Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1914
- Issue
- 22/23 ( November/Dezember 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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154 lieh Fehler begangen werden. Gegen irgendwelche Vergewaltigung und Irrwege schützt ausreichend unser konstitutioneller Aufbau. Wie aber ein Feldherr nur dann ein Heer vorwärts führen kann, wenn er sich auf den unbedingten Gehorsam der Truppe verlassen kann, so kann auch eine Bewegung wie die unsrige nur so weiter kommen. Der genialste Feldherr wird immer noch tausend Fehler begehen, er ist ein Mensch wie andere, aber wehe ihm, wenn sich seine Untergebenen unterfangen würden, selbständig, ohne seinen Willen die Fehler zu verbessern, das Heer wäre verloren. Sein Plan, der zum Siege führen soll, enthält eben diese Fehler, und jede eigenmächtige Verbesserung eines Fehlers wäre die Zerstörung des großen Planes, vor allem aber die Aufhebung der einzigen Voraussetzung, die ihm gegeben ist, der Disziplin.* All dies sind Selbstverständlichkeiten, müssen aber von uns Zionisten erst gelernt werden. Dann wird es vermieden werden, daß das Schiff der Partei nicht nur von einem Kongreß zum anderen, sondern auch in der dazwischenliegenden Zeit hin- und hergeworfen wird, und eine feste, zielbewußte Steuerung ermöglicht werden. Hierzu wird die sich allmählich vollziehende Umwandlung der Bewegung von losen Vereinen, Ortsgruppen und Diskutierclubs zu gefestigten Korporationen beitragen. Diesen Geist der Disziplin müssen die Kor- ' porationen heranziehen, das ist auch unsere Erziehungsaufgabe. Nun wird mir erwidert werden, was mir schon öfter entgegengehalten wurde: Wo bleibt da das Recht der eigenen Persönlichkeit, wo die Pflichten, die man gegen sich selbst hat, Mensch zu werden, sich weiterzubilden, zu vertiefen, wenn man derart einer Korporation mit Haut und Haaren verschrieben ist? Ferner, wird dieser Korporationsmechanismus nicht von schädlichem Einfluß sein auf die Individualität, nicht verflachend, abstumpfend wirken? Man bemerke: derselbe Standpunkt, von dem schon vorher die Rede war. Ich antworte darauf folgendes: Es ist eine platte Selbstverständlichkeit, daß nur der eine derartige große Idee, wie den Zionismus, voll begreifen, nur der etwas Bedeutendes leisten kann, der an seiner Vervollkommnung gearbeitet und sich eine Weltanschauung erworben hat. Hierzu gehört natürlich die Aneignung einer gewissen Bildung, die Beschäftigung auf vielen Gebieten des Wissens, der Kunst usw., die Fortbildung der eigenen Fähigkeiten. (Ich verweise auf den Artikel von Rosenblüth: „Bildung", und es wäre wert, noch viel mehr darüber zu sagen.) Und gerade hierfür hat auch der Club, schon um seiner selbst willen, zu sorgen. Aber darüber müssen wir uns klar werden, daß wir uns in der Zeit unserer Aktivitas nicht in dem Maße mit diesen Dingen beschäftigen können, wie uns Lust und Neigung und Fähigkeiten geböten. Das eben ist das größte Opfer, das von uns verlangt wird. Wie die Soldaten, die während ihrer Dienstzeit oder wenn das Vaterland e* verlangt, alle privaten Interessen zurück-