Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Volume
- XIV (1938)
- Issue
- 17 (23.9.1938)
- Date
- 1938-09-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SrM? 2 ( >EMEINDEBLaTT DER ISRAELITISCH! N RELlülONSGEMEINDE DRESDEN Nr. 17 / 23. 9, 38. zu verlesen. (.cpflent w ird w ieder die Sitte, des ersten Erscheinens eine.s neuvermählten Paares, einer Wöchnerin usw. im Gottesdienst zu icedenken. Neu eingeführt wurde ein (lebet, das iür jedes auswandernde < icmeindemitglied am Sabbat vor dtnrReisetag gesprochen witd. W ir sprachen davon, wie wichtig es ist. Sulistanz anzusetzen, um gerade unter widrigen äußeren Gegebenheiten davon zehren /u können. Deshalb w ar es im .ludentum zu allen Zeiten üblich, /u lernen. Gevv il>. es wird heute viel ..gelernt". Wenn man aller sieht, wie das Erlernen von Sprachen ort die einzige „geistige" Betätigung ist. wahrend für anderes kein Interesse, wohl al er (bei entern Willen) Zeit vorhanden ist. dann muU mau allerdings darauf, hinw eisen, dal! das technische' Rüstzeug der Sprache gcwil! das unentbehrliche Handwerkszeug ist — aber doch eben nur Mittel zum Zweck. . J - ' ^B". V Jeder ist verpflichtet, für seine Existent zu sorgen. Weimer ^.i verloren ha; oder wenn sie bedroht ist. so ist diese Sorge heuit .gleichbedeutend mit- Vorbereitung der Auswanderung, bzw. Ausriudigmachung von Möglichkeiten zu einer solche!. Wohl kaum ein jüngerer Mensch, der sich damit nicht beschäftigte, »her das. darf unsere Zeit doch nicht ausschließlich m Anspruch nehmen, und unsere Gedanken nicht völlig .absorbiere!!. Immer müssen w ir eingedenk bleiben, dali wir spater noch weniger Zeit-und viele von uns auch noch weniger Gelegenheit haben werden, etwas für unsere geistige Kultivierung zu tun. derade wir müssen wissen, warum wir Menschen und warum wir Juden sind. Mas Jüdische I.ehrhaus stellt deshalb hewuüt neben den Sprachunterricht und neben die praktischen Kurse je ein rein geistig-philosophisches Thema und ein praktisch-religiöses. Mögen recht viele unter uns die — vorhandene Zeit So einzuteilen wissen, dali sie Gelegenheit finden, sich mit solchen ("ragen zu beschäftigen. I in so nötige Entspannung und Aufmunterung. zu bieten, bleibt der Jüdische Kulturbund trotz aller finanziellen Schwieligkeiten bemüht. Theater. Konzert. Film. Rezitation werden wieder veranstaltet, und es wird schon um der Jugend willen versucht werden, an Kulturwerten an unsere Menschen heranzubringen, was nach den aulleren Möglichkeiten eben zu erreichen ist. Freilich w ird es in diesem Winter für uns. die Wir von der Sorge des Alltags ausgefüllt sind wie nie zuvor, eines Entschlusses bedürfen.^einer Aufraffung, die Kulturabende überhaupf zu besuchen. a!>cr wir müssen uns dazu bringen, um uns iur stunden wenigstens über den Alltag zu erheben. Wohl jedem ist es schon .so .ergangen, dali er eine 'künstlerische Verans'.altung abgespannt, ia mit einer gewissen Ablehnung heücteii uikI dali er sich dann von dem (iebotenen doch so sehr hat getangeii nehmen lassen, dali er befriedigt und befreiter weggegangen ist. Niemand soll deswegen, weil er die Eintrittspreise nicht bezahlen kann, der Kulturarbeit fernbleiben müssen. I ür jede V eranstaltung wird eine Anzahl sehr verbilligter Plätze ausgegeben, so daß jeder wirklich Interessierte, wenn nicht stets, so doch gelegentlich die Veranstaltungen des Kulturbundes besuchen kann. Um in dieser Weise sozial ausgleichen zu können, ist es allerdings notwendig, dali die Menschen, die dazu imstande sind, dein Kulturbund durch Ahonnenientszeiebnung einen finanziellen K'iickhalt geben. Auch dann geben, wenn sie die Hoffnung haben dürfen, noch während der Spielzeit auswandern zu können: iir diesem Falle nehmen sie das Bewußtsein mit, denen, die zurückbleiben müssen, den E'ort bestand ihrer Kultureinrichtung mit gewährleistet zu haben. Niemand sage: wozu heute noch Kulturbund? Kultur ist nicht Luxus, und wer da glaubt, sich schon heute die Entbehrung des Besuchs kultureller Veranstaltungen auferlegen zu sollen, weil er später nicht das Geld oder nicht die Möglichkeit dazu haben wird, der gliche dem. der sich durch Hungern auf Zeiten körperlicher Belastung vorbereiten wollte. Auch hier gilt das, was wir oben ausführten: man soll, namentlich die Jugend sojl, ein gew isses Maß von Kulturwerten in sich aufnehmen, um einmal davon zehren zu können. Wenn unsere jungen Menschen zumal eingeführt sind in die (ieisteswelt. wenn sie durch eigene Anschauung und eigenes Anhören einen Begriff bekommen haben . von dem. was Menschengeist im Laufe der Zeiten in künstlerische Gestalt gebracht hat, dann erst eröffnet sich ihnen die Möglichkeit, in der Kwuzah oder in der Blockhütte der südamerikanischen Siedlung oder auch im bescheidenen Mietszimmer der amerikanischen (iroßstadt Feierstunden am Lautsprecher des uberall vorhandenen Rundfunks zu erleben und ohne Eintrittsgeld Freude und seelische Bereicherung durch das bloße Anhören künstlerischer Werke zu erfahren. — Unser Gedenken gilt heute der früheren Mitglieder unserer Gemeinde, die bereits draußen in der Welt sind und denen wir uns doch ständig verbunden fühlen. Gerade in den (lebeten dieser Feiertage um „Schulaum" und „Parnosso", um Frieden und ehrbares Auskommen, wissen wir uns mit ihnen vereint. Unsere heißen Wünsche richten sich besonders auch nach Ercz Israel, dem das neue Jahr die Rückkehr zu normalen Verhältnissen und zu einer ungestörten Arbeit des Aulbaues bringen möge. Uberall aber, wohin das Dresdner Gcmcindeblatt kommt, nach Südamerika, nach USA. nach Australien und sonstwo in der Welt, werden die Menschen auch an die hier Zurückgebliebenen denken. Sie w erden den V orsatz iasseii, nach Kräften zu heilen, indem sie weitere Einwanderungsmöglichkeiten für andere. Wege zur Wiederbegrtindung von Existenzen ausfindig zu machen -suchen. Viele, ja die meisten der Ausgewanderten, wird dieses Blatt erst erreichen, wenn längst der Alltag wieder eingekehrt ist. \ u c Ii dann mögen sie ihrer Dresdner Gemeinde gedenken, gerade dann. Gebetszeiten für das Neujahrsfest und den Versöhnungstag 1938/5699. a) Synagoge. ■ - ' 3.' .♦■ ' ■: I. Neujahrsfest: Sonntag, den 25. September: Beginn von Rausch Haschono mit Predigt.......... 18.00 Uhr Montag, den 26. September: morgens....... 8.00 Uhr Predigt...........•....... 10.15 Uhr abends.......' . ............. 18.00 Uhr Dienstag, den 27. September: morgens...... 8.00 Uhr Predigt ..........-..... 10.15 Uhr 2. Versöhnungstag: Dienstag, den f.Dktbr.: Erew Jaum Kippur. morgtns 7.00 Uhr Mincha .................. 13.00 Uhr Kol Nidre mit Predigt ■ . . •17.45 Uhr Mittwoch, den 5. Oktober: Jaum Kippur, morgens 8.00 Uhr P r e d i g t und S e e I e n f e i'e r ....... 11.30 Uhr Neila-Ausprache ......,........ 16.15 Uhr Ausgang des Jaum Kippur......... 18.20 Uhr b) (iemeindegottesdienst nach altem Ritus_Adass Jeschurun — Zeughausstraße I. 1. Neujahrsfest: Sonntag, den 25. September: Erew Rausch haschono 17.45 Uhr Montag, den 26. September: Sehachäris.................. .7.00 Uhr Mincha ..................... 16.00 Uhr Maariw.................. 18.40 Uhr Dienstag, den 27. September: Schacharis . ............. i .,. 7.00 Uhr Mincha................... 17.30 Uhr Maariw.................. 18.40 Uhr 2. Versöhnungstag: Dienstag, den 4. Oktober: Erew Jaum Kippur, Schacharis....... 6.45 Uhr Mincha................... 13.00 Uhr Kol Nidre .......,'....... . . 17.30 Uhr Mittwoch, den 5. Oktober: Jaum Kipput, Schacharis .......... 7.00 Uhr Ausgang des Jaum Kippur......... 18.20 Uhr Für den Fall einer Luftschutz Übung werden die Abendgottesdienste des Neujahrsfestes um eine halbe Stunde, der Abendgottesdienst des Versöhnungstages um eine Stunde vorverlegt. -