Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1914
- Issue
- 22/23 ( November/Dezember 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/4895413-5934794-5934834--173-4895569- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ISO dem stets die Empfindung, daß es auf jeden einzelnen ankomme, daß all dies Große, die Summe von Millionen Einzelwillen, Einzelindividualitäten sei. Einfach deshalb, weil jeder sich die Disziplin zu einer freiwilligen macht, den Zwang als notwendig empfindet, und so nicht nur Objekt, -sondern auch Subjekt dieser staatlichen Ordnung ist. üroße und bedeutende Männer, die auf ihren Gebieten zu den Führern gehören, ordnen sich willig blutjungen Vorgesetzten unter und Leuten, die geistig tief unter ihnen stehen. So sehen wir gerade hier in Deutschland, dem Lande des Individualismus und Partikularismus, Persönlichkeit und Masse, Einzelwille und Gesetz in harmonische Verbindung gebracht. Planmäßig wurde dieser Geist durch die Schaffung zahlloser Jugendorganisationen gepflegt, die jetzt in noch viel größerem Maßstabe ausgebaut werden. Auf diese Jugend setzt Deutschland seine Hoffnung, auf ihr beruht seine Stärke. Auch wir erblickten in der Schaffung solcher Jugendorganisationen die einzige Gewähr für die Erneuerung der jüdischen Nation, für die Durchführung unseres Zionismus, und zahlreiche ähnliche Jugendvereine entstanden und sind im Entstehen. Aber während Hi den deutschen Vereinen der nationale Gedanke als selbstverständlich besteht, wohl hier und da noch besonders geistig gepflegt und vertieft wird, doch niemals erst geschaffen zu werden braucht, so müssen wir diesen nationalen Gedanken, wie unseren Zionismus sowohl in unseren eigenen Reihen heranziehen als auch in die jüdische Welt hinaustragen. Dort sendet das Volk, der Staat die Jugend in nationale Organisationen, hier schafft sich eine Jugend Organisationen, um eine Nation, ein Volk zu werden. Und für diese zehnmal schwerere Aufgabe bedarf es einer noch weit größeren Disziplin und Unterordnung, bedarf es Opfer. Wir brauchen daher außer Jugendvereinen, die den deutschen Wander-, Pfadfinder-, Jugendwehr- und Turnvereinen analog arbeiten, Organisationen, die für den nationalen Gedanken, den Zionismus als solchen kämpfen, Pioniere der Bewegung, die, um Vorkämpfer sein zu können, nebenbei auch alle anderen, meist körperlichen Betätigungen der übrigen Vereine betreiben müssen, als Selbstverständlichkeit, aus Pflichtgefühl, als Opfer für die Idee. Und anders und straffer noch müssen sie organisiert sein. Es sind die studentischen Korporationen und die Herzl-Clubs. Das, was bei diesen Korporationen anders ist oder vielmehr, was noch hinzukommt, ist der Gedanke der Bundesbrüderlichkeit, jener freundschaftliche, brüderliche Zusammenhang zwischen allen Mitgliedern, der allein es zuwege bringen kann, daß alle Mitglieder gern und freiwillig so große Leistungen auf sich nehmen, wie sie für derartige Aufgaben nötig sind. Uebcr die studentischen Korporationen zu reden, erübrigt sich. Was sie für die Bewegung bedeuteten und noch bedeuten, ist allgemein bekannt und es ist klar, daß sie auch in Zukunft mit