Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1915
- Issue
- 29/30 (Juni/Juli 1915)
- Date
- 1915-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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245 unsre Leute den Polen die freundlichsten Gesichter. Ehrgefühl gibts hier nicht. Der Moment, in dem ich herkam, ist ja sicher der wichtigste in der Geschichte der Ostjuden, der Moment der Befreiung vom Russenjoch. Wie wurde ihnen da? Der polnische Pöbel schwieg - nun beherrschten sie die Straße. Geile Puten, gespreizt wie Pfauen, drehen sich mit ihren bunten Kopftüchern lächelnd vor den deutschen Soldaten. Die jungen Leute — die Kochers — zeigen offensichtlich mehr Ehrgefühl und stoßen die Mädchen weg — „Wos geits mit a Daatsch?". Aber es ist nur der Aerger der Konkurrenz Wie sich die Mädchen zu zieren wissen, wie sich schmeicheln und betteln (wir sind doch ein intelligentes Volk.) „Gebben Se mer a Sticket Saaf un Chokoladen — Se sin doch a scheina Mann, sehn Se, jenner hat a geschonken a sadenes Kleid, an Hiet un Reigens — —". Die Bochers zu den deutschen Soldaten »Was han Se vun jenne? ich weiß Ihne hiebsche Panienka, komme Se mit . . ." Aber nicht nur das untere Volk zeigt sich würdelos — die „feineren" gehn mit den Herren Vizefeldwebeln und Leutnants . . , Man lernt sie hassen, das ist der jüdische Antisemitismus, den uns unsre Gegner vorwerfen. Was geht mich dieses Volk an? Es ist diese wahnsinnige Liebe zu eben diesem schmutzigen Volk, die sich manchmal in tödlichen Haß gegen den wendet, der es zu schänden wagt — eben weil es der Bruder ist. Wollen wir selber das Ghetto? Nein, nur die Würde, die Ehre sollen wir wahren, nicht uns selbst preisgeben. In der Not leiden wir gern, geht es uns gut, vergessen wir alles. „Unsrer kommt wieder' sagen die Polen, „dann gibt er den Juden." Ja kein jüdisches Haus wird geschont. Das ist eine Angst „Wir gehn mit den Deutschen" sagen die Juden. Weit hinter Lodz nach der Grenze zu sind unsre Schipper an der Arbeit." Wenn der Russe kommt". Kommt er wieder? Dann Gnade dir, jüdisches Volk von Lodz. Was soll ich tun? Ich sehe und traure und gedenke unsrer ewigen Hoffnung....... Arbeitsberichte. Berlin. Unsere Arbeit hatte wieder durch Einziehungen von Bundesbrüdern zu leiden. Ersatz hierfür ist uns allerdings, daß Bbr Willi Preis und Edmund Levy wieder zu uns zurückgekehrt sind. Walter Roth, der in Breslau seiner Einberufung entgegensieht, hat Berlin verlassen. In einer außerordentlichen Mitghederver-