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Jüdisches Gemeindeblatt Dresden · 1938-07-23 · 14 (23.7.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
Volume
XIV (1938)
Issue
14 (23.7.1938)
Date
1938-07-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT ORGAN DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN a MITTEILUNGSBLATT DES „SACHS. ISRAEL. GEMEINDEVERBANDES" Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebie tjm XIV. Jahrgang Dresden, den 2.1. Juli 1938 Nr Zur Konferenz von Evian teilt die Reichsvertrotung der Juden in Deutschland mit: .. Wie bereits bekanntgegeben worden ist waren wahrend der Auswanderungs-Konferenz Vertreter der jüdischen Wanderungsorganisationen in Deutschland unter Führung der Reichsvertretung mehrere Taue in Evian anwesend, nämlich das geschüftsführende Vorstandsmitglied der Reichsvertretung. l'r. Otto Hirsch, der Leiter ihrer Wanderungsabteilung, Dr. Panl Eppstein, das Vorstandsmitglied des Hilfsvereins der Juden in Deutschland. Dr. Werner Roscnberg. und für das Palästina-Amt der Jewish Agency for Palestine das geschäftsführende Vorstandstnitglied des Keren Haiessod in Deutschland. Dr. Michael Traub. Die jüdische Öffentlichkeit in Deutschland hat einen Anspruch darauf, zu erfahren, wie die Delegation ihre Aufgabe auffaßte und wie sie diese Aufgabe erfüllte. Es kam darauf an. darzutun, in welchem Umfang bei den Juden in Deutschland neben der Auswanderungsbereitschaft die Fähigkeit zur Auswanderung und zur Einordnung in den Ländern der Einwanderung gegeben ist. Dabei wurde bedeutsames Zahlenmaterial über die Alters- .und Berufsgliederung der Juden in Deutschland verwertet. Dali das Problem der Unterbringung von noch rund 2IHKMK) Juden aus Deutschland (und lOiHKMi Juden aus Österreich) bei aktiver Mitw irkung der Einwanderungslünder auf lüngere Sicht nicht unlösbar sei. konnte aus der rurnl 150 000 Menschen umfassenden jüdischen Auswanderung aus Deutschland seit H>33 bewiesen werden, einer Auswanderung, die zwar zum Teil mit finanziellen Mitteln der ausländischen jüdischen Hilfsorganisationen, aber fmit Ausnahme von Palästina) ohne organisierte Bemühung der Bfnwanderungsländer selbst durchgeführt worden ist. Daran uitrßte sich der Hinweis auf die Notwendigkeit des Ausbaus der Hinrichtungen zur Vor-j bereitung der Auswandernden im Inland und Ausland durch ver- ] stärkte Zuführung zu den handarbeitenden Berufein anschließen. Von besonderer Wichtigkeit war das finanzielle Problem. Zu seiner Lösung ist Infolge der rapide fortschreitenden Verarmung der Juden ,in Deutschland, aber auch wegen der Beschaffung I der für Einwanderung (tnd Einordnung erforderlichen Devisen-] beträge die Hilfe des Auslands in noch stärkerem Malle als seither notwendig. Am Beispiel. des Palästina- und des Altreu- Transfers konnte gezeigt werden, wie durch den Transfer von Eigenmitteln vermögender Auswanderer auch'die Auswanderund minder- und unbemitte ter Familien ermöglicht und gefördert werden kann. Schließlich wurde die Notwendigkeit sofortiger Ausarbeitung eines Auswandcrungsplans und der beschleunigten Durchführung aller einzelnen Maßnahmen zur Verstärkung der Auswanderung mit besonderem Nachdruck betont. Die Delegation der Reichsvertretung hat diese Grundlagen für den erforderlichen l uswanderungsplan in einem mit statistischen Beilagen versehenen Memorandum zusammengefaßt, das der Konferenzleitung, einer Reihe von Regierungsdelegationen, sowie den großen jüdischen Hilfsorganisationen des Auslands (Council for German Jewry. Jca, Joint und Jewish "Agency for Palestine) überreicht und dessen Inhalt in eingehenden mündlichen Darlegungen ergänzt wurde. Mit den Vertretern der Israelitischen KultusgeAieindc Wien konnte zuvor festgestellt werden, daß man in der Beurteilung der Aufgabe vollständig Übereinstimme und dal! diese Übereinstimmung auch bei d,en Besprechungen zum Ausdruck gebracht werden solle. •Besonders, förderlich waren die Unterredungen mit den Ver-, tretern der uordaiiicrikanisclicii. der britischen und der französischen Regierung, den Herren Myron Taylor, Lord .Winterton■ und Senator Bei nger. sowie mit den Regierungs\ ertretent südamerikanischer Staaten. Dabei wurde die - inzwischen mit dem Sitz in London erfolgte Gründung eines ständigen '\usschusses mit einem eigenen Büro in \us.sicht gestellt, dessen Leiter mit den Regierungen der Ein- und Auswandcruhgsläiider in Verbindung y.u treten haben Würde, um die praktische Arbeit d;e aui der Konferenz selbst nicht zu leisten war. zu sichern. Von Nordamerika wurde die Gewährleistung der vollständigen Ausnützung der Eiuw anderungsquote von über 27 000 Menschen im Jahr in Aussicht gestellt. Weitere konkrete Einwanderungsiiiöglichkeiten.wurden mit den Regierungsvertretern von England. Frankreich und verschiedene!,! südamerikanischen Staaten erörtert. Von fast allen Seiten w urde darauf hingew iesen.. wie wertvoll iör Einwanderung und Einordnung landwirtschaftliche Berufstätigkeit sei. wobei das eiiglische"»Kabinettsiuitglied. Lord W intertou. die Leistungen der jüdischen Landw irte in Palästina w ann anerkannte. Die gegenw ärtigen.. Einschränkungen der Einwanderung nach Palästina seien aui die politische Lage zurückzuführen. Im Herbst, nach \orliegeu des Berichts der reilungskouuiiission. werde man sich über die Auihehriiig dieser Einschränkung schlüssig machen können. Jedenfalls halte England au der Baltoii'r-Deklaration fest. Zur Erörterung von Masscusiedlungsprojekleu kam es nicht. Die Schwierigkeiten, die allgemein in der starken Arbeitslosigkeit In aller Welt und In dem Problem des Verhältnisses zwischen der Eingeborenen-Bevölkerung und der weißen Einwanderung in den Kolonien liegen, wurden nicht verhehlt. Es war aber nicht zu verkennen, dali die Aussichten, bald zu prak- •i tischen Ergebnissen zu köminen im Laufe der Konierenz immer günstiger beurteilt wurden. Die Reichvertretung und die Waiiderungsorganisationen gewannen den Eindruck, daß sie mit dem bisherigen System der Förderung der Auswanderung ^md Auswanderiingsvor'bcreitung atll dem richtigen Wege sind. Sie dürfen hoffen, daß die Tätigkeit des aus der Konferenz von Evian hervorgegangenen Auskchusses eine Intensivierung dieser Arbeit ermöglichen und zur Verstärkung und Beschleunigung des Auswanderungs-Prozesses führen wird. Aus den Fragebogen des ffilfsvereins. Die brennendste Frage für jeden einzelnen Juden in Deutschland lautet wohl heule: ..Wann und wohin werde ich auswandern können;' Wie erhalte ich das Visum usw.?" Gleich da-' nach aber drängen sich andere Fragen auf. vor allem-das Problem: ..Wie wird sich mein Leben nach der Auswanderung gestalten? Wird es mir gelingen, eine wirkliche neue Heimat zu finden, oder wird es.ein LJmherziehen ohne festen Halt geben?" Der Hilfsverein der Juden in Deutschland, dessen große und schwere Aufgabe in der Betreuung der gesamten nichtpalästinensischen Auswanderung bestellt, hat über das Schicksal der schon .

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