lebte der Jude, wenn er aufstand und Svenn er sich niederlegte. Drum schien ihm das Treiben anderer Völker arm und leer und er nahm keine Gemeinschaft mit ihnen. Sie hatten den Tempel in ihrer Mitte, die Juden, und spürten ihre Aufgabe als Bewahrer des Lichtes Ihn zu hüten, ihn zu bewahren, ihn reu: .: erhalten, das Heiligste, das er barg, das Licht der Welt, bei dem die Nationen wandeln sollten, wie verheißen ward, die Flamm« des Judentums zu bewahren — das war die Aufgabe, die sie besaßen Lösten sie die, so war die Aufgabe der Welt gelöst, gelöst durch uns, das auserwählte Volk der Tempcldiener. und der Idee war zum Siege verholfen über die Welt! Zwei Begriffe sind hiervon nicht zu trennen: die Ewigkeit und der Kampf gegen die Zeit. Es galt, in Ewigkeit die Zeit zu übet winden. Gleichgültig, wie sie war: ob sie die Burg Zion zerstörte und die Juden an die Wasser Babylons führte, ob sie Krieg brachte und Morden. Vertreibung, Kreuzzüge, Pogrome — unberührt von allem ging der Kampf der Idee, die Zeit zu überwinden, und über sie hinaus ins Zeitlose zu gelangen. Das Härteste in diesem Kampfe gegen die Zeit war nicht die Ueherwindung der Umwelt. Wäre nur diese als Gegner erschienen, dann wäre des Kampfes Ausgang nie zweifelhaft erschienen; denn es liegt im Wesen der Idee, daß sie stärker ist als die Gewalt. Hart wurde es nur, wenn die Hüter und Diener des Tempels selbst von Schwäche befallen wurden Da verlor die Flamme ihr Leuchten und die Finsternis gewann Macht. Aber zu tief wurzelte in uns drinnen das Geschick, das uns auferlegt ward, und so blieben solche Zeiten kurz und stets fand sich bald einer, der den Tempel reinigte und den Glanz des Judentums neu erstrahlen ließ

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