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Jüdisches Gemeindeblatt Dresden · 1938-06-15 · 12 (15.6.1938) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
Volume
XIV (1938)
Issue
12 (15.6.1938)
Date
1938-06-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDDty Nr. 12 / 15. 6.38 wissen, daß unsere Gemeinde klein werden wird, vielleicht sehr klein, so dari~uns dies nicht hindern, unsere Arbeit mit allem Einsatz und mit voller Intensität zu leisten, eine Arbeit, die sich heute auf last alle Bezirke des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens mit Einschluß des wirtschaftlichen Bezirks bezieht. Denn es ist ia heute das «roßte Glück für unsere Menschen, die Gemeinde 'zu haben, die ihnen in den neuen Situationen des Lebens, in die -sie hineingestellt sind. Rat und vielfach auch hmte'rielle Hilfe vermitteln soll. Im Jahre war mit der Schaffung der Synagoge ""d der Unterhaltung des Kultus die wesentlichste Aufgabe der Gemeinde erfüllt. Die Juden standen seinerzeit auf dem Standpunkt, daß dieser Gemeinde andere Aufgaben gar nicht zukommen dürften. Inzwischen hat sich in übertragenem Sinne — das Wort des Psalmisten erfüllt von dem ..Stein, den die Bauleute verworfen haben-* und der nun ..zum Eckstein geworden" ist (Ps. Iis V. 22). (.erade der Stein im Gefüge der i,emeinde und des Judentums überhaupt . der liber das Religiöse hinaus das Allgemeinver bindende der Judenheit bedeutet. er* ist zum Eckstein geworden, er gewährleistet gegenseitige Hilfe. Nicht nur innerhalb der Gemeinde, sondern innerhalb der Judenheit der Welt. Wir kannten nicht damit rechnen, daß die jüngeren Menschen unserer Gemeinschaft im Auslände, in Amerika oder in Australien. Aufnahme fänden, wenn nicht im Gefüge des Judentums dieser ..Eckstein" stark und mächtig wäre, der als das Gefühl der Schicksalsgeuieinschait 'oder wie immer man es nennen will) wirksam islj « Es ist die schwere Aufgabe der Gemeinde heute, ihren Mitgliedern aus dem Bewußtsein heraus zu dienen, daß die Wirkung jeder religiösen, kulturellen, geistigen, vor allem aber jeder Erziehungsarbeit, auch dann nicht verlorengeht, wenn die Menschen in die Welt hinausgehen. Echte Wirkung des Gottesdienstes, des Unterrichts oder irgend einer Tätigkeit die die Gemeinde ausübt, auch der werktätigen Nächstenliebe, geht nicht verloren. Sie setzt sich irgendwo in der Welt -in andere Werte um. "Und dieses Bewußtsein gibt ja auch den Menschen, die für die Gemeinde wirken, die Kraft, für eine Gemeinschaft zu arbeiten, die ihr Wertvollstes, die, jungen Menschen, allmählich, aber stetig abströmen sieht. Wir müssen die Summe aller Arbeit darin seilen, den Menschen, die anderwärts an einem Aufbau, sei es Irgendwo in der Welt oder gar in Erez Israel, Hinwirken dunen, ein ..Höchstmaß von seelischen und geistigen Wvrten iiiiHhigeben. Drückt sich die Sorge für die lungeren Menschen materiell m den erheblichen Xutwendungcn aus-, die von der Qenieinde für Kinderhort. Schule. Erholungsstätte, vor allem aber für Berufsausbildung und Chersjedlungskosten gemacht werden, so heißt die Hilfe für die älreren Menschen: zusätzliche Wohlfahrtsbetreuung neben der <">tSwrrtfcluhi Fürsorgeleistung, Darlehenskasse. M.ittersraridsküehe. Altersweim. Namentlich auf diesem letzteren (.ebiet der AltersiürsorVe wird hier in Dresden mrt dem Fortschreiten der Uberalterang der Gemeinde nofch eine bedeutende \ufgabe zu lösen sein. Welchen Umfang die Not unter unseren < .laubenslmidern bereits angenommen hat. sollen an anderer Stelle dieses Blattes statistische Ubersichten über die ..Jüdische Winterhilfe N?7 .98" und die Frequenz der Mittelstandsküche zeigen. Es kann mit Stolz und Dankbarkeit in diesem Rechenschaftsbericht gesagt werden, daß die Juden Dresdens, trotz des unverkennbaren Rückgangs ihrer Wirtschaftskraft und ihrer zahlenmäßigen Verminderung durch die Abwanderung gerade vermögenderer Kreise, bisher der Gemeinde und ihren Einrichtungen neben den Gemeindesteuern in zusätzlicher freiwilliger Leistung noch die erheblichen Mittel zur Verfügung gestellt haben, die für die Erfüllung aller sozialen Aufgaben erii*|lerlich waren. Und in Dankbarkeit muß auch an dieser Stell»-*» iinapeiellen Hilfe gedacht werden, welche die Juden des AuJaild/T der iüdischen Gemeinschaft in Deutschland über die ..Räfcfe.rtretung der Juden in Deutschland" in diesen schweren Jahren angedeihen lassen. Möge der Wille zur Hilfe und die Kraft, sie zu leisten, nicht geringer werden in diesem Jahre, das die Gemeinde bei dem vermehrten Auswanderungsbedürfnis vor noch.schwerere Aufgaben stellt. Grundsteinlegung. W ie vor 100 Jahren, ist auch uns autgegeben. Grandstein zu legen. Jede Zeit hat ihre Aufgaben. Es muß uns gelingen, durch Erziehungsarbeit in die Herzen unserer Menschen den Keim zu legen für eine Entfaltung starker und charaktervoller Persönlichkeiten draußen in der Welt aus den Duellen des Judentums heraus und diese Erziehungsarbeit soll nicht nur an den Jüngsten, sondern auch noch an der Generation geleistet werden, deren Seelen überhaupt noch bildungsfähig und für die Aufnahme des Gemeinschaft sgeda nk-ens fähig sind. Gelingt uns das. dann hat das Geschlecht des Jahres 1938 eine. Tat von bestimmt nicht geringerer Größe geleistet als die 6.?l Juden des Jahres 1S.9S, die in rührendem Opfersinn ein.würdiges gemeinsames Bethaus sich errichtet haben. Dies Haus, fast unverändert bis zum Jahre 1935 auf uns überkommen, ist uns in den letzten Jahren zur wahren Heimat geworden. Als die Gemeinde im Jahre 1935 zum Synagogenanbau schritt, schuf sie sichtbaren Ausdruck der Verschmelzung der alten und der neuen Aufgaben, die sich der Gemeinde ergaben. Und wie unter einem Dache heute 'nach Schaffung des ('emeindesaales. der in die Synagoge hiheingebaut und gleichsam aus ihr herausgewachsen ist) der Gottesdienst stattfindet, die aktuellen Vorträge über die Probien« der Zeit, wie Palästina-Aufbau. Auswanderung. Berufsausbildung usw. gehalten werden, die Gemeinde aber auch Erhebung und Ablenkung! bei Theateraufführungen und Konzerten findet, und w ie das [äußere Bild der Syjvagoge durch den Anbau an Schönheit der äußeren Formen nicht verloren hat. so dürfen wir hoffen, daß die Gemeinde des Jahres 1938 vor der Geschichte nicht schlechter bestehen wird als die des Jahres der Grundsteinlegung. „Alles, hat seine Zeit; es gibt eine Zeit des Aufbauens und eine Zeit des Niederreißens". (Kohelet 3, 3). Scheinbarer Niederbruch kann Aufbau sein. Wenn unsere Generation geläutertere und in sich gefestigtere jüdische Persönlichkeiten hinaussendet in die Weft. dann haben wir ein Recht, zu sprechen, auch hier und heute in einer Zeit des Aufbaues zu leben. An uns. ah jedem einzelnen Mitglied der Dresdner Gemeinde ist es. sich an den \ufgabcn dieser Zeit zu bewähren. Übersichten über die „Jüdische Winterhilfe Dresden 1937 38" 1. Unterstützte Parteien und ihre Personenzahl» Hilfsbedürftige Parteien mit je hilfsbedürftigen Personen 1 osgesamt Personen 141 1 141 1(15 . 2 210 | 52 i" 4 1S6 .** ■vfk.' 176 22 '• '/' •*» IM ' 1 '• über 5 21 zusammen 367 SI4 Jtvon 296 Parteien ohne Kinder unier 14 Jahren - 49 mit |e I — 2. xusatnmen 76 Kindern unter 14 Jahren 22 „ mit 3 u. mehr, ,, H8 ., ,, 14 zusammen 367 Parteien mit zusammen 144 Kindern unter 14 Jahren a^——■——m» 3. Die Unterstützten nach Lebensalter vnd Geschlecht Alter männlieh «'eiblich bis 6 Jahn- 17 23 über h —14 Jihre 63 41 ,. 14—21 41 32 .. 21-3S .. 36 39 „ .«-45 68 67 .. 45-« 116 ISO , 85 „ 45 76 ohne Angabe - zusammen 386 428 Unterstützte insgesamt S14 a£ sAi*u' . ,s lt.

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