Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1915
- Issue
- 29/30 (Juni/Juli 1915)
- Date
- 1915-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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228 Eine Antwort an Walter Roth. Walter Roth fordert in der letzten Nummer unserer H. B. Blätter .Mehr praktische Arbeit*. Er macht aber rein äußerlich den Fehler, eine Arbeit zu fordern, von der er sich selbst kaum einen rechten Begriff macht. Denn eine Antwort resp. ein Programm erwarten wir in seinem Artikel vergeblich. Roth führt in seinem Artikel Forderungen einiger Bbr. Bbr. aus dem Felde an, sieht sich aber gezwungen, diese Forderungen abzulehnen, wegen Unmöglichkeit der Eifüllung. Eine Reihe von Antworten sind eingegangen und ich überlasse es gern Euerm Urteil I. Bbr. Bbr. zu ermessen, wieviel praktische Werte über Aussenarbeit in diesen enthalten sind. Ich glaube, Ihr seid alle K a u f I e u t e und d. h. Praktiker genug, um dieses beurteilen zu können. Wenn wir an diese Forderung Roths mit kritischen Augen herangehen, scheint es mir besonders an der Zeit zu untersuchen, was für einen Zweck die Gründung des H. B. hatte und was für Ziele wir verfolgten. Unsere Absicht war es und ist es, die Erziehung zionistischer Kaufleute in national-jüdischem Sinne zu beeinflussen und sie vorzubereiten für unsere große Zukunft. Oerade der gegenwärtige Krieg sollte uns in dieser Hinsicht Lehrmeister sein Es wird zwar bei uns viel auf die Theoretiker geschimpft und andauernd Arbeit verlangt, deren Erfolge handgreiflich zu Tage treten, das kann mich aber nicht irre machen. Stellen wir uns das deutsche Volk vor ohne Fichte, ohne Schleiermacher, ohne Kant, ohne die vielen Professoren, die die Erziehung des deutschen Volkes geleitet haben — und was bliebe übrig? Zwar sagt Goethe .grau, lieber Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldener Baum*, aber seien wir uns doch klar, was sollen alle die jungen Bbr. Bbr. die zu uns kommen (im Alter von 16-20 Jahren) bei uns für praktische jüdische Arbeit leisten? Glaubt man wirklich ernstlich, daß wir mit unseren mehr als schwachen Kräften zur Lösung der Judenfrage in Polen und Galizien auch nur in einem winzigen Teilchen schon jetzt etwas beitragen können! außer Geld zu geben? Die geringen Arbeiten für den N. F. zu leisten ist wohl selbstverständlich, aber nicht Zweck unserer Erziehung. Roth sagt zwar, .diese Erziehungsfrage bedarf keiner Erörterung aber wir müssen nicht vergessen, daß wir Mittel zum Zweck sind." Selbstverständlich, aber nur mit Leuten, die wir für diesen Zweck erzogen haben und die Disziplin gelernt haben «etwas, was bei uns noch viel zu wünschen übrig läßt.) Kot Ii fährt selbst weiter fort: .Unsere Mittel sind beschränkt, aber das soll uns nicht hinderlich sein. Portes fortuna adjuvat".