Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Volume
- XIV (1938)
- Issue
- 3 (29.1.1938)
- Date
- 1938-01-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 GEME1NDEBLÄTT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN Nr. 3/29.1 38 Zum WINTER-SCHLUSS-VERKAUF vom 31. Januar bis 12. Februar vorteilhafte Angebote, bei: Hermann Haugk Nachfolg. Inh. Max Strelzyn / Prager Str. 37 einzudringen. Sie verhandelte durch ihren Beauftragten Philby mit dem Beherrscher Innerarabiens Ibn Saud, ließ diesem eine monatliche Rente von mehreren zehntausend Pfund zukommen wofür et sich neutral verhielt. Das heißt er stellte der Türkei keine Hilfstruppen, wozu er eigentlich, da er wenigsten dem Namen nach unter deren Oberhoheit stand, verpflichtet gewesen wäre, und vor allem Heß er die arabischen Häuptlinge, die zwar seine Tod feinde, aber mit England verbündet waren (z. B. Hussein in Mekka, von dem gleich die Rede sein wird) in Ruhe. Nebenbei unterwarf er auch noch das Gebiet der zweiten innerarabischen Dynastie der Ibn Raschids, die sowohl mit ihm verfeindet, als auch türkenfreundlich, und damit den Engländern unbequem war. Die zweite englische Stelle, die eingriff, war das arabische Büro in Kairo unter Leitung des englischen Oberkommissars Mac Mahon. Zu dieser Ztit herrschte im Hedschas oder vielmehr in der Hauptstadt Mekka als Verwalter der heiligen Stätten der Scherif Hussein, ein Mann von sehr vornehmer arabischer Herkunft, (er kann seinen Stammbaum bis auf Mohamed zurückführen) mit großem Ehrgeiz und einem noch größeren Geldbedarf. Von seinen 4 Söhnen sind 3 wichtig geworden. Ali der Kronprinz, Abdallah, der heutige Emir von Transjordanien, und Feisal, der spätere König des Irak. Diesem Scherifen Hussein machte Mac Mohon und sein Beauftragter, der später legendär gewordene Oberst Lawrence, wie sich in der Folge herausstellte, recht ungenaue Versprechungen über die Gründung eines großarabischen Reiches, unterstü zte diese Versprechungen durch beträchtliche Geldsendungen und erreichte dadurch, daß Hussein vom Sultan abfiel, sich zum König des Hedschas ausrufen ließ und unter nationalarabischen Parolen alle Araber zum Aufstand aufrief. Wir können hier nicht auf alle Phasen dieses „Aufstandes in der Wüste* eingehen, der voll romantischer Einzelheiten mit Lawrence und Feisal an der Spitze durch den Hedschas und Transjordanien bis nach Syrien führte „. .rf**** ifcnnkiqibraku. — £in-fopfrgendih Oer nächste tintopf -Sonnta§ der jüdischen winterhilfe »st am 13. Februar 1938 und mit einem phantastischen Einzug in Damaskus und der Ausrufung Feisals zum König von Syrien im Oktober 1918 endete. Man soll jedoch die militärischen Erfolge dieses Aüfstandes nicht überschätzen. In Wirklichkeit wurde Palästina etc. eben doch durch die rein englischen Truppen des General Allenby erobert, und die arabischen Abteilungen) waren im besten Falle nur 'Hilfstruppen. IV. Mit dem Einzug Feisals in Damaskus hörte aber auch die Romantik auf, und die Wirklichkeit begann. Mit Kriegsende stellte sich nämlich heraus, daß neben den in der Balfour - Deklaration gemachten Versprechungen und den Versprechungen an Hussein noch ein Vertrag mit Frankreich über die spätere Verteilung dieser Gebiete abgeschlossen war. Im Jahre 1916 schon hatten der Engländer Sykes.und der Franzose Picot im Auftrage ihrer Regierungen ein Abkommen getroffen (bekannt unter dem Namen der »Sykes-Picot-Vertrag"), nach dem Frankreich den ganzen nördlichen Teil mit dem Oelgebiet von Mossul und England Mesopotamien und den ganzen Süden bekommen sollte, außerdem Haifa und Jaffa, während Palästina internationalisiert werden sollte. Aus diesen Versprechungen und Abkommen mußte nun etwas gemacht werden, und das war wirklich nient ganz leicht. Einstweilen blieb das was war bestehen, nämlich das (unter englischem Einfluß) selbständige Königreich Hedschas mit Hussein, das Königreich Syrien von Lawrence Gnaden mit Feisal und als Machtfaktor im ganzen Gebiet die englische Militärverwaltung. Im Verlaufe der folgenden Verhandlungen wurde (als teilweises Entgegenkommen an die Selbständigkeitsbestrebungen und Versprechungen) der Begriff des A-Mandats erfunden. Die Bestimmungen dieses Mandats besagen, daß die .unreifen" Völker so lange im Auftrage des Volke, bundes verwaltet werden sollen, bis sie, zu politischer Reife gelangt, sich selbst verwalten könnten. Erst im Frühjahr 1920 auf der Konferenz von San Remo einigte man sich schließ.ich dahin, daß der Libanon und Syrien unter französisches Mandat ind der Irak mit Mossul, Transjordanien und Palästina unter englisches Mandat kommen sollten. (Die Mandate wurden allerdings erst wesentlich später vom Völkerbund erlassen, das Palästina-Mandat z. B. erst im Juli 1922). Die englischen Truppen räumten also Syrien und den Libanon und die Franzosen rückten dort ein. Natürlich hatten diese kein großes Interesse an dem englandfreundlichen König Feisal, und schon im Juli 1920 wurde er nach einem 3tägigen Krieg von dem General Gouraud »besiegt" und vertrieben. Die Franzosen hatten im Gänzen gesehen wenig Glück mit ihrem syrischen Mandat. Sie versuchten, das Land, das zu den fortgeschrittensten des ganzen Orients gehört, nach rein kolonialen Gesichtspunkten zu verwalten. Sie trennten den von Christen bewohnten Libanon als autonome Republik ab und teilten auch das eigentliche Syrien in 4 bis 5 selbständige Republiken auf. Der Erfolg waren dauernde Unruhen und Aufstände, bis endlich 1936 Frankreich sich bereit erklärte, das Gebiet aus dem Mandatsverhältnis zu entlassen. Gleich darauf mußte es auch dem zu einem großen Teil von Türken bewohnten Nordwestzipfel, dem sogenannten Sandschak von Alexandrette, eine weitgehende Autonomie zubilligen. Feisal ging nach seiner Veitreibung aus Damaskus nach Mesopotamien zu seinem Bruder Abdallah, der zum Herrscher dieses Gebietes ausersehen war Als 1921 die Engländer dort die militärische Verwaltung aufgaben und das Mandatsland Irak einrichteten, wurde Feisal zum König des Irak pioklamiert und Abdallah dafür zum Emir von Transjordanien ernannt. Schluß folgt I Dr. Philippine Moses Fachärztin für Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten praktiziert ab 7. Februar 1938 Telefon 41801 Lukasstraße 2 (am Reichsplatz)