Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt Dresden · 1938-06-15 · 12 (15.6.1938) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
Volume
XIV (1938)
Issue
12 (15.6.1938)
Date
1938-06-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6492329-5739447-5770416--151-4895359
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN Nr. 12/ 15.6.36 DU- Sciiulnculiiige des Jahrganges 19.^!>:Ta:i/cii im Synagogenhvi ein Bäuiiichen. ' l'rciliuh ist der Platz in den Gemeindehäusern oi't beengt: deün Jugeudmitide. Lehrhaus. Schule. Kulturbund kämpfen alle in; einen freien Raum iur ihre• Abende und Veranstaltungen Puch im es bisher imiiier gelungen, einen' \ustYeg "zu linder. \uch da hat die t >pferw illigkeit von Menschen unserer < ieinejnde geholfen, den schlimmsten Mangel tu belieben. Durch die Mittel der Heiiirich-Ariihold-Stiitiing konnte der Heinrich-Arnhold-Saal gebaut werden, der mit anschließenden Räumen den Kinderhort beherbergt und auch iür andere Organisationen noch, viele Mf>gliuhkeucn schallt. \l(e \ ereile sind a aui diese Räum,' angewiesen, stf^ali in der S\ nagoge und ihrer nächsten Umgebung sich fcitsäc1i4(cli das gesamte jüdische Cemeindeleben abspielt. Es sind die al\u traditionsgebundenen Organisationen, die nochvorhanden smdS. i >rgaitisatioticn. die teilweise' sclion vor der Schaffung unserer nagoge da vareu. die die eigen - liehen Vorläufer unserer Geitieinde gewesen sind. Die (,'ttcwra Kadisetta. die jBcerdigungsbrudcrschaft. k.iiin bald auf ein -'imiähriges Bestehen zunick'sch.mcu. S> -h--<\ auch die anderen i irganisatioiion. die audein < leiste und der -Forderung des .Indeiitums heraus gcb'Uk-t v. urdeu. i> 'di immer bemüht, ihre heiligen Aufgaben zu erni'leii. FccHich . sind■ diese Vereine: Kr.iukenverpflegsx ei c'ii. \nneii\ ere;n. Hraiitausstattungsvereitl. I'rauenvereiii nicht mehr in der Lage. Jen grollen Erfordernissen der ietzigen Zeit gerecht zu weiden, und so muLi ihre Arbeit ihre Ergänzung finden durch die I itigkeit treuer Institutionen, so vor allem der Wnhl.ahrt-stelle. der Wirtschaftshilfe und' de? Darlehenskasse. Es ist oft ein sorgenvolles', aber es ist immer e n hmitheu egtes Leiten, d.is d:e Synagoge in unseren Tagen in ihren Räumen und um mcIi herum erlebt., Dabei nimmt das Eigenleben der S\ nagoge seinen Eortgaug. W enn auch viele Plätze in den letzten Jahren leer geworden 'Ind. fast allwöchentlich ein anderes Gesicht vermißt wird: noch ist religiöses Leben vorhanden: denn die Synagoge wird ja heute mehr denn je als; die Heimat der Gemeinde gewertet, und es wirken die Menschen und Kommissionen, die dazu beauftragt suid. zusammen, um keine Erstarrung eintreten zu lassen, den (ibttesdieust als ein Lebendige* zu erhalten. Dabei bleibt die alte Traditi-.u gewahrt: denn es ist ia das:. He-onderc des Dresdner Gottesdienstes, daß er "eine eigene; Tradition hat. Van konnte sagen, da!! es einen Dresdner Minhag gibt. Das Wort Minhag ist ein viel Mißbrauchtes Wort. Es gibt (iegenden und Zeiten, in denen jede Unsitte als ein Minhag hingestellt und verehrt wird. Vier nicht alles darf als Minhag angesehen werden. Minhag bedeutet das Eigenleben einer (Ieineinde. d.is. wie bei einem lebenden Menschen, bei einer Persönlichkeit, den besonderen Eigencharakter ausmacht. Der Minhag ciit-tcht au- Jer besonderen Geschichte einer Gemeinde. In ihm findet gleichsam die Geschichte der (ieineinde ihren i lebendigen Ausdruck. Nur das. was aus solchem geschichtlichen Leben heraus entstanden ist. darf als Minhag gewertet werden. . Einen solchen Minhag als Ausdruck eigenen Charakters trägt der Gottesdienst unserer Synagoge. Es ist teilweise unmöglich, dem Ursprung der Minhagim nachzugehen, zweifellos reicht mancher Brauch zurück bis in die Zeit vor der Gründung der [Synagoge. Mancher Brauch scheint aus dem Zusammentreffen Aon (»st und West entstanden zu sein. Bef manchen ist wohl , auch bewußter Wille Schöpfer gewesen. Es dürfte wenig Ge- , mein den geben, die auf eine verhältnismäßig so kurze Geschichte j v. ie die Uresdner Gemeinde zurückblicken und dabei einen so ausgeprägten Charakter in ihrem Minhag zeigen. Darum darf mau Itüst von 'einer Seele der Synagoge sprechen, die zwar durch die Persönlichkeiten, die in ihr gewirkt und an ihr gearbeitet haben, ihre Prägung gefunden hat. die aber andererseits das Leben der Menschen der (lemeinde aus sich beeinflußt hat. Auch die Gesänge und Melodien, die zur Tradition unserer Synagoge gehören, haben mitgewirkt, diesen Eigencharakter zu schaffen. Es sei hier besonders des Einflusses gedacht, den das kantoralc Schaffen R. Holsteins aui unsere Synagogenmelodien; geübt hat. Das Jubiläum der Synagoge fällt in eine ernste, sorgenvolle Zeit. Wenn wir die Worte des Dr. Beer ..Kinst und jetzt" nachsprechen, dann haben sie in Unseren Tagen einen ganz anderen Klang als damals. Aber wie eine treue Mutter ist uns Jetzigen unsere Synagoge geworden. Da finden wir 'Trost und Aufrich- :ung. da sehen sich die Menschen, da bildet sich die (lemeinde. und aus ihrem Geiste wächst die Bereitschaft zur Hilfe, zur gegenseitigen Unterstützung, so daß bei aller Not jedem bisher geholten werden konnte und hoffentlich auch fernerhin keiner allein und hilflos bleibt. , r Mancher, der in den letzten Jahren die alte Heimatgemeinde < erlassen hat. liest wohl in der Kerne diese Zeilen. Ihnen allen sei der Gruß der Heiniatgemeinde, der Gruß ihrer alten Synagoge dargebrächt Und es mag wohl auch die Seclenkraft der Synagoge in die ferne wirken, daß dort die Menschen sich finden und einander helfen, und daß auch der. den der Weg des Lebens zum Glücke emporführt, seiner Hehuatgemeiiide in Treue gedenkt. So mag auch in dieser Zeit die Nahen und die Fernen« die Leidvollcn und die Glücklichen im Geiste vereinen die Liebe zu unserer Synagoge. S i Gedanken zum Grundsteinlegungstage Hermann Schocken. V rtmtthcr der ls»aelit*sctiefl kchrif ns cn-cinJe IVc»den '«7 Herr! aus der Tiefe rufe ich dich und erhebe zu dir meine flehende Stimme. Du thronst hoch und erhaben und deine Maiestäl durchdringt das Weltall, und dein Blick durchschauet Verborgenes, dringt ein in, der 'Tiefen 'Tiefstes. Zu deines Namens Ruhm senken wir heute diesen Stein in die Erde, daß sich ein Haus dir geweiht erhebe.- ein Haus o Gott! dem Gläubigen zur Labung, deinen Kindern zum Tröste. Herr! ohne deinen Schutz, was ist unser Beginnen, was unser Vollenden? Wessen können wir uns je rühmen, welchen Vorsatz mit Zuversicht hegen, welches Gelingen uns voraussagen, so du nicht mit uns bist? Nur durch dich, unser Eels und Schutz! wird unser Vorhaben ausgeführt, du wirst utiscrn frommen Willen stärken, daß w ir vollenden, wav wir heute in deinem Namen beginnen. Preis und Dank tönt o Gott! dir aus der Höhe und aus der Tiefe, und die Himmel und die Erd'e und die Meere verkünden deinen Ruhm: Preis dir und Dank aus dieser Tiefe: zum Preise deines Namens wird dieser Stein in tiefe Schacht gelegt, und in kindlichem Danke erbebt unsere Seele sich zu dir, daß du zum Beginnen uns geholfen. Herr! Unserer Schwäche werden wir uns hier von Neuem bewußt und wir fragen: was ist der Mensch, daß du sein gedenkst, der Erdensohn,'daß du ihn achtest? Dieser Stein wird Geschlechter überdauern: wir aber, die wir ihn hier einsenken, unser Name wird kaum im folgenden Geschlechte genannt. Doch du bleibst in Ewigkeit, und was zu deines Namens Ehre ausgeführt ist. das bestehet lange vor dir. und deine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.