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Jüdisches Gemeindeblatt Dresden · 1938-07-23 · 14 (23.7.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
Volume
XIV (1938)
Issue
14 (23.7.1938)
Date
1938-07-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DEH ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN Nr. 14 / 23.6 38 Vus.gewantlertcn eine Fulle Ton Material gesammelt, das als! SO $ (col. Pesos) im Monat. Davon müssen die Kosten für die Grundlage inr die weitere Beratung der Auswandernden dient. Ms einer der besten Mittel, die Ausgewanderten wirklich zum Reden über ihre w csentlichsten Erlebnisse in Übersee zu bringen, halben sieh die sogenannten ..grünen Fragebogen" erwiesen, die der Hilfsverein in Tausenden von Exemplaren verschickt und in Hunderten bereits sorgfältig beantwortet--zurückerhalten hat. liier werden dem Vusw anderer ganz präzise Fragen gestellt: ..Welche* .war Ihr ursprünglicher Beruf.— welches ist Ihr jetziger? Wie lang ist Ihre Arbeitszeit? Wie hoch ist Ihr Verdienst? Wie verteilen sich Ihre Vusgaben auf die verschiedenen Hauptposten, wie Nahrung. Kleidung. Wohnung usw.? Wie sind die Schutverhältnisse? Mit wein verkehren Sie (Deutschen Juden. ''sruden. Landesbevölkerung)?" usw. Werkstatt mit 20 $ bestritten werden, weitere 20 $ gehen für Kleidung drauf und 10 $ bleiben zum Leben. Bei diesem Etat inuli man sich einrichten. Herr Alexander tut das. Vor allem dadurch, dal! er sich an die columbianische Kost gewöhnt, „weil deutsche Küche bedeutend teurer ist". Freilich ist diese Umstellung nicht ganz einfach. ..Von allen Einwanderern", so schreibt der Befragte. ..haben es nur vier Mann 'ich eingeschlossen) fertig bekommen, längere Zeit columbianisch zu essen" Trotz mancher Entbehrungen ist Alexander optimistisch. Er hofft, daß sich sein Betrieb günstig entwickeln wird. Sein ganzes Streben ist naturgemäß darauf gerichtet. Frau und Kinder sobald als möglich nachkommen zu lassen. Eine unverheiratete Frau: Grete Berliner, jetzt 37 Jahre alt, blickt man das eingegangene Material, so ergibt sich eine ' ist Anfang 1937 nach Johannisburg gegangen. Beruf in Deutschungeheuere Buntheit der Schicksale und im großen und land und jetzt in Johanuisburg Stenotypistin. Jetzige Arbcitsdic beruhigende 'Gewißheit, daß die meisten der Ant-! zeit von 'A9 bis '4b Uhr. Monatseinkommen 10 C. Davon kann w ortenden eitle produktiv e Einordnung in Ubersee allmählich ■gefunden haben. Greifen wir einige dieser Schicksale heraus, um auch der jüdischen Öffentlichkeit dadurch einen Einblick in das Leben unserer Xuswaiiderer zu verschaffen. Geändert sind j gekommen bin". Fräulein Berliner zwar keine Ersparnisse machen, aber doch ihren Lebensunterhalt bestreiten. Auf die Frage, was sie falsch gemacht habe, erfolgt die Antwort: ..Daß ich nicht früher hierher im folgenden nichts als die Namen. Da isf Hans Bloch, ehemals Angestellter aus der Teppich- und Gardfiichhranche. l'«ir> geboren.'unverheiratet. Seit Januar l'i>7 m Buenos Aires, liier zuerst zweiwöchige Arbeitssuche. Dann Stellung als'Sputer in einer Seidenfahrik. Stundenlohn So Centavos. Arbeitszeit S Stunden täglich. ..Mit welchen Schienten v erkehren "Sie vorw iegend?", will der Fragebogen issen. -Ich verkehre mit keinem und habe keine Zeit, da ich spanisch lerne ". lautet die Antwort. / Anders Herr Wertheimer, ebenfalls in Buenos Aires. „In gesellschaftlicher Hinsicht", so schreibt er. ..habe ich gar keine Schwierigkeiten. Wir verkehren in allen Kreisen ohne Unterschied"." Trotzdem kann Herr W. von sich sagen, daß sein Lehen nicht" gerade leicht ist. Fünf Monate eifrigen Studiums war-eu notwendig, am die Landessprache notdürftig zu erlernen. ..Durch flie klimatischen Verhältnisse", konstatiert der jetzt \chtundvierzigjährige. ..lernt man-hier. besonders in fortgeschrittenem \lter. viel viel schwerer als drüben." Aber die Anfangsschw icrigkeiten scheinen'überwunden zu sein. Herr W. sucht m,!i und. seine Familie jetzt durch Vertretungen zu ernähren. Da-s Monatseinkommen'ist iedoch naturgemäß ..noch ganz un- ,Der bestimme. |- ü/ Bergmann. Ss Jahre tili, betrieb in Deutschland ein flerrenartikel- und Pelzgesehäit Etwas Kapital stand ihm zur Verfügung. Damit ist er 1M37 nach Neu-S-eeland gegangen. ■ > er sich eine Kuhfarm gekauft hat. Hier arbeiten er und sein -Nährigor Sohn ..oft zwölf- Stunden täglich". An Sparen i*t noch nicht zu denken. Aber in zwei Jahren lunft er soweit zu Schließlich eine Akademikerin: Berta Horn. IS97 geboren, war in Deutschland .Arztin. Durch Inserat in einer medizinischen Zeitschritt tritt sie mit einem Hospital in Adelaide in Verbindung. Sie wird engagiert und fährt nach Australien. In dem dortigen Krankenhaus arbeitet sie gegen ein Gehalt von 2<)0 t.A ('(KM). Goldmark) pro Jahr nebst ireier Station — ein Einkommen, von dem sie sogar etwas zurücklegen kann. Die Position von Frl. Hr. Horn bietet freilich keine Garantie für die Zukunft: denn der Vertrag mit dem australischen Hospital läuft jeweils nur auf ein Jahr. Wie häutig er verlängert wird, tst ungewiß. Für welche, unserer Auswanderer ist aber die Frage nach der Zukunft geklärt? All unsere Menschen, die in der Ferne ein neues Leben beginnen, müssen täglich den Kampf um die Existenz, aufs neue 'aufnehmen. Rückschläge und Enttäuschungen bleiben dabei nicht aus. Aber die Fragebogen des Hilfsvereins zeigen.Vdaß unsere Menschen den Willen haben, das Schicksal zu meistern, daß sie eine Einsatzbereitschaft besitzen, die auch durch Mißerfolge nicht erschüttert wird. .Hilfsverein der Juden in Deutschland" teilt folgendes mit: Bisher war eine jüdische Einwanderung nach Bolivien nur in seltenen Ausnahmefällen möglich, da die Einreise von Juden offiziell als unerwünscht galt. Neuerdings hat aber — ohne daß die Gesetze geändert worden wären ein Umschwung in'kler Haltung der zuständigen bolivianischen Behör-! deri_stattgefunden. So hat der neueritannte bolivianische Kolo- Hans Hamburger, *s |anre alt. wanderte mit Frau und drei | nisationsminister fn Übereinstimmung mit dem Staatspräsiden- "Kindern nach den V ereinigten Staaten aus. Da ihm ein nicht teil erklärt, die Pforten Boliviens ständen ..allen körperlich und [räcbtliches Kapital'zur Verfügung stand, beteiligte er sielt j geistig gesunden Menschen offen" und auch die Juden seien dort an einer Transportgesellschaft, und zw ar in Kansas City.! hiervon nicht ausgenommen. Tatsächlich werden auch Einwan- Sein Monatseinkommen ist verhältnismäßig sehr hoch 450 $! derungsvisa für.Bolivien erteilt, sofern der Nachweis eines Kapi- \ber Jas ist. wie Herr H. schreibt. ..natürlich kein Maßstab", da er ia an.dem Unternehmen beteiligt ist. Auf die Frage: ..Vor w elchen Fehlern-mochten Sie. hesonders warnen?*', antwortet IL: ..Trotz der von mir begangenen Fehler ist es ialsch. nichts zu riskieren und zu keinem Entschluß .zu kommen. Viele Einw anderer tun das." Und dann gibt er einen Rat. den der Hilfsverein allen von ihm betreuten Nordamerika-Fahrern immer und immer wieder, aber leider oft vergeblich, erteilt: ..Ich halte", so heißt es auf dem Fragebogen. ..die Anhäufung größerer Mentals von Goldmark 300.- bis 40n. erbracht werden kann. Doch sind bezüglich der Aufnahmefähigkeit des Landes vor allein zwei Gesichtspunkte zu beachten: in wirtschaftlicher' Hinsicht verbietet die geringe Bevölkerungsdichte des Landes und die schwache Kaufkraft der großen Mehrheit die Ausübung fast aller Berufe, die eine entwickeltere Volkswirtschaft voraussetzen. Möglichkeiten sind> in erster Reihe — dem Mineralreichtuin Boliviens* entsprechend — für Bergbau-Ingenieure. Geologen. Metallcheiniker und verwandte geiiflÄtt berufsloser Juden aus Deutschland in den Riesenstädten Berufe gegeben. Gewisse Aussichten liegen außerdem für Hand des Ostens für gefährlich und bedenklich, sowohl für die Einwerker und Landwirte vor, wauderw als auch iür die Einwanderung." — Ein Unischichtler: Franz Alexander, jetzt in Cali (Colum Ein wesentliches Hindernis für die Einwanderung nach Bolivien besteht in der außerordentlichen Höhenbien). wir ehemals Vertreter. Dann lernte er schweißen. Seit läge des größten Teiles des Landes. Die überwiegende Be¬ Mitte 1937 betreibt er in Cali selbständig eine Schweißerei, völkerungsmehrheit lebt in einer Höhe von über 3000 m; die Seine Familie er ist verheiratet und hat zwei Kinder —. blieb Hauptstadt La Paz liegt etwa .3600 m hoch. Derartige Höhenvorerst in Deutschland. Der Verdienst in Cali ist noch gering, lagen stellen außerordentliche Anforderungen an die inneren

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