Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1913
- Issue
- 4/5 (Mai/Juni 1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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27 machen. Schon vor dem Delegierten tag in Hannover hatte es sich gezeigt, daQ das für gewisse lose Verbindungen durchaus brauchbare Prinzip der Neutralität verdunkelt wurde, wenn es sich um zionistische Dinge handelte. Wir sahen uns immer mehr getäuscht. Wir beobachteten, wie ein neues Phrasenjudentum bewußt großgezogen wurde. Wir fühlten, die Führer des Verbandes hatten uns die Terminologie entliehen, um Waffen gegen uns zu schmieden. Sie stahlen unsere Worte und bekämpften unser Wollen. Die Antwort, die wir darauf gaben, war die Posener Resolution zur Jugendarbeit. Ich gestehe, daß ich diese Resolution bedauere. Nicht wegen des Inhalts — der war für jeden Einsichtigen, für jeden Kenner der Verhältnisse selbstverständlich und von selbst längst gegeben. Aber die öffentliche Bekanntmachung des Beschlusses war m. E. ein Fehler, solange der Herzl-Bund und die Jüdische Turnerschaft nicht viel stärker sind als heute. Kam es darauf an, die in der Resolution niedergelegten Leitsätze mehr als bisher zu betonen und den Gesinnungsgenossen zum Bewußtsein zu bringen, so mußte man dies in internen Ortsgruppenversammlungen propagieren und nicht gleich den Weg der Resolution beschreiten. Denn die Resolution hat natürlich unsere Stellung im Verbände sehr erschwert, sie gibt sogar unseren Gegnern einen Schein des Rechts. Natürlich will ich nicht behaupten, daß der Posener Beschluß den Bruch mit dem Verbände verursacht hat — zu unseren Ungunsten beschleunigt hat er ihn jedenfalls. Einerlei - die Forderung, die wir auf dem Delegiertentage in Frankfurt gestellt haben, war zweifellos objektiv gerecht. Der Zentralverein hat mit seiner antizionistischen Resolution den Boden der Neutralität verlassen, das müssen auch gerechtdenkende Anhänger des Zentralvereins zugeben. Es war daher eine Forderung der Logik und der Gerechtigkeit, daß der Sitz des Zentralvereins im Ausschuß des Jugend-Verbandes gestrichen wird. Es war bisher klar von jedermann verstanden, daß nur neutrale Organisationen eine beratende Stimme im Ausschuß des Verbandes haben sollen. Da es sich aber um einen Antrag der Zionislen handelte, wurden alle Prinzipien aufgegeben: Der Vorsitzende des Verbandes bestritt, daß der Zentralverein nicht mehr neutral ist. Er bestritt, daß der Zentralverein seinen Sitz im Ausschuß seiner bisherigen Neutralität zu verdanken habe. Aus der Tatsache, daß die Neutralität des Zentralvereins bereits bei Gründung des Verbandes angezweifelt wurde, zog er den merkwürdigen Schluß, daß man dem Zentralverein von vornherein auf jeden Fall ohne Rücksicht darauf, ob er neutral sei oder nicht, einen Sitz im Verbands-Ausschuß einräumen wollte. Und er begleitete diese Ausführungen mit einer gehässigen, demagogischen Kampfansage gegen den Zionismus, die die schlimmsten Erwartungen übertraf. Leider waren unsere Vertreter Dr. Apfel rednerisch nicht gewachsen, sodaß nicht alle Mätzchen, die er sich geleistet hat, widerlegt worden sind. Jedenfalls benutzte der Ver-