Mannheim
Compact Memory

Herzl-Bund-Blätter · 1914-11-01 · 22/23 ( November/Dezember 1914) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1914
Issue
22/23 ( November/Dezember 1914)
Date
1914-11-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/4895413-5934794-5934834--174-4895570
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

151 die Hauptrolle spielen werden. Je mehr jedoch der Zionismus an Boden gewinnt und damit über den Rahmen der akademischen Kreise, in denen er bisher seine Hauptanhängerschaft besaß, in die weitaus größeren kaufmännischen Kreise dringt, werden die Herzl-Clubs an Bedeutung gewinnen und als Hauptfaktoren mit in den Vordergrund treten. Bei ihnen wird die Hauptarbeit ruhen, um so mehr, als sie räumlich nicht an bestimmte Orte gebunden sind, wie die Verbindungen an die Universitätsstädte. Wir werden /weifellos später die größte zionistische Korporation darstellen, die größten Leistungen, die größte Verantwortung wird auf unsern Schultern ruhen. Bundesbrüder, es gilt uns dieser Verantwortung voll und ganz bewußt zu werden! Diese Verantwortung übernehmen, heißt unsere Organisation so fest und stark auszubauen, sie innerlich so zu kräftigen, daß wir der Aufgabe gerecht werden können, den größten Teil der nächsten zionistischen (ienerationen heranzuziehen und so den Grundstock für eine neue, nationaljüdische Jugend zu legen. Klar sein müssen wir uns dazu über die Dinge, die die Grundpfeiler unseres Bundes bilden: Bundesbrüderlichkeit und Disziplin, l'cber beide Begriffe ist schon viel geredet worden, über beide herrscht aber noch Unklarheit, was mir sowohl der Artikel: „Aus einem Briefwechsel" von Erich Roth in den letzten HB-Blättern beweist, als auch eine Reihe von Gesprächen mit mehreren Bbr. Bbr., in denen Anschauungen geäußert wurden, die an dem Fundament des Hcrzl-Bundes rütteln und gegen die, zumal sie, wie ich glaube, nicht so ganz vereinzelt dastehen, energisch Front gemacht werden muß. Ich akzeptiere voll und ganz die auf dem Bundestag angenommenen Rosenblüthschen Thesen: „Bimdesbrüdcrlichkeit heißt: das unbedingte Verantwortungsgefühl des einen für den anderen. Hierdurch ist klargelegt, daß Bundesbrüderlichkeit nicht identisch ist mit persönlicher Freundschaft....." Hiergegen schreibt Roth: „Was wir wollen im HC, das ist mehr als Bundesbrüderlichkeit, ist mehr als das, was ich unter diesem Begriff verstehe, und ist vielleicht auch weniger - es ist jedenfalls nicht „das unbedingte Verantwortungsgefühl des einen für den andern", wie es pathetisch heißt, und „das geschlossene Auftreten nach außen" nein, das ist es nicht. Es ist ganz einfach der Wille zur Freundschaft, Freundschaft in einem besonderen Sinne, so wie es eben hier nur möglich ist, nicht alles zu einem und eines zu allen, sondern einzelner untereinander." Freundschaft einzelner untereinander ist es, das Bbr. Roth an die Stelle der oben definierten Bundesbrüderlichkeit setzen will, (iewiß, es ist mehr, was er will, aber auch viel, viel weniger, wie er selbst sagt, abgesehen davon, daß er etwas Unmögliches will. Freundschaft, wahre, reine Freundschaft gehört gewiß mit zu dem Schönsten und Edelsten, was ein Mensch erringen kann, aber darum ist Freundschaft auch ein sehr seltenes Gut. Viele, sehr viele, vielleicht die Mehmhl a'ler, gehen durchs Leben, ohne

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.