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Herzl-Bund-Blätter · 1915-06-01 · 29/30 (Juni/Juli 1915) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1915
Issue
29/30 (Juni/Juli 1915)
Date
1915-06-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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244 geschlossensten, die Aermeren und Aermstcn jenseits des Neuen Ringes an der Verlängerung der Petrikauer, die über grünende Hügel und Täler nach der niedlichen Vorstadt Zgierze führt (jetzt Lazarett für 4000 geschlechtskranke deutsche Soldaten). — In einer der hügligen, holperigen, winkligen, schmutzigen Gassen, deren Gewirr und Gewimmel typisch für das ostjüdische Leben ist, liegt ganz unmotiviert das Palais des reichsten polnischen Juden Posnanski, des bekannten Philantropen, das Hauptquartier der Kraftfahrtruppe der 9. Armee. Es müssen Lodzer ,jiedisdie Fieß" sein, die sich auf diesem Pflaster zurechtfinden. In königlicher Haltung ist wohl noch keiner drüber gegangen. Schwarze, langröckige. zottelbärtige Gestalten, nach vorn gebeugt, aber die Hände immer erregt, mit schwarzen Schirmkäppchen, furchigen Gesichtern, in denen die seltsamsten Augen stehn. Das zieht mit Päckeln und Bündeln wie auf unserm Bilde von Hirszcnberg: Israels „Sohn des alten Volkes" sitzt in jeder Ladentur. Hin furchtbarer Schmutz bedeckt dieses Volk; zerrissene Kleider und Schuhe, Stricke um den Körper gewunden (Gepäckträger!) — offene Wunden, die niemand schließt. Dieses Volk will bluten, vor lauter Angst. Das kreischt und stinkt in den Gassen - aber ist das noch Leben? In den Türen an den Häusern, — im Weg stehen sie umher, die Köpfe zusammengesteckt Mich kennt man stellenweise — „dos is a Jid" — man freut sich, einen jüdischen Soldaten" einen jiddischen Datsch" zu sehen. Aber auch das ist Geschäft. „Broichen Se nich — — —? - — No was soll me tünV Sagen Se!" Die Kleinsten, allerkleinsten gehn schon verdienen — scharenweise laufen sie umher Line Zigarrenkiste vorn umgehängt. Bonbons. Zigarrettcn hinein — ein jeder ein eignes Geschäft. Er ist der Chef. Jeder schreit seine Waren am lautesten aus vollstem Halse — in uns fremd klingenden Lauten. „Koifen Se. koifen Se, scheine bil'ge Zickerle, Papirussi, daitsche Zigarretten. Berlihncr Ahmzeitungen fun haite (!) — Lodza Tagblatt — Lodza Volksblatt . . .". ein verdächtiger Blick und man hat eine Schar dieser kleinen Kaftanträger um sich her. denn dem Deutschen nehmen sie gern sein Geld ab — und die Alten bleiben stehen, versperren den Durchgang und gucken. Dann schlägt die Miliz dazwischen----. Die Polen hocken faul, blinzeln und knurren an allen Straßenecken ein hinterlistiges Volk — Psziakrew sind sie — hundsblütige - ob man reichere oder ärmere spricht: ein verfluchtes Volk sind diese Polen, sie sind falsch, beschimpfen und schlagen auch jetzt die Juden, z. B. auf den Armenämtern, die. wie man sich denken kann, meist von jüdischem Geld gebaut sind. .Juden bekommen nichts." So erzählt man mir, weil ich doch „ooch a Jid" bin. Auf der andern Seite zeigen

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