Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1915
- Issue
- 27/28 (April/Mai 1915)
- Date
- 1915-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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215 Korrespondenzverpflichtungen im umgekehrten Verhältnis tu meiner Zeit. Außerdem waren aber die vergangenen Tage so grau, so daß sie eine richtige Stimmung nicht aufkommen ließen, und einen in diesem hier außerordentlich langweiligen Kriege dumpf und blöde durch das Leben wandeln ließen. Hestern aber war: Frühlingsanfang! Und mit aller Macht hat diese schöne Jahreszeit ihren Einzug gehalten. Die grauen Böschungen unseres Grabens sind über Nacht grün geworden. Die Vögel singen, die Blumen blühen, und alles erwacht zu neuem Leben, und in all diesem neuen Werden erscheint der Krieg wie beißender Spott. Der Mensch allein sinnt Tod und Verderben in diesem jungen Weben und Streben. Möge doch auch der große Völkerfrieden aus seinem Schlaf erwachen und Ruhe und Frieden auch für die Menschen bringen. Glaubt mir, der Mut, die Begeisterung und der Wille zum Siege sind die gleichen geblieben. Aber wenn sich allmählich die Reihen lichten, wenn einem nahe und liebe Menschen dahingehen, wenn sich die bekannten Namen in den Anzeigen von Tag zu Tag vermehren, dann wird man unsagbar traurig und alle Abenteuerlust vergeht vor dem furchtbaren Ernst der Zeit. Gott sei Dank ist man jung und findet bald das seelische Gleichgewicht wieder, aber . . . Ich möchte Euch nicht länger mit meiner Melancholie langweilen. Ihr werdet mich verstehen. Glaube ich doch, daß das Furchtbare Euch dort noch greller erscheinet als uns hier. Eure offiziellen Berichte, sowie Eure besonderen Briefe, nicht nur aus Berlin, auch aus Hamburg, Hannover, Wien Von Rabinowit/ usw. machen mir stets die größte Freude und fesseln mich stets fester an Euch . . . . . . Unsere Verluste sind einfach schrecklich, Rudi Danziger, man kann es sich wirklich nicht vorstellen, leider, leider, muß man aber mit Verlusten rechnen; jeder, der ins Feld kommt, ist verloren, wenn er wiederkommt, ist es Zufall und olücL Wenn der Krieg nur erst zu Ende sein wollte. Ueber den Tod von Arons Bruder komme ich auch nicht hinweg, ich schätze ihn weniger als Zionisten, wie als Menschen, einfach ein Pracht« kerl. . Ihr wißt doch, daß er öfter unter „Ben Ami" im Zeitgeist geschrieben hatte? Leider kann man im Felde nicht lange trauern, man darf gar nicht darüber nachdenken, sonst ist es trostlos, man muß später dafür ernster leben . . . . . . Von Galizien will ich Euch etwas berichten, einem Lande, das uns schon alle ja schon mehr oder minder einmal beschäftigt hat, und so stürmten auch auf mich mancherlei Empfindungen ein, als ich zum ersten Male auf galizischem Boden stand Wechselvolle Gedankengänge paarten sich mit Erinnerungen an