Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1914
- Issue
- 22/23 ( November/Dezember 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4895413-5934794-5934834--178-4895574- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
155 ■ \ A ■ stellen müssen, so haben auch wir diese Entbehrungen auf uns zu nehmen, in der Praxis zwar nur geringe (es bleibt uns ja noch immer reichlich Zeit), wenn es jedoch nötig ist und verlangt wird, auch größere. Aber diese Zeit, die wir opfern — nach der Aktivitas werden wir ja sowieso uns wieder mehr überlassen sein —, wird auch für uns selbst nicht ohne Nutzen sein, nein, hundertfältige Frucht bringen, nämlich uns /u neuen Menschen, neuen Persönlichkeiten umformen, zu denen, die das Fundament des neuen jüdischen Volkes darstellen sollen. All das, was uns Juden abhanden gekommen ist, was uns zu einer nationalen Bewegung, wie wir sie jetzt in Deutschland sehen, fehlt, Disziplin, Unterordnung des einzelnen unter die üesamtheit, wird uns gegeben, wenn wir gelernt haben, unsere Interessen, wenn sie auch noch so wichtig sind, hintenanzusetzen. Und auch verflachend wird die Korporation nicht auf uns wirken, denn es ist jedem Zeit und Gelegenheit genug gegeben, selbst in unserem engen Kähmen zu wirken und zu schaffen, und sich in einer Weise zu betätigen, die seiner Individualität am besten liegt. Wer zu uns kommt, darf nichts vom MC beanspruchen wollen, der HC vielmehr hat etwas von ihm zu beanspruchen, und je mehr Arbeit, Interesse, Liebe er in den Club hineinsteckt, um so mehr wird ihm der Club geben. Die Arbeit wird ihm zugute kommen, die Liebe ihm wieder Liebe einbringen, ihm Zufriedenheit und inneres Glück geben, aus zerrissenen Individuen, die nicht wissen, wofür sie wirken sollen, werden innerlich gefestigte Menschen werden. Und es darf kein Wenn und Aber geben! Sind wir Kämpfer, so seien wir es ganz! Wir können dann nicht immer an uns denken. Im Kampf ist das Ziel alles, der Kämpfer nichts. Für Egoismus ist dann nirgends Platz. Aber für Genies, große Persönlichkeiten, Leute, die ihren eigenen Weg gehen, wäre doch dann bei uns kein Kaum? Ja und nein. In jeder Organisation werden stark ausgeprägte Persönlichkeiten nur an führender Stelle möglich sein. Damit sie dahin gelangen, werden sie (wenn sie nicht gerade die Gründer sind) sich erst unterordnen müssen, um dann zur Herrschaft zu kommen, zu dem Einfluß, der ihnen zusteht. Hinaufarbeiten müssen sie sich. Goethes Worte variiert: „Denn durch Dienen allein gelangt (man) endlich zum Herrschen, „Zu der verdienten Gewalt.....u Leute, die sich aber nicht fügen können, die sich unbedingt nach ihrem Willen ausleben müssen und das mag für die Entwicklung der meisten wohl am besten sein gehören in keine Korporation. Wenn sie wirklich etwas leisten können, steht ihnen auch draußen noch Betätigung genug offen, wenn sie etwas sind, wird man auf sie hören. Eine Volksbewegung kann keine Einzelgeher und Eigcnbrödler gebrauchen, mögen es noch so wertvolle Persönlichkeiten sein. Solange Bewegung herrscht, gibt