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Herzl-Bund-Blätter · 1914-11-01 · 22/23 ( November/Dezember 1914) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1914
Issue
22/23 ( November/Dezember 1914)
Date
1914-11-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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152 jemals einen Freund gehabt zu haben. Sie gehören also nicht zu uns? Habe ich nun aber einen Freund oder zwei oder — ein seltener Fall — noch mehr, wer sagt mir, daß diese meine Freunde auch wieder untereinander gut Freund sind, sich nicht vielmehr unsympathisch sind? Oft wird man diesen Fall beobachten. Roth glaubt ja nun selbst nicht an eine Freundschaft aller untereinander, er widerspricht sich vielmehr selbst, wenn er nachher sagt: „Es ist selbstverständlich, daß 15 bis 20 Freunde keinen zu sich nehmen, der ihnen nichts sein kann und dem sie nichts geben können." Vorher spricht er von der Freundschaft einzelner untereinander, wo nimmt er nachher die 15—20 Freunde her, die doch alle miteinander Freund sein müssen, sonst wären es eben keine 15- 20 Freunde. Nein, 20 Freunde — und das ist etwa die Aktivitas eines Herzl-Clubs — ist und bleibt eine schöne Phantasie. Oder aber, er stellt keine allzu hohen Anforderungen an die Freundschaft, meint nicht jene unbedingte Hingabe des einen für den andern, jenes gegenseitige Vertrautsein und Verstehen, nun, dann hätten wir eben doch nichts anderes, als die von ihm verschmähte Bundesbitidcilit.ilkeit und es wäre ein Streit um Worte. Aber nein, er sagt ja selbst, daß die Freunde keinen zu sich nehmen dürfen, der ihnen nichts sein kann und dem sie nichts geben können, und führt es später noch deutlicher aus. Nun gut, setzen wir also den unmöglichen Fall von 20 Freunden, was ist dies für ein enger Standpunkt! Das würde in der Praxis bedeuten, daß ein HC nur Leute einer bestimmten Geistesrichtung umfaßte. Käme also in einen vorerst einmal kleinen Kreis von HCem, deren Interessen vor allem auf geistigem Qebiet liegen, ein frischer, fröhlicher, aufrechter, noch wenig gebildeter Junge aus dem Turnverein, der den Interessen der anderen recht wenig Verständnis entgegenbringt und ihnen darin wohl auch wenig geben könnte, er wäre abzulehnen. Nun ja, er würde vielleicht nie ein großes geistiges Lumen werden, aber ich behaupte, gerade derlei junge Leute, vorausgesetzt, daß sie überhaupt hineinpassen, sind für den HB wie für jede Jugendbewegung ein notwendiges Element. Und umgekehrt wäre dasselbe. Nein, viel weniger ist es, was Roth will, sehr eng ist sein Standpunkt, der letzten Endes auf nichts anderes als Egoismus hinausläuft und nicht im geringsten der Aufgabe gerecht wird, die wir uns gesteckt haben. Freundschaft ist persönliche Sache jedes einzelnen. Jeder muß sich seinen Freund erwerben (wenn er ihn im HC findet, um so besser, und Gelegenheit dazu soll der HC ja auch geben), ein Freund ist ein Teil seiner selbst. In den HC kommen wir aber nicht, um Freundschaft zu treiben, nicht um unserer selbst willen, d. h. zur Vervollkommnung unserer Gesamtpersönlichkeit, sondern um für unsere Idee zu arbeiten. Daß dann aus dieser Arbeit mit Oesinnungsgenossen und in der von uns festgelegten Form Freundschaften für den einzelnen entstehen, Oewinn ge-

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