Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1914
- Issue
- 18/19 (Juni/Juli 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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131 usw. rütteln will, erübrigt sich zu sagen.) Anfangen aber .wird die Frage der Erziehung und ich betone, sie wird nur unter Voraussetzung der Freundschaft von oben anfangen, für uns überhaupt eine Frage zu sein. — Denn darüber müssen wir uns klar sein: Erziehung kann keine Folge von Resolutionen »ind Bundestagsbeschlüssen sein, Erziehung kann nur Folge von FreundeswilL sein, ganz gleich, ob der Freund Vater, Bruder oder sonstwas ist. Erworbener Besitz aber, ein selbst erworbener Freund, das ist weit mehr, als der durch das Blut gegebene, fühlen w i r uns in allen schweren Fragen ihm verwandter all anderen, fühlen ihn als einen Teil unserer selbst - und er steht uns nahe. Unser Denken wird ihm selbst vielleicht unbewußt — von ihm beeinflußt, unser Fühlen und Empfinden ganz natürlich von ihm in andere neue Bahnen gelenkt, wir selber und die andern wir wachen darauf, daß diese Bahnen nicht falsch sind und uns vom Ziele entfernen. Ziel unserer Erziehung an uns, Ziel unseres Wollens für uns und unsere Freunde, das nenne ich geadelt zu werden, nenne ich, jenen Adel des Charakters zu erlangen, von '*gm Ibsen einmal zu den Arbeitern Drontheims sprach — Adel des Charakters und Wille zur Wahrheit. Jeder einzelne von uns soll das Ziel erreichen, wird es erreichen, wenn in den Besten unter uns nur der Wunsch und das ernste Wollen ist, zu geben, was sie zu geben vermögen. Jeder einzelne wird so sehr Mensch sein, daß sein Judentum eine Selbstverständlichkeit, sein Zionismus eine Notwendigkeit für ihn ist, aber auf die Menschen kommt es an, die wir haben, auf sie allein und auf ihren Willen.-- . . . ich schicke meinem Brief das voraus, was eigentlich vor jeder Diskussion und immer wieder gesagt werden müßte. Es spreche nur der, der die Dinge vorher durchdacht und genau überlegt hat, und dann sage er seine Meinung. Nicht aber, wie es fast immer geschieht, irgendwer hört es zum ersten Mal und spricht dagegen, manchmal nur, weil es ihm zu neu ist. Vielleicht hat nur der das Recht ZU sprechen, der glaubt, ganz den Standpunkt des anderen verstanden ZU haben und der doch zu einem anderen Resultat gekommen ist. Noch eine andere Art Menschen höre ich gern reden. Das sind die, die mit den Problemen ringen, die sich bemühen, von allen Dingen eine selbsterworbene Meinung zu haben und die es wagen, den anderen Einblick zu gewahren in ihre Kampfe, auch wenn sie noch nicht zur inneren Klarheit durchgedrungen lind, Doch ich glaube da warnen zu müssen. Nicht jeder wird so nackte Wahrheit verstehen und die Beichte war umsonst gegeben. Ar. meinen heutigen Brief bitte ich diese Anforderungeil nicht zu stellen. Mein Sehr ib n soll Hn Versuch sein, einiges,