Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Volume
- XIV (1938)
- Issue
- 7 (1.4.1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT ORGAN DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN $ MITTEILUNGSBLATT DES „SACHS. ISRAEL. GEMEINDEVERBANDES" Angemeldet beim Sonderbeauftragten det Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tötigen Juden im deutschen Reichsgebiets XIV. Jahrgang Dresden, den I.April 1938 Nr. 7 Ghettogeist? W er die Reste der alten Judengassen in europäischen Städten kennt und sich nicht durch da* Malerische des alten Gewtnkel*. nicht durch die Ehrfurcht vor dem Geschichtlichen in eine täuschende Koniantik hineinsteigern läBt. fragt vor der Enge dieser schmalbrüstigen Häuser und dem Dunkel der zusammengedrückten kleinen Höfe: wie (st es möglich, daB hier Menschen gewohnt hahen, w ie war es möglich, in diesem Kreis noch eine eigene Kultur zu hahen, W erke der Wissenschaft zu schreiben, zu dichten? Man fragt enicht nur von der Verwöhntheit des städtischen Menschen unserer Taue her. der an breite StraBe, bequeme Häuser voller hygienischer Einrichtungen und die Weitläufikeil des Verkehrs gewöhnt i-t. sondern man fragt es in der Erkenntnis, daß in dir Enge der Wohnverhältnisse die Probleme de* Zusammenlebens ebenso zusammengeballt waren wie-die vielen Bewohner dieser .(lasse und ihrer dumpfen Häuschen Die körperliche Nähe bedingt die Reibung der Interessen; die Reibung.ist eine Ursache der Gereiztheit. In der Enge muBte das entstehen, was Kachfahren mit.dem Hochmut derer, denen es besser geht, den ..< i. h C 11 Og e i S t" zu nennen pflegen. Wir leben heute in Deutschland nicht in der engen Gasse und nicht im Pferch schmaler Häu-er. Aber wir sind, gemessen an Vergangenem auf einen engen Kaum gUsanMnehgedrfiCkt. Wir leben sehr dicht nebeneinander, unsere Vorteile und unsere .Vachteile stoBen einander. Wir treten uns gegenseitig auf die Füße. Das wäre zu ertragen, wäre auch zu beheben, wenn es sich nur um die Wirtschaftsfragen oder itinerpulitischc Reibungen handelte. Aber der Vorwurf des wachsenden Ghetto« freistes wird vor allem von denen erhoben, die -ich als die Wahrer von a I I g e in c i n m e n S C h Ii c Ii c n W e i i e n auch innerhalb des Judentum'- empfinden und es für ihre Pflicht halten, uns vor der schwindenden Weitläufigkeit zu warnen. Man fürchtet einen Verlust im Menschlichen unter uns, wenn wir uns allzu betont dem N u T - Jüdische n zuwenden, man sieht in dieser AusschlicBlichkcit dasselbe, was wir sehen, wenn wir in den alten Judengassen stehen: engen Raum und'in ihm gereizte Menschen. /w?ngendc Mam rn und zwischen i'iieii dumpfe Luft. Die (iefahr ist da. Daran ist nicht zu zweifeln. Es ist auch in keiner Weise an dem guten Willen ,dercr zu zweifeln, die uns Ausschließliche davor bewahren in« c'.lcn in unserem Judentum, wie sie meinen. >o zu leben, daß für ViBenwelt \on uns aus Selbstrettung negiert werde,,daß v ir eine Art geistige Vogel-StrauB-Politik trieben. Bei . der Uelrar'..tttrig dieses Problemkreises kommt es aber, wie bei jeder K: trac'-tuiig überhaupt, darauf an, von welchem Blickpunkt -.er -«Ii b.f.ac' tel. Es kommt darauf an. ob wir die geistige1 Einstellung, die wir vertreten, zu der wir die Juden in Der; j '.* I I zu erziehen suchen, als ein Ergebnis der Flucht vor ic'i selbst oder der Schwäche vor auferlegtem Zwang ansteht, oder als ein Ausdruck der Kraft, der Kraft rämlich zu dem einzigen, das UOS in jeder Lebenslage die wahre Freiheil möglich macht: die Kraft dazu, daß wir wollen, was wir sollen. Uns ist, nach Jahren einer vermeintlichen Ungebundenheit, durch die Veränderungen in unserer Umwelt eine Grenze nach auten gezogen worden. Unsere Menschen haben zweierlei Möglichkeit gehabt, auf diese Grenze zu reagieren: ,>je können sie, was mich viel zu viele tun. -als eine Mauer empfinden Und al> einzige Kettling aus der Enge für sich selbst.*«» weiterzuleben versuchen, als wäre nichts geschehen. Sie können eine Fiktion au die Stelle iler Wirklichkeit setzen: sie spielen,' für sieh selbst Europa IMji. Sie lehnen es ab. ihr Judentum zentral werden ZU lassen, sie halten es. wie in all den früheren Jahren i/rcs Lebens, an der Peripherie. Die Menschen sind wie Gefangene, die sich die Freiheit vorspiegelnd Sie träumen, und ('arum machen sie uns einen Vorwurf daraus, daß w ir von Zeit zu Zeit den Versuch machen, sie aus dem Traum aufzuwecken und .sie für die Kräfte eines wachen Daseins zu gewinnen. Sic wehren sieh gegen Ulis AuBsehlieBlich-Jüdischc. weil sie eben nicht geweckt sein wollen: wenn sie aufwachen, starren sie die Maiern an. Denn sie wissen nichts von der Türe, durch die man ins Freie hinaus kann, diese Türe, die nicht erst w i r erfunden, haben, die das Krhe aller wahrhaft Freien ist. Wahrhaft Freie suchen nicht die l'ngcbtindenheii, sondern die offene Bahn, auf der man kämpfen und wirken kann. Für ein Volk. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland und die Israelit. Religionsgemeinde zu Dresden laden die Gemeindemitßlieder hierdurch zu einem # . J . Gemeinde-Abend Montag, den 4. April 1938, pünktlich 2015 (jhr im Henriette Schie-Saal, Zeughausslraße I b ein. Wir zeigen: Einen Fümbericht aus der Arbeit der Rcichsvertretung der Juden in Deutschland. Schaffender Wille Juden werden Bauern und Handwerker Spielleitung r Georg En, el — Manuskript: Alfred Moser Kamera: Heinz G. Janson Herstellungsleitung: Manfred^ Epstein Es spricht: Direktor Joaei Schmeidler M.tgl. det PiA»ldUl*utcbuue» der Relchtveitietunt der Juden in Deutschland. Der Eintritt ist frei Zutritt nur für Angehörige der jüdischen Gemeinschaft