Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1915
- Issue
- 27/28 (April/Mai 1915)
- Date
- 1915-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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217 Assimilanten fehlten. Wie mir ein Bekannter sagte, waren 50 pCt. der Besucher Handwerker und Dienstmädchen. Ich hielt die Mädchen für steinreich, bei uns geht die bessere Gesellschaft so, Kleider nach Pariser Modellen, die jungen Leute Smokinganzüge, es ist kaum zu glauben, aber es ist Tatsache, liier leben die meisten Juden über ihre Verhältnisse, die einzigen anständigen Juden sind die Zionisten, das sagen auch manche anständigen Assimilanten. Die Vorstellung klappte sehr gut, hesser als es bei uns der Fall ist. Sieben Bilder, jedesmal andere Kulissen, die Leitung ist aber ungeschickt, es sind nur 100 M. übriggeblieben, trotzdem alles ausverkauft war, ohne jede Kalkulation, die Ausgaben waren ungeheuer. Vor dem Theater war ein derartiger Andrang, daß jüdische Feuerlöscher die Ordnung aufrechterhalten mußten. Ich war der einzige Deutsche dabei und wurde hinter die Kulissen gebeten, ehrenhalber, es war sehr nett dort, aber auch keine Ordnung, ca. 50 Chamossims bedienten die Kulissen. Sehr gut war auch bei einem Bild das bengalische Feuer, das so roch, daß die Sänger 5 Minuten nicht weitersingen konnten und die Zuschauer alle husten mußten. Ich sagte ihnen in der Pause, sie sollten im nächsten Bild (Scheiterhaufen) das Feuer fortlassen, so entstand eine Diskussion, und dann wurde folgende Resolution angenommen. „Ohne Feuer kein Theater." Man dankte mir, aber man stenkerte weiter; die gleiche Sache ist mir einmal in Tirschticgcl vorgekommen, dort wurde ein vaterländisches Stück aufgeführt, die Handlung dauerte etwa 30 Minuten, das Gefecht ca. 60 Minuten, jeder wollte eben schießen, hierbei sind alle Frauen ohnmächtig geworden, mir selbst wurde damals auch sehr schlecht, so roch es nach Pulver. Anbei noch eine Pesachnummer einer jüdischen Literatur- Zeitschrift mit einem schönen Gedicht von einem jungen Lodzer Katzenelton. Ihr wundert Euch sicherlich, daß der Bibliothekverein sich nicht „Jüdisch" nennt, dies ist hier aber selbstverständlich, paritätische Vereine gibt es hier nicht, nur jüdische und polnische. Nachts habe ich bei einem Zionisten Weizmaim gewohnt, der schon auf drei Kongressen Delegierter war und eine Dachpappenfabrik in Palästina hat, ein ganz famoser Mensch, Vollzionist, die Fabrik erfordert Zuschuß und doch behält er sie aus Idealismus . \. Arbeitsberichte. Berlin. In der Berichtszeit hatten wir wiederum stark unter Einziehungen von Clubbrüdem zu leiden; unsere Mitgliederzahl ist nunmehr auf 18 aktive und 8 inaktive Clubbrüder, die noch in