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Herzl-Bund-Blätter · 1915-01-01 · 24 (Januar 1915) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1915
Issue
24 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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177 mattfarbig bemalter Holzhäuser bietet ein ganz einheitliches Bild reizvollster Rückständigkeit. Wohnen blieben hier nur Juden, viel Hirszenbergsche Gestalten, doch auch Balbattim und die süße Sulamith mit strahlenden schwarzen Augen. Einen Kaufmann begrüße ich: Scholem alechem. Der schickt seinen Jungen herüber, welcher mit lebhaften Uebärden forscht: Sennen e Jid? — Bin e Jid, sage ich. Trogen Zizekamfes? — Trog Zizekamfes. — Vun wo? — Vun Berlin. — Vun Berlin, ai ai ai (bewunderndes Wiegen des Kopfes), sennen in a Qewölb (Geschäft)? So fragt er und zwischendurch winkt der kleine Bocher seine ganzen Bekannten her, so daß schließlich fast ein Cheder um mich versammelt ist. Ich und ein christlicher Kamerad sind von 25—30 Knäblein umsprungen, um uns in großem Kreise neugierige Soldaten. Da ruft ein vorwitziger Kleiner: „Sennen Se e Jid, so lesen Se Chumisch." Ich nehme ihm das Buch aus der Hand und lese, da verklären sich die Gesichter: Der 'Deutsche liest Chumisch. Und die Freude springt in alle Glieder. Sie klatschen in die Hände und strahlen. Es war für mich und — wie ich mit Freude feststellte auch für meinen Kameraden ein unvergeßlich rührender Augenblick, wie wenige Zeilen hebräischer Worte in uns zum Symbol unserer untrennbaren Zusammengehörigkeit wurden. W., die nächste Stadt (60 000 Einwohner, davon 30000 Juden) ist ganz nüchtern und schmutzig. Goldstrotzende kalte Kirchen und geschmacklose Schulen, schmutzigweiße Gebäude mit grellbunten Fenstern. Ein prachtvoll aufgeweckter 16 jähriger Jude führte uns eingehend herum und erzählte in einer entzückenden, biblisch bildhaften Ausdrucksweise viel von Russen, Polen, Juden, Deutschen, was sich besser zur mündlichen Wiedererzählung im Frieden eignet . . . . . . und empfinde ich es manchmal fast schwer, daß die Pflicht dem Vaterlande gegenüber mir eine Mitarbeit an unserer Sache für längere Zeit unmöglich macht. Andererseits aber erzeugt der Krieg feste Menschen; stark, mannhaft und zielbewußt zu sein, lehrt er uns, und in Einmütigkeit lernt ein jeder, unverzagt und festen Auges allen, wenn auch noch so schweren Ereignissen zielbewußt entgegenzutreten. Daher weiß ich schon heute, daß sich die in den Einleitungsworten der neuen HB Blätter ausgesprochene Erwartung des Präsidiums, einen Nutzen von den im Kriege gesammelten Erfahrungen der Bundesbrüder zu haben, erfüllen wird. Denn mehr als bisher hat uns das Völkerringen die ganze Tragik des jüdischen Volksschicksals vor Augen geführt, hat uns die verhängnisvollen Folgen eines nicht geeinten Vorgehens gezeigt . . . Wir Juden aber, wir jungen Zionisten, finden jetzt in dem Krieg einen guten Lehrherrn; noch fällt ja kein Lichtstrahl in das undurchdringliche Dunkel der Zukunft, aber wie die Dinge dann

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