Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1915
- Issue
- 29/30 (Juni/Juli 1915)
- Date
- 1915-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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234 Das Instrument hierzu sehe ich nicht in der zionistischen Organisation, die zu vielseitig ist. als daß sie sich spezialisieren könnte, sondern in unserer Standesorganisation, dem Herzl-Bund — der den Weg zu denjenigen zionistischen Institutionen, die ihm dienlich sind, ebenso finden muß und wird wie zu jenen Stellen, die außerhalb des Judentums ihm förderlich sein können. Ich will wenigstens andeutungsweise einiges darüber aussagen, wie ich mir diese Entfaltung des Herzl-Bundes denke. Ein scharfumrissenes Programm aufzustellen, bin ich noch nicht in der Lage, weil mir die Zeit fehlte, das tatsächliche Material zusammenzubringen. Spricht man von einem Programm des H. B, so hat man zwei Dinge zu unterscheiden, nämlich I. die Arbeit des Bundes an sich, vertreten durch das Präsidium, 2. die Arbeit des Einzelnen, verkörpert durch den lokalen „Club". i. Beginnen wir mit der Arbeit des Bundes, des Präsidiums. Der Bund hat die beiden einander noch fremden Begriffe jüdischer Unternehmer und Palästina miteinander vertraut zu machen. Palästina ist selbstverständlich hier nicht rein politisch d h. territorial isoliert, sondern wirtschaftspolitisch zu verstehen, d. h. als Provinz des otlonianischen Wirtschaftsgebildes. Es gibt also wirtschaftliche Beziehungen mit der Türkei herzustellen. Eine Archivstelle hat das gesamte wirtschaftspoütische Material zu sammeln, türkische Handelsgeographie und Handelsstatistik zu studieren, sich mit den Export- und Importverhältnissen, dem Kreditmarkt, der Möglichkeit, große (leider (Anleihen) zu beschaffen und zu investieren, vertraut machen. Dies entwickelt sich von selbst zu einer Art Stellenvermittlung, die das systematische Abströmen jüdischer Kaufleute und Gelder nach der Türkei vorbereiten kann. Es gilt ferner, persönliche Beziehungen zu scharfen zu allen jenen Instanzen, die an einem engeren wirtschaftlichen Contakt jüdischer Kaufleute mit der Türkei ein Interesse haben: die zionistische Organisation, speziell das Palästinaamt. dessen Tätigkeit in unserm Sinne beeinflußt werden muß. Dann aber auch mit jenen Instanzen, die uns fördern können, weil wir nicht nur .luden, sondern auch deutsche Staatsbürger sind: die deutschtürkische Vereinigung, die deutsch-inländischen Exportstellen. Handelshochschulen etc. die deutsch-ausländischen Handelsvertretungen, die deutsch-türkischen Konsulate u. dergl. Ein Hinweis auf den bekannten vorjährigen Bericht des deutschen Konsuls in Jaffa genügt, um die reale Grundlage solcher Pläne erkennen zu lassen. Nach Friedensschluß wird Deutschland eine systematische wirtschaftliche Eroberung der Türkei in die Wege leiten, man wird tüchtige deutsche Kaufleute gern begünstigen.