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Herzl-Bund-Blätter · 1915-04-01 · 27/28 (April/Mai 1915) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1915
Issue
27/28 (April/Mai 1915)
Date
1915-04-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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209 Es war nun eben einmal seine Art, wo er in seinem kurzen Leben auch stand, bald an der Spitze zu sein. — Kaum hatte er dies gesagt, als er neuerdings ein Schuß erhielt, der ihn am Laufen völlig hinderte. Ein Kamerad, der Putzer meines Bruders, dem er, wie so vielen andern ,manche Liebestat erwiesen hatte, nahm ihn auf den Kücken und kroch mit ihm auf allen Vieren bis zu einem Loche, das eine Granate ausgehöhlt hatte. Hier, wo Rudolf einigermaßen geschützt war, setzte er ihn ab, da er sich wieder an die Front begeben mußte. Trotz der Warnung dieses Braven kroch mein Bruder aus seinem Unterschlupfe heraus, vielleicht, weil er sonst ,wie so viele andere, erfroren wäre, und wurde von einer Kugel so schwer getroffen, daß er sofort die Besinnung verlor. In diesem Zustande wurde er von Sanitätsmannschaften auf den Hauptverbandsplatz gebracht. Die Schlacht verlief sehr blutig. Von der Kompagnie Rudolfs kamen nur etwa 17 18 Mann mit dem Leben davon, im ganzen Bataillon waren es etwa 70—80. Nach zwei Tagen wurde Rudolf ins Lazarett eingeliefert. Er hielt seinen Zustand nicht für besorgniserregend und schrieb an die Karte, die er der Krankenschwester an Mutter ansagte, die Worte: „Aengstige Dich nicht. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder." Ahnungslos, ohne Schmerzen, entschlief Rudolf am 9. ganz sanft. Vergebens hatten die Aerzte geglaubt, ihn am Lehen erhalten zu können. Ein Schwächezustand machte den /erschossenen Körper widerstandsunfähig. Am 10. wurde mein Bruder gemeinsam mit zwei Kameraden bestattet. In Sadykicrcc, südlich Rawa, erhebt sich ein kleiner Hügel. Hier ist ein kleiner Heldenfriedhof von 30 m im Quadrat angelegt. Das Regenwasser läuft dort gleich ab, und (ieschosse werden die Stelle nicht zerstören, da sie strategisch völlig wertlos ist. Am Eingange ruht mein geliebter, sonniger Bruder zusammen mit den beiden Erwähnten. Meine Mutter hat zur Verfügung des Lazaretts einen Geldbetrag gespendet und erhielt darauf einen Bericht über Rudolfs zweitägige Krankengeschichte, mit der Zusicherung von Bildern des Friedhofes und besonders des Grabes, das uns allen teuer ist. Es gibt aber fast noch Wunder. Der Bruder unseres Breslauer Bbr. Blumenthal, der als Feldar/t auch in jener Gegend weilte, eilte auf die Kunde von Rudolfs Tod zu seinem Kollegen, dem Oberstabsarzt von Wurtheiiau, der Rudolf behandelte, und hat sogleich veranlaßt, daß Rudolf allein bestattet wurde. Ich hoffe auch, daß es uns durch die gütige Vermittelung von Dr. Sallv Blumenthal gelingen wird, meinem Bruder einen kleinen Stein zu setzen. Rudolf hat einen Tod gefunden, der seinem Leben entsprach. Es grüßt in treuer Bundesbrüderlichkeit Ihr Walter Dan riger.

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