Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1915
- Issue
- 27/28 (April/Mai 1915)
- Date
- 1915-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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211 — Dieser Plan, wie so viele andere, krankt daran, daß er nichts Bestimmtes gibt, wohl von der besten Absicht getragen ist, aber nicht genug durchgedacht, um in die Praxis umgesetzt w erden zu können. An eine Arbeit des HC, die wir tatsachlich, wenn auch in zu geringem Umfange, geleistet haben, denke ich immer mit Freude zurück, das ist die Fürsorge für die in Berlin inter« nierten russischen und polnischen Juden beim Ausbruch des Krieges. Damals hatte wirklich jeder von uns, der da mit seinen kleinen Kräften helfen konnte, das (iefühl, etwas für die jüdische Allgemeinheit getan zu haben, und dieses (iefühl beglückte uns alle. Seine Triumphe feierte der (iedanke der schnellen Tat bei uns, als bei Kriegsbegiifn ünsere Leute sich in Scharen freiwillig stellten und in den Kampf zogen, und wir träge Zurückgebliebenen mußten uns noch durch den Brief Otto Lehmanns aus dem Felde beschämen lassen, der /u uns über Dankbarkeit für unsere Arbeit sprach. Sind wir dieser „Dankbarkeit" schon würdig? Haben wir wirklich schon irgend etwas, außerhalb selbstverständlich der direkten Arbeit für den HB, geleistet, was auf Dankbarkeit von unseren draußen jetzt wirklich tätigen Freunden Anspruch hätte? Ich behaupte: Nein! Aber mit Freude erfüllt es mich, daß Symptome im HB zu keimen beginnen, die darauf hinströmen, auch A u ß e n a r b e i t zu leisten. Ueberalt hat man das Lmpfinden, daß sich etwas bilden will, das sich noch nicht so recht ans Licht wagt, und doch muß gerade unsere große Zeit die Tat gebären, die uns freier und in der Ausführung der Tat glücklicher macht, Es bedarf wohl keiner besonderen Erwägung, daß jede Arbeit fürs Judentum, die wir außerhalb des HB leisten würden, immer den HB zum Ausgangspunkt haben müßte. Ich glaube, daß für diese Tätigkeit ganz besonders unsere Inaktiven heranzuziehen sein werden. Vieles kann der Einzelne jetzt schon hier ohne weiteres tun. Es ist zweifellos ein Fehler unserer ganzen Bewegung, daß in oq von 100 Fällen der junge Zionist nur wieder in zionistischen Kreisen verkehrt und kaum aus diesen Kreisen herauskommt, um für die Bewegung werben zu können. Wir erreichen durch unsere intensive Innenarbeit selbstverständlich eine bessere Durchbildung unserer Leute, aber keine Vergrößerung unserer Anhänger. Jetzt ist mehr als je für jeden der Augenblick gekommen, an diesem Punkte einzusetzen. Es ist höchst interessant, zu beobachten, wenn mau irgendwo in (iesellschaft kommt, die mit dem Judentum sonst nicht die geringsten Zusammenhänge hatte, wie sich bei der üblichen Besprechung der Kriegsprobleme ganz von seihst das (iesprach auf die Stellung der Juden im Felde lenkt und oft, sehr oft, hört man auch