Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Volume
- XIV (1938)
- Issue
- 7 (1.4.1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 GEMEIMDEBLATT DSR ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN Nr. 7/1.4.38 Wenn Unsere Väter mit den "Worten des 130. Psalms „aius d c r Kni! e" um Krlösung beteten, dann sahen sie in der Knge zu allererst die Verstrickung in eine Sünde. Sündigen heißt aber nichts anderes, als von einem gegebenen Gesetz abgewichen sein, uncins geworden zu sein mit der Gemeinschaft und dem Geist, in dem diese Gemeinschaft lebt, um dessentwillen sie lebt, in dem sie ihren eigentlichen Lebenssjinn -ieht. In unseren Tagen haben sich die unter uns wieder rerniehrt. die nicht mehr im persönlichen Beruf, im persönlichen Talent, sozialer Hochgeltung oder gar bequemem Einzcllcben den Sinn ihres Lebens und des Daseins anderer sehen. Das alte Krbgut des jüdischen Volksgeists ist wieder als Gut erkannt worden: man hatte sich lange begnügt, aus diesem Krbc nur die sozialen Werte zu bewahren und zu verwalten. Wohltun und Wohlfahrt allein machen aber noch keine (iemeinschaft aus. Sie geben allzu leicht die Mittel ab. mit Hilfe. derer jein sozial Gutgestellter sich von den geistigen und kulturellen Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft loskaufen kann. Man konnte sehr lange „ein guter Jude" sein, wenn man jüdischen Institutionen aus dem eigenen Besitz von Zeit zu Zeit ctjvas schenkte oder stiftete, aber heute genügt das nicht mehr. J)ie Welt drängt heute jedem Volk seine eigenen scharfen Wesensgrenzen auf. Man mag es begrüßen oder nicht, danach fragt das Gesetz der Zeit nicht. Man kann ihm nur gehorchen und -ich als Ciefangener fühlen, oder man kann ihm gehorchen pud -ich durch Krkcnntnis und FntschluB die Freiheit verdienen, .'her mau kann ihm nicht davonlaufen. Nirgends in der W]elt. Pas eben macht ja die .ludenfrage heute nicht nur zu ejncr eminent, politischen, -andern zu einer eminent kulturellen. Juden konnten -ich jahrzehntelang als. die Träger eines reiben Weltbürgertum« betrachten, und ihren eigenen Brüdern eilten bitteren Vorwurf daraus machen, daß sie es ablehnten, endlich in den Völkern ohne Spur aufzugehen. Heute könnte nur noch politische Blindheit glauben, daß dies Aufgehen oder Nichtäufgcl.en eine .{Sache dtfs jüdischen Willen« sei. Wir haben (erkannt, daß wir unser Leben *gc s et z haben *l i c .1 I I e V ö I k e r de r W eil. wie jede- Wesen in der .Welt, da- -eine Lebensbedingungen erfüllen oder untergehen nluß. Dazu gehör) alur. daß man - ein eigene - We-en k e n f 1 t, denn' jede -Verkennung. jede- Leben gegen die eigene Art, rächt sich durch eine V'ermijideMing der Kräfte. Andererseits >t>< r erreicht__wer seinem eigenen We-en gemäß leben will, i'. Ü er keineswegs in dcr»l".ngc bleiben muß. Vielmehr hat er dann er-t da- Recht und den Kaum, sich aus der Umwelt init der gei-iigen Xahrung zu versorgen, die -einer Art entspricht, das hc-ißt. solche Nahrung, die er entsprechend für >ich selbst umbilden kann. Kr will nichts anderes sein, als was er yon Natur wegen ist. Aber er „bildet" sich an und mit der L'mwelt, ir formt -eine eigene Gestalt immer vollkommener aus, doch er will keinem anderen < iebilde ähnlich -ehen alsich selbst. I »iese Krkcnntnis. die alle Völker von Zeit zu Zeit in ihrer Geschichte notwendig wieder zu .-ich herandenken, zu »ich heranteben müssen, ist die Krkenntnides Judentums unserer Tage, ("berall in der Welt reagieren Juden auf die politischen und wirtschaftlichen böigen der „Judenfrage" mit einer — €getr Si Sohn NUR KONIG JOHANN STRASSE Das große Fachgeschäft für feine Herren - Knaben - Kleidung Herren-Modeartikel Maßschneiderei Selbstbesinnung. Die Rückführung aus der Zerstreuung beginnt mit einer echten Sammlung der Kräfte und Werte, die wir nicht von außen erwerben können, sondern die wir, nach Art und Wesen des Judentums, in uns tragen und die wir jetzt neu ausformen müssen. Wir sind dabei in einer anormalen ^age — sind eine Gemeinschaft von Fremdlingen unter den anderen gewesen, ohne Boden und ohne Sprache, und trotzdem uns diese beiden wichtigsten Kriterien eines Volkstums fehlen, haben wir ein Volksgefühl, ja einen Volksgcist unter uns bewahrt. Jetzt beginnen wir uns auf diese Prinzipien hin zu sammeln — und schon fürchten die Träumer zwischen den Mauern dies Sammeln sei ein sich Pferchen. Ks ist in Wirklichkeit ein sich Anreichern mit Kräften. Der Raum i-t klein. .Umso stärker werden die Spannungen, -ein. mit denen diese Kräfte zur Formung eines neuen jüdischen Lebens vorstoßen. Mit begrenzter Zeit darf man freilich dabei nicht rechneu. Wir -ind eine Generation, die dein Pbergang und der Vorbereitung dient. Aber man verwechsele doch die Liquidation von politischen Zuständen nicht mit der Bereitstellung neuer Aufbaukräfle. Unsere Selbstbesinnung i-t kein Notbehelf und auch kein Selbstzweck. Darum können wir in Ktrhe abwarten, was daraus wird, wenn wir diese erkannte Pflicht. Kräfte durch 1 Selbstbesinnung bereitzustellen, nun auch tun. Ks war eine Selbstbesinnung, als junge Juden sich zu Handwerk und Landarbeit zurückwandten, l'nd so wenig man diesen Entschluß einen Weg in die Knge nennen kann, so wenig ist es ein Weg ins Ghetto, w enn wir unsere Aufgabe darin sehen, das Jüdische wieder unter allen unseren Menschen bewußt zu machen. Selbstbesinnung, die zur Selbsterkenntnis führt, ist die gegenwärtige Aufgabe gerade unter uns Juden in Deutschland. Wir verstehen darunter keineswegs dieses ..aufgestockte" Judentum, daden Anforderungen schon damit zu geniigen meint, daß es das Attribut .jüdisch" nun vor jedes Dingwort setzt, zu dem es einigermaßen zu passen scheint. Wir verstehen darunter den Weg zu einer neuen jüdischen Kultur, dc^aus vielen Ländern der Welt, und auch aus unseren Reihen gebaut werden muß. Noch dichten viele unserer Dichter nicht in der Sprache unseres Volkes, Aller lieben ihnen stehen schon die anderen, denen die hebräische Sprache als einziger Ausdruck füt Schmerz und Seligkeit, für Kehre und Krkenntnis geworden ist. Schon hat sich in Palästina, aus vielen Röhren gespeist, ein neuer, eigenartiger Baustil gegründet. Schon gibt es einen Theaterstil, eine Schriftformung — die paar Beispiele aus dein jungen Spiel der jüdischen Volkskräfte mögen genügen. < Tür uns aber verwandeln sie sich in die Frage des Anfangs: Modische Damen-Kleidung Stoffe Strümpfe Wäsche ■ Handschuhe finden Sie bei uns in sehr vorteilhafter Auswahl WOLLWARENHAUS ' SAXONIA Dresden-Löbtau, Kesselsdorfcr Str. 9 Schreibmaschinen ^f1^00"; j. — . —. - _ Ideal, Olympia usw. n t jeder gewünschten aualandlsdien Tastatur ItckcaaiucMa«, Farbbänder und Kohlepapier« bekannt preiswert Fachgeschäft Sally Mayer, Walpurgisstr 9 - Ruf 13045 SB. Autwander sollten nicht versäumen, eine Koffarachreibmaachtac mit zunehmen