Mannheim
Compact Memory

Herzl-Bund-Blätter · 1915-06-01 · 29/30 (Juni/Juli 1915) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1915
Issue
29/30 (Juni/Juli 1915)
Date
1915-06-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/4895413-5934797-5934868--261-4895652
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

233 Grundlage zur Aufnahme von Anleihen geschaffen war. Ohne sie hätte es, das scheint außer Zweifel, bei weitem eine so rasche und gesunde Entwicklung Griechenlands, jener damals ihres wahren nationalen Charakters bei weitem mehr entkleideten türkischen Provinz als heute Palästina, gegeben, als wir sie bewundern durften. ' * Die skeptische Folgerung, die sich für den Kritiker :;us dem Satze ergab, daß wir ein Volk von Händlern seien, wäre demnach wenig haltbar — und der Streit bald beendet, wenn nicht in dem Satze selbst der Keim zur schärferen Kritik läge. Wie? Sind wir ein Volk von Händlern? Wieso aber kann es dann geschehen, daß die Versuche, diesem Volk seine Unabhängigkeit wiederzugeben, nicht gemacht werden, wie es einem Volk von Händlern, von Unternehmern geziemt: wirtschaftlich und politisch, besser: wirtschaftspolitisch? Warum trägt die Organisation, die sich zum Wortführer der Unabhängigkeit machte, einen so akademischen Charakter, daß man glauben müßte, es wäre ein Volk von eitel Journalisten, Literaten, Advokaten, Professoren — und solchen die es werden wollen, oder die es nicht zu werden vermochten? Ist es je einem Volke zum Heile geworden, daß diese sozialen Gruppen sich zu Herren der öffentlichen Meinung machten? Kann es der rechte Weg eines Volkes sein, daß diejenigen seine Wortführer sind, die nur das Wort führen — während die Vertreter seiner wirtschaftlichen Interessen abseits stehen? Nein, dem jüdischen Freiheitskampf kann es nie gefährlich werden, daß wir ein Volk von Unternehmern sind - dem Zionismus der nächsten Jahre aber kann es seine Existenz kosten, daß nicht ein Volk von Unternehmern hinter ihm steht. Die Gefahr erkennen, heißt sie bekämpfen Nicht durch Kritik, denn wir sind Gegner jeder Negativität. Wohl aber durch unabhängiges, selbständiges Schaffen. Werden wir uns darüber klar, wir Anwärter auf wirtschaftliche Stützpunkte, daß es unsere Aufgabe allein ist, das zu schaffen, wozu eine Parteiagitation nie in der Lage ist: unberührt vom Straßenlärm wollen wir uns bemühen, jene Summe an Wirtschaftskräften zusammenzubringen, die allein eine erhebliche Versicherung territorialen oder Ökonomischen Charakters bewirken kann Palästina im gleichen Sinne zu erobern wie es die griechischen Kaufleute in der Diaspora mit Griechenland taten, ist unser Ziel. Anbahnung und Belebung wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Palästina und den anderen Ländern. Verbesserung seiner Handelsbilanz. Umwandlung seiner Küstenorte in blühende Handelsstädte unser Programm, die Erziehung widerstandsfähiger tüchtiger Kaufleute und Unternehmer unser Mittel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.