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Herzl-Bund-Blätter · 1915-01-01 · 24 (Januar 1915) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1915
Issue
24 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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172 Eins sei vor allem betont: Jugendlichkeit ist eine Eigenschaft, die unabhängig von der zeitlichen Jugend bis in das späteste Alter bewahrt werden kann. Aber nur wenige, die wirklich' großen Menschen werden die Kraft in sich haben, allein, wie Zarathustra, auf die Höhen zu gehen und dort ein übermenschliches Leben zu führen. Nur ein Kreis von Menschen, die sich zu einem hohen sittlichen Ideal — uns ist es der Zionismus — bekennen, wird unter den zermalmenden Wirkungen des Wirtschaftskampfes Schulter an Schulter mit Freund und Bundesbruder den Kampf für seine Ideale und seine Jugendlichkeit führen können. Das sei unser Streben im Herzl-Bund: Jung zu bleiben. Von diesem Gesichtspunkt betrachtet bekommt unsere Arbeit einen ganz neuen Kern. Sie ist nicht mehr, wie viele vielleicht heute noch glauben, ein dauerndes Opfer von Zeit, Geld und persönlicher Freiheit, sondern sie ist ein ewiges Empfangen von Frische und Arbeitskraft, von Frohsinn und Lebenslust. Nicht für die anderen, nicht für die Gemeinschaft, vornehmlich für sich arbeiten die, die am aktivsten bei uns tätig sind. Wir werden in unserem Arbeitsprogramm dort, wo bisher noch nicht in diesem Geiste gearbeitet wird, eine innere Aenderung eintreten lassen müssen. Viel regelmäßiger werden Wanderungen, Liederabende und zwanglose Beisammensein stattzufinden haben. Wir wollen echten Wandergeist pflegen, frei und froh hinausziehen in die Natur, alle Politik daheim lassen. Wenn wir wandern, vergessen wir alle Häßlichkeit, alle Kleinlichkeit und alle Unfreiheit, wir sind für ein paar Stunden sorglos und zufrieden. Auf unseren Fahrten wollen wir uns unser Kinderland bewahren. Solche Stunden werden uns für vieles entschädigen, wenn wir wirklich einmal Opfer im Dienste unseres Ideals bringen müssen. Freilich, wir Zionisten sind gewohnt zu opfern, mehr, viel mehr zu opfern als unsere politischen Gegner, darin besteht ja das große Geheimnis unserer Kraft, aber wir haben es dafür gelernt, dem Leben die schönen Seiten viel reichlicher abzugewinnen als sie. Unsere HCer Pflichten werden wir dann auch viel leichter ertragen, viel lieber werden wir in die Kurse und Vorträge kommen, weil wir wissen, daß wir große Lücken auszufüllen haben, daß dies Gebiet jeder, der zu uns gehört, beherrschen muß. Und froh und mit Recht werden wir sagerf können, wir haben unsere kostbare, nie wiederkehrende Jugendzeit nicht mit leichtsinnigen Vergnügungen und Zerstreuungen vergeudet. Und noch eins. Wir haben auf dem Bundestag als oberste These angenommen: Bundesbrüderlichkeit ist die Grundlage des HB. Wird die Bundesbrüderlichkeit nicht zur Phrase, wenn man sie sich unter Spießern, unter Menschen, die im Alter ihre Ideale verloren haben, vorstellt? Nur unter jugendlichen, warmherzigen Menschen kann wahre Bundesbrüderlichkeit herrschen,

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