Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1915
- Issue
- 24 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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174 . . . . Freundschaften entstehen, ist eine selbstverständliche und auch gewollte Folgeerscheinung . . ." Das meine ich auch. Das „Brüderliche" in Bundesbrüderlichkeit läßt weiteren Spielraum. Denn wir sind uns ja wohl einig, daß Brüder nicht immer Freunde in höherem Sinne zu sein brauchen, ja selten sind (ganz natürlicherweise). Dagegen besteht zwischen Ihnen wohl stets „das unbedingte Verantwortungsgefühl des einen für den andern". Fühlt sich doch jeder auch moralisch für seine Familie verantwortlich. Ich lebe in Bundesbrüderschaft mit allen in Berlin, einzelnen dagegen näherte ich mich mehr und wir wurden Freunde. Allen bin ich Bundesbruder, einzelnen sogar Freund! Liebe ich meine Bundesbrüder nicht auch, obgleich ich einen Freund habe, den ich tiefer in meine Seele blicken lasse? Vielleicht lohnt sich's gar nicht, diese Frage so .lusführlieh zu behandeln, vielleicht ist es nur eine Doktorfrage, und in praxi wird Samuels und E. Roths Ansicht wohl auf eins rauskommen. Vielleicht auch nicht. Ich kann's im Augenblick schlecht übersehen. Aber weil's zweifelhaft ist und ich Samuels Ansicht für richtig halte, habe ich mich solange hierbei aufgehalten. Nicht hierüber lag mir am Herzen, Euch zu schreiben, sondern über die Disziplin und was damit zusammenhängt. „Man sage nicht, daß man diesen Krieg ,diese großen Ereignisse nicht als Vergleich heranziehen kann." Sehr gut! Auch ich glaube und verstehe es auch, daß viele diese Ansicht haben. Aber sie ist falsch! „Jetzt ist die Zeit zu lernen!" Und ich will Euch gleichzeitig noch etwas verraten. Euch scheinen diese Ereignisse zu groß, zu erhaben, um daran Eure Alltagsarbeit messen zu können. Was ist uns hier draußen der Krieg? Zuerst war's vielerlei und viel Schönes: Rausch, Begeisterung, Traum, die endlich erfüllte Menschensehnsucht nach etwas Wunderbarem, das Ende des nüchternen Alltagslebens. — Und heute? — Vieles davon ist geblieben — sicherlich — hat sich zu Wirkungen verdichtet, und mancher von uns hofft, besser und stärker heimzukehren. Aber aus dem Traum ist nüchterne Wirklichkeit geworden und — I h r zu Hause mögt noch Festtagsstimmung haben — wir leben wieder im Alltag. Allerdings ein andere- Alltag als vordem, eben Kriegsalltag. Aber Alltagsleben mit allen Erscheinungen, wie Schwere der Pflichterfüllung und dergleichen. „Disziplin, Unterordnung, Opfer!" Ihr wißt, das sind Forderungen, die auch ich stets gestellt habe. Ich selber habe gefehlt und wohl die eine oder andere dieser Forderungen nicht stets erfüllt. Leider. Auch diese Schwäche muß und wird bei uns verschwinden. Aber vor der Tat kommt in diesem Falle die Erkenntnis. Und ich glaube, ich habe recht / mit der Annahme, daß noch nicht jeder von uns durchdrungtn ist von der unbedingtci. Notwendigkeit jener Forderungen. Diejenigen unter diesen Bbr., Bb', die jetzt im Felde stehen, werden hier draußen