Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1914
- Issue
- 16 (Apri 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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110 und das erscheint mir die größte und ernsteste Pflicht, die wir haben. Wenn wir heute noch keine großen Erfolge gerade in Erziehungssachen aufzuweisen haben, so können wir ja demgegenüber anführen, daß solche Erfolge nicht heute und morgen zu Tage treten, aber ich glaube schon jetzt sagen zu können, daß wir in vielen Fällen Enttäuschungen erleben werden. Ein Fehler des augenblicklichen Betriebes ist folgender: Die durch die Bundesbrüderlichkeit bedingte Vertraulichkeit erschwert die Erziehung unserer Junioren. Natürlich soll hiermit nicht gesagt sein, daß jedes junge Mitglied durch die Vertraulichkeit bestärkt, sich der Erziehung entzieht. Diejenigen, die schon mit reiferem Verständnis zu uns kommen, werden sich durch die Bundesbrüderlichkeit veranlaßt fühlen, sich unserem Kreis schneller anzuschließen und sie werden in kürzerer Zeit, als bei den früheren losen Organisationsformen Verständnis für die Ziele unserer Arbeit gewinnen. Die jüngeren aber werden wir stärker als bisher beeinflussen müssen. Es hat sich wenigstens in Berlin herausgestellt, daß man die Verantwortung für jeden einzelnen Bundesbruder nicht der Clubleitung übertragen kann. Hier werden die älteren aktiven Bbr. Bbr. eingreifen müssen. Sie werden dafür sorgen müssen, daß die Junioren unserer Clubs sich zu brauchbaren Zionisten entwickeln und sie werden in den Fällen, in denen sie die Verantwortung nicht mehr tragen können, sich rechtzeitig an den Vorstand ihres H.-C. wenden, der dann entscheiden wird, ob es nicht besser ist, diesen Bundesbruder rechtzeitig zum Austritt aus dem Club zu veranlassen. Dann werden wir zu der Auslese kommen, die Vorbedingung einer guten Bundesbrüderlichkeit ist. Josef Rosenblflth. Progermanismus. Die Leser dieser Blätter werden Uber die Vorginge im Wandervogel orientiert sein. Die famose Resolution ihres Bundestages ist mehr ein Aufruf zum Krieg als eine Beruhigung. Es ist jetzt den geistigen Führern dieser Bewegung die Möglichkeit gegeben, ihre Ansichten ungestört zu propagieren. Die Art, in der dies geschieht die von Fulda herausgegebene .PUhrerzeitung* beschäftigt sich in der letzten Zeit hauptsächlich mit dem Judenproblem bietet uns viel Interessantes, denn man hört hier zum ersten Mal in deutschnationalen Kreisen Anschauungen, die sich unter strikter Ablehnung des Antisemitismus als Progermanismus (Walther Qroothoff) bezeichnen. Die nachstehend abgedruckten Ausführungen einer Hamburger POhrerin (Adele Anderßon) sind auch noch von antisemitischer