Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1915
- Issue
- 27/28 (April/Mai 1915)
- Date
- 1915-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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210 Mehr praktische Tätigkeit! In dem jüngst gehaltenen wundervollen Vortrage „Die Juden als Volk des Orients" teilte Martin Buber die Kulturmenschheit in zwei Gruppen ein, die er als „Sensorische" und .„Motorische" bezeichnete. Als Typ des sensorischen Menschen stellte er den Griechen hin, als Typ des motorischen den Juden. „Der Grieche will die Welt bewältigen, der Jude will sie vollenden. Für den Griechen ist die Tat in der Welt, für den Juden ist di e Welt in der Tat. Die Tat ist ihm mehr als das Erlebnis. Sein Erlebnis istinseinerTa t." Prüfen wir, wie der Gedanke der Tat sich im HB gestaltet hat, wie er sich gestaltet und vor allem, wie er sich gestalten soll und muß. Ich denke in folgendem nur an die Tat im Judentum und die Arbeit fürs Judentum außerhalb der direkten Arbeit für den HB. Die mannigfaltigsten Pläne sind schon bei uns erwogen worden, wenige zur Ausführung gelangt. Ich will an einige Versuche der allerletzten Zeit kurz erinnern. Es wurde von einem Clubbruder geplant, junge kräftige Leute nach Polin zu schicken, Turnvereine zu gründen und die russischen Juden, soweit irgend möglich, körperlich zu erziehen, stark zu machen. Ein sehr ideales Projekt, das aber an den großen Schwierigkeiten und leider untauglichen Mitteln, die uns zu Gebote standen, scheitern mußte und nicht zur Ausführung gelangte. Ich erinnere hier auch an die geplante Propaganda für die palästinensischen Bankinstitute, die wir im Sommer vorhatten, und die Bbr. Werner-Hamburg und ich in Artikeln in unseren Blättern anregten. Bei der Besprechung dieser Fragen in Berlin tauchte das Projekt auf, der MC sollte die Propaganda für diese Shares nicht nur unter seinen Mitgliedern, sondern auch in der zionistischen Oeffentlichkeit betreiben. Wie sich diese Dinge nach ■ dem Kriegtgestalten werden, ist noch vollkommen unklar. Vielleicht wird es notwendig sein, daß wir als Organisation von jungen Kaufleuteii das alles, falls die dafür zuständige Stelle hier versagen sollte, in die Hand nehmen. Daß die Schwierigkeiten hierbei große sein werden, ist selbstverständlich. Man braucht ja nur daran zu erinnern, daß die Shares zu vollem Nominalwert ausgegeben werden sollen, und doch die Situation der Banken nicht besser geworden ist und sich der hohe Kurs kaum rechtfertigen lassen wird. Das nebenbei. Ein anderer Clbr., der jetzt in Polen telegraphiert, hatte vor, eine Geldsammlung einzuleiten für irgendeinen Zweck in Palistina und dem HG die Ausführung dieser Dinge zu übergeben. Es tollte sich eventuell nur um ein kleines Feld handeln, das der HB zu beherrschen hätte, und auf dem er Direktiven geben sollte.