Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1915
- Issue
- 24 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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175 anderen Sinnes werden und, „wenn sie zurückkommen, sicher mit aller Kraft für diese Ideen eintreten". Euch andere aber bitte ich, überlegt Euch, ob wir im HB <die Forderung nach strengster Disziplin und Pflichterfüllung missen können. Glaubt Ihr, daß Deutschland sich gegen die erdrückende Einkreisung so erfolgreich hätte wehren können, hätte seine Armee nicht das gehabt, was den anderen fehlte oder doch nur in geringem Maße eigen war, Disziplin? Eiserne Disziplin! Und gerade wir Juden müssen diese Disziplin ganz und unbeschränkt verlangen. Ist es doch einer unserer Kehler — wenn auch historisch erklärlich -: der Mangel an Disziplin, das Nichtanerkennenwollen von Autoritäten und 1'eberunsste.henden. Aber eben, weil wir jene unsere Geschichte, kennen und weil wir eine Zukunft wollen, die anders aussehen soll, deswegen müssen wir doppelt daran arbeiten, uns zu erziehen zum Gehorsam. Ich sagte, es sei ein jüdischer Fehler. QewiB, aber gestärkt und begünstigt wird er noch durch die sogenannte moderne Erziehung, durch das „Recht der Jugend" oder wie all' diese Schlagworte heißen. „Individualitäten" wollen sie sein und was werden sie? Innerlich zerrissene Menschen. „Höchstes (ilück der Erdenkinder ist doch die Persönlichkeit", so Goethe. Gewiß — nur heißt nicht das Persönlichkeit, was wild darauf los wächst und alle Triebe und Anlagen frei schießen läßt. Nein, Persönlichkeit ist viel mehr: sich bescheiden, sich in seinen Grenzen halten und auch in den Grenzen, die die Welt, die Verhältnisse uns stecken. In diesen Grenzen aber seine Werte zur vollen Blüte zu bringen, das ist das Ziel, das macht glücklich und das schließt in sich die Fähigkeit und den freien Willen, sein eigenes kleines Ich unterzuordnen dem Interesse eines großen Ganzen, und die über uns gesetzten Führer anzuerkennen und zu respektieren. Und seht, wir Soldaten müssen gehorchen unseren Vorgesetzten, die — weiß Gott - manchmal tief unter uns stehen: sozial, geistig, ethisch. Ihr aber, wir alle im HB, wir haben unsere freigewählten Führer über uns, die Besten und Tüchtigsten. Und denen sollten wir nicht gern gehorchen, auch wenn mal da etwas kommt, was uns unverständlich erscheint? Blinder (iehorsam — das ist ein Wort, das man nehmen kann, wie man will! Was ich meine und im HC verlange, das kann man nicht blinden Gehorsam nennen. Pflichterfüllung bis zum äußersten, sie ist so notwendig wie nur etwas für unsere Bewegung, und wir im HG, die wir die späteren Träger und Führer unseres Gedankens bilden wollen, müssen unsere Pflicht erfüllen mit Liebe und Ernst — getreu bis zum Tode. So tun wir Soldaten es jetzt fürs Vaterland, und wieviele von uns fühlen nicht in sich das Bedürfnis, den Wunsch, mehr zu tun, als nur die Pflicht (obwohl auch die oft schwer