Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Volume
- XIV (1938)
- Issue
- 17 (23.9.1938)
- Date
- 1938-09-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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[JÜDISCHES GEMEINDEBLATT ORGAN DER ISRAELITISCHEN DRESDEN MITTEILUNGSBLATT DES „SACHS. RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN JL. ISRAEL. GEMEINDEVERBANDES" Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen R e i ch s g e b i e t.= XIV. Jahrjjanp i Dresden, den 23. September , \r 17 jglllllllllllll!lllllillllllli!!l!!iniH^ ' KUNDGEBUNG DER RKICHSVERTRETUNG %\i ROSGH-HASCHANA An der Wende der Jahre ist c» um geboten, deutlich da« zu sehen, wa« ist. und klar zu erkennen, wa- »ein soll. Lastender nodi als in früheren' Jahren war jetjt P ■ Monat um Monat die Schwere des Geschehens auf ungelegt. Keinem ist. et erspart gehliehen. Alles Alliiere unseres Daseins wurde davon erfaßt und bedrückt, und immer wieder drohte es auch das Innere unsere« Lebens zu ergreifen, unserer Seele den Atem zu uchmen. Wie oft haben uns Zweifel umringt, wie oft bat fast Verzweiflung uus überwältigen »ollen. Wir wissen um alles, was gekommen, um all,*«, was da iat. Um so fester und bestimmter wollen wir deshalb unseren lih.k dahin richten, wo untere CetchiAte tu uns klar zeigt, wie in allen unseren Generationen Versunkenes wieder zur Zukunft geworden Uta; wie sich uns stets das Leben, dabeendet schien, erneuert hat. Auch wir sehen es jctjt. »ic neue Stätte der Heimat überall auf Erden von unterer Jugend errungen wird, wie damit .nuh für die Alteren «in l'lal} sich zuzurüsten beginnt. Wir dürfen »toll auf dasein, was unsere jüdischen Menschen, in neuen Formen des Dateim arbeitend,,für »ich und für unt alle voll; jbringen. Wohl ist et ein langsames Verden und ein mühevoller weg; alter alles, was heatehen toll, verlangt seine Zeit und fordert sein Bauen, Stein iiiii Stein. Wir Juden lind das Geachlecjit, dazu erwarten vermag; die Geduld int unter» Kraft. Von einem hängt alleah. davon, clatl wir witaen, was sein soll. Wir sollen unseren grollen Glauben, den Glauben unseres Judentums, in uns wahren, in uns lebendig erhalten. Dableibt undoch gegeben. daB wir in ihm leben, in ihm unsere Kinder erziehen können. Und nur wo er ist. wird uns wahrhaft Stätte unserer Zukunft bereitet sein. In ihm wollen wir alle fett tein, in Schlichtheit und Geradheit, in Editheit und Reditschaffenheit, die einen zur Ferne hinausziehend, die anderen eine Stunde, die auch sie zu Neuem führt, erhoffend. In unserem Glauben haben wir immer aufrecht dagestanden. Wir Juden sind das Geschlecht, das des Ewigen gewiß ist. So wir mit Gou/sind. wird Gott mit unt tein. Die Reichsvertretung der Juden in Dent-chland. Raerk Hirsch Rosch-Huschana 5699 Manfred Saalhiiiiur. Iis Miid ernste Feiertage, diese Rrt-sch-HascMbnoli-Taxe in) Jahre 1938; Weit ernster noch afs in iniheren Jahren sind die Gedanken, die uns vor den ...laiiiuiui Nauroiin". den ..ehriurchtgebietenden lagen", bewegen..Schwere materielle Sorge lastet uüt vielen von uns. hallen doch die Hohen' Feiertage dieses Jahres' iiir Kunze Reruisgruppen der iiidiseheu Menschen in I >eutschlaiid mit dem Abschluß 'hrer Frwerbstätigk-eit zusammen, der infolge gesetzlicher Bestimmungen ein Ziel gesetzt ist. BS ist nur selbstverständlich und gewiß nicht zu tadeln, wenn unsere Menschen in solchen Tagen anstatt irgend einet anderen Betrachtung einen R a t halien wollen. Nun ist es nicht Aufgabe dieses Blattes. Ratschläge iiir die materielle Gestaltung des Lehens zu erteilen, wohl aber ist es dazu da. d i e Seite des menschlichen Lebens zu erörtern, iiir sie Ratschläge zu erteilen, die nicht minder wichtig ist als die FYistung* der nackten Existenz, ja. die erst die Voraussetzung, dafür abgibt, dal! der Mensch als Mensch zu leben imstande ist, Es Ist nicht neu und nicht 'originell, und die W orte klingen ab- . gegriffen, aber' es muli immer w ieder gesagt w erden, ia es schien nie wichtiger als heute darauf hinzuweisen! daß der Mensch nicht vom Brot allein lebt. 1 . , Jeder Mensch hat in jeder Situation da« Recht und die Pflicht, den ilim von. Gott gegebenen ».eist m pflegen; Gerade eint Gemeinschaft von Menschen.' die weih, dal! sie einer materiell beengten Zukunft entgegengeht, null! schon aus dem (•eiiilil der Selbsterhaltung heraus darnach trachten, seelische und geistige Substanz, anzuhäufen. Wir w issen, dali unsere Väter unter w idrigsten äußeren Verhältnissen ilii Menschentum erhalten konnten, wie wir es modern ausdrucken, würden: ...nicht verproletarisie-ten". weil sie stets die Werte des Gemüts und des Geistes mein nur erkannten, sondern auch bew til.it -pflegten. Wir wissen es, aber wir sind noch nicht allenthalben dazu übergegangen, von dieser Erkenntnis praktischen Nutzen iiir unsere Gegenwart zu ziehen. Wohl sind die Freitagabend- und Sabbaf-Gottesdienste tiiitz Abwanderung stärker besucht als je. Und dies hat seinen Grund darin, dali Menschen, die Infolge Aufgabe des Geschäfts oder Verlustes der Berufstätigkeit Zeit haben, nun auch wirklich Anschluß suchen an die Gemeinschaft, Vergleicht man aber die Zahl derer, die Zeit haben, und derer, die regelmäßig am Gottesdienst teilnehmen, so bleibt der W unsch offen« daß die Gemeinde und ihr höchster Ausdruck, der Gottesdienst mehr noch als bisher Mittelpunkt des Lebens der Jüdischen ..Menschen werden muß. Wen nicht religiöses Verlangen treibt, d.er mag kommen, tun in der Gemeinschaft seiner Brüder und Schwestern zu sein. Gerade in der Gemeinschaft des regelmäßigen Gottesdienstes ist .der jüdische Mensch imstande, seine seelische Heimat wiederzufinden. Die Dresdner Gemeinde ist bestrebt, allen I teignissen. die ihre Familien und damit die ganze Gemeinde- Familie bewegen, im Kähmen des Gottesdienstes ihren Ausdruck zu geben. Seit einigen Jahren bereits ist es üblich, au jedem Sabbat der Neuiitondsvcrküiiduii.g die Verstorbenen des Jahres