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Herzl-Bund-Blätter · 1914-11-01 · 22/23 ( November/Dezember 1914) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1914
Issue
22/23 ( November/Dezember 1914)
Date
1914-11-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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157 großen Ereignisse nicht als Vergleich heranziehen kann. Jetzt ist die Zeit zu lernen, jetzt ist die Zeit zu handeln, und an das Kleinste und Unscheinbarste ist mit derselben Begeisterung, demselben Pflichtgefühl heranzugehen, wie an die großen Aufgaben, die diese große Zeit an jeden stellt. Wir sind die Bahnbrecher, die Pioniere der Bewegung, wir sind die zionistische Organisation der Zukunft. Für diese große Verantwortung bedarf es gefestigter Menschen. Wir sind die Wüstenpilger, die das üelobte Land vielleicht nicht sehen werden, aber der Lohn unserer Opfer wird uns in der Glückseligkeit, die jn jedem Wirken und Schaffen liegt. Pioniere — Vorkämpfer. Die einen jetzt Kämpfer auf dem Schlachtfclde, die anderen jetzt Kämpfer in der zielbewußten friedlicheren Arbeit für die Idee, aber später alle, wie es auch kommen mag, Kämpfer in jedem Kampf und in jeder Weise für unser Judentum. Makkabäer! — Chanukah feiern wir jetzt, an die Zeit unserer Kämpfer und Helden erinnern wir uns. Laßt uns daran denken, nicht nur heute, sondern alle Tage unseres Lebens! Denn darum sind wir Zionisten. Walter Samuel (HC I Berlin). Ein neues, altes Buch. Wir sind Zionisten aus dem Streben nach innerer Harmonie und Einheit und aus der Erkenntnis der iiigemeinen Judennot und der daraus folgenden klaren Einsicht der Notwendigkeit einer radikalen Aenjlerung zum Besseren und möglichst Vollkommenen. Was uns aber, wenigstens wohl dem überwiegend großen Teile von uns, auf unserem Wege zum Voll-Judentum fehlt, ist die durchgreifende Kenntnis der Dinge, die über Jahrtausende hinweg den größten Inhalt des Judentums bedeutet haben: des Buches, der , Schrifi". Diese Unkenntnis der „Schrift" hat natürlich ihre Ursachen, die in unserer Zeit begründet sind. Da ist zunächst das Leben der Großstadt mit all seinen sich überstürzenden Eindrücken, das einem intensiven Studium hinderlich ist. Dann ist unsere ohnehin geringe freie Zeit ■angefüllt mit der Beschäftigung mit den Gcgenwarts- und Zukunftsfragen unserer Bewegung, und jeder Punkt, den wir hier zu erkennen versuchen, eröffnet uns immer wieder eine Menge neuer Probleme. Vor allem fehlt uns — wiederum wenigstens der großen Mehrzahl von uns -- die tiefe Kenntnis der hebräischen Sprache, die uns befähigt, uns ins Innere der talmudischen Literatur zu vertiefen. Solange aber das Judentum ein in sich abgeschlossener, einheitlicher Körper war, war das Buch sein ganzer Lebensinhalt.

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