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Herzl-Bund-Blätter · 1915-04-01 · 27/28 (April/Mai 1915) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1915
Issue
27/28 (April/Mai 1915)
Date
1915-04-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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212 in diesen Kreisen leise über den Antisemitismus jammern. (Ich muß dabei immer an die von Herzl in seinen „Gedanken zum Judenstaat" so fein geschilderte Stimmung denken, die über der Familie Singer liegt, als Herzl einmal zu ihr kommt.) Hier kann und muH also schon jetzt gehandelt werden. Die zionistische Partei als solche kann naturgemäß in der Zeit des Burgfriedens durch allgemeine öffentliche Erörterungen dieser Fragen in Versammlungen usw. nichts tun und muß diese Tätigkeitsgebiete jetzt an ihre Mitglieder abtreten. Einige maßgebende HCer stehen vorläufig leider auf dem Standpunkt, daß wir mit unseren geringen Kräften im Kriege nichts anderes zu tun hätten, als unseren HB zu stärken und auf ihn und auf die Ausbildung unserer Mitglieder die ganze Arbeit zu konzentrieren. Es bedarf hier wirklich keiner Erörterung, daß das selbstverständlich unbedingt notwendig ist und mit allen irgend verfügbaren Kräften weiter betrieben werden, muß. Aber wir dürfen niemals vergessen, und das ist das wichtigste, was ich sagen will, daß wir immer nur Mittel zum großen Zweck sind. Es ist wahr, unsere Mittel sind beschränkte, aber das soll uns nicht hinderlich sein. „Fortes forum.i adjuvat" sagt ein lateinisches Sprichwort; fortes, aber nicht die, die Angst vor der eigenen Courage haben. Auf jeden, der auch nur etwas Empfinden hat, muß das maßlose Elend der" ostlichen Juden, die ungemein schwierige Lage unserer Einrichtungen in Palästina und alle damit zusammenhängenden Probleme so wirken, daß aus der Betrachtung der Wunsch und Wille zur Tat lebendig werden muß. Die Ohnmacht solchen Zustanden gegenüber darf nicht länger nur das Gefühl einer schmerzlichen Resignation in uns auslösen, sondern muß unter allen Umständen die Anregung zum Schaffen sein. Ich weiß auch, daß unsere Mittel beschränkte sind, ebenso aber weiß ich, daß das Schaffen für eine große Sache, auch wenn es von noch so geringen. Erfolge gekrönt ist, wenn man es nur mit aller Kraft, bechol lewowcho, betreibt, uns selbst innere Befriedigung gibt. Praktisch sein, das ist die Forderung, die wir jetzt erheben müssen. Vergessen wir auf einige Zeit, daß wir die Schwärmer in Israel sind. Ueberlassen wir alle Theorien und Ideologien ruhig anderen, die es besser verstehen. Vor allem, erschöpfen wir uns nicht in Phrasen! Was Jizchok ben Schmuel uns neulich sagte, ist schön und gut, aber es erwächst uns praktisch nichts daraus. Mit Pathos allein können wir jetzt nichts anfangen. Martin Bub er hat in seiner Einleitung zum „Rabbi Nachman" Pathos mit „Wollen des Unmöglichen" umschrieben. Wir sollen das Mögliche wollen! Vieles wird gerade jetzt unausführbar sein, aber vieles kann jetzt schon so vorbereitet werden, daß es bei Eintritt ruhiger Zeiten sofort in die Tat umgesetzt werden kann.

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