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Herzl-Bund-Blätter · 1915-04-01 · 27/28 (April/Mai 1915) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1915
Issue
27/28 (April/Mai 1915)
Date
1915-04-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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214 draußen im Felde! Viele, teilweise die Großen unserer Bewegung sind schon ein Opfer dieses Krieges geworden. Und darum ist es an Euch, die Ihr daheim seid, das, was bisher in heißem Ringen geschaffen ist, mit eiserner Energie zu erhalten. Freilich eine große schwere, doch auch eine herrliche Arbeit für Euch. Eine große Arbeit wartetet gerade auf uns nach diesem Kriege! Und werden wir imstande sein, diese zu leisten? Die Frage stellen heißt sie hejahen! Wir müssen und werden sie leisten!... . . . Man hat auch viel schöne Tage miterlebt, viel gelernt, viel Menschenkenntnis erlangt u. a. m. Stundenlang könnte man schreiben i Nur noch etwas über die Juden in Polen. Ein allermeist trauriges Kapitel, das muß ich offen bekennen. Ich kenne ja dies Land nicht im Frieden, das ist wahr. Aber wenn es dann auch so ist, dann schade, dann traurig für uns!! Jüdische Prostituierte! Ein grausiges Bild für einen Juden zu sehen. Aber wahr, denn ich babe es mit eigenen Augen beobachten können. Aus Not sagen sie hier? — Ich habe wirklich mit jüdischen Augen die Dinge gesellen, aber oft Abscheu empfunden vor dem niederträchtigen und gemeinen Geschäftssinn der hiesigen Juden. Und der Dreck! Nein, dafür können sie nichts, aber es lehrt einen Westeuropäer um so eindringlicher, was er als Zionist für eine schwere Aufgabe auf sich genommen hat. Ich habe Stunden erlebt, in denen ich zu zweifeln anfing, ob es sich lohnte, für diese Leute etwas zu tun — — -, ich Jiabe es übeistanden und bin Zionist, wie zuvor. Aber ein praktisch' denkender, des könnt Ihr sicher sein! ... . . . Wenn ich Euch nun über „Risches" schreibe, so beklage ich mich nicht, sondern ich stelle nur die Tatsachefest, daß der Sammelname „Jude" meistens in unschöner Weise gebraucht wird. Ich nehme stets einen solchen Vorfall zum Anlaß, um aufklärend zu wirken und babe bei den meisten Leuten — sie« geben es wenigstens zu damit (ilück . . . . . . Das Pessachfcst habe ich bei galizischen Juden in Brzesko verlebt, wozu wir zwei Tage Urlaub hatten. Die Hagadah der Zionistischen Vereinigung erweckte bei den österreichischen Soldaten, die hier zu Passach weilten, große Freude, da sie selbst nicht im Besitz einer solchen waren. Im Tempel erzählten uns die jüdisch-österreichischen . Landstürmer, daß sie schon monatelang ohne Nachricht über das Schicksal ihrer Familien in Ostgalizicn und in der Bukowina wären. Mazzes hat man nur sehr spärlich ranbekommen, so daß es für die Mehrzahl ein ziemlich trauriger Passach wurde . . . . . Ihr müßt schon etwas Oeduld haben, wenn Ihr einmal längere Zeit nichts-von mir hört, aber immer noch stehen meine

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