Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Volume
- XIII (1937)
- Issue
- 21 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GEMEIN DEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOlONSGKMElNDE DRESDEN Nr. 20/15. 10.37. S. MATTERSDORFF _ n CT n « ■ w . -r r> . ^. Lr.....* GEGRÜNDET P R I VAT B A N K H A U S i 8 4 9 SEESTRASSE 14 RUF 25955 bald vollständig zufrieden und glücklich sein werden. Die meisten haben bereits nach kurzer Zeit bessere Stellungen gefunden, die ihren Fähigkeiten entsprechen. Viele dieser Einwanderer sind heute schon begeisterte Amerikaner. Jeder einzelne Fall liegt natürlich anders. Selbständige Menschen, die gar nichts von ihren Verwandten erwarten und die sich sofort zu helfen suchen, werden hoch geschätzt und bekommen ganz unangefordert Hilfe und Unterstützung von allen Seiten. Die paar Fälle, die ich kennengelernt habe, in denen Einwanderer Zerwürfnisse mit ihren Verwandten gehabt haben, und wo sie Hilfe von den Gemeinden beansprucht haben, sind so stadtbekannt, daß sie überall weit Uber die Grenzen der Stadt . hinaus als Argumente gegen verstärkte Einwanderung gebraucht werden. In fast allen größeren Städten Amerikas haben sich ganz zwanglose Vereine von Neueingewanderten gegründet. Sie kommen ein oder mehrere Male monatlich zusammen. Sie tauschen' ihre Erfahrungen gegenseitig aus, helfen einander so weit sie können und sammeln bereits freiwillige Beträge zur Selbsthilfe. Ich bin überzeugt, daß diese Vereine der Neueingewanderten, wenn sie ihre Zusammengehörigkeit so weiter aufrecht erhalten und weiter ausbauen, in kurzer Zeit eine starke Rolle im amerikanischen jü dischen Leben ihrer Städte spielen werden, d. h. wenn sie wirkliches Interesse am jüdischen Gemeinde- und Gemeinschaftsleben haben. Ich habe an Sitzungen dieser Auswandererveine in einigen Städen des Westens Amerikas teilgenommen, sie finden fast über all in Räumen statt, die von einer jüdischen Religionsgemeinde gestellt werden. Ueberau, wo man die Frage stellt „was man in Deutschland über sie, besonders im Interesse späterer Auswanderer berichten soll", bekommt man zur Antwort: „Sprache lernen, Sprache fernen und Lebensansprüche vorerst herabsetzen. Es geht uns gut und wir sind zufrieden." Enttäuscht war ich sehr Uber die Entwicklung der sogenannten Kinderadoption. Als wir in Deutschland vor einigen Jahren hörten, daß vorerst eintausend jüdische Kinder von 12 bis 15 Jahren alt in Amerika adoptiert werden sollten, hatte ich nicht den geringsten Zweifel daran, daß dieses der Anfang einer Lösung unserer Kinderfrage sein würde. Fast zu derselben Zeit setzte die Arbeit für die Jugendalijah nach Palästina ein. Erstaunt ist man, zu hören, daß zu Beginn dieses Jahres bereits überl 500 unserer Kinder gut im kleinen Palästina untergebracht waren, während das große reiche Amerika knapp 150 herübergebracht hatte. - / Ich habe' mich während meines Aufenthaltes drüben neben meiner Arbeit zur Beschaffnng von Einreisevisen ganz besonders für Kinderunterbringung interessiert. Ich halte diese zwei Aufgaben, die beide verstärkter Einwanderung dienen, für die zurzeit allerwichtigste unserer Brüder drüben und habe versucht, das den Führern klarzumachen. Die Gesamtlage der Juden Amerikas, organisatorisch betrachtet, 'st ganz anders als die Lage der Juden Deutschlands. Es besteht drüben keine Organisation wie unsere Reichsvertretung oder wie unsere Provinzialverbände, ja, es bestehen nicht einmal städtische Kehilloth (Gemeinden). Jede Stadt mit einigen tausend Juden hat einige ganz selbständige Gemeinden; geteilt nach religiöser Einstellung, Reform, liberal, konversativ und orthodox und auch nach Landsmannschaften, deutsche, verschiedene Ostländer, Sepharden. Diese Gemeinden — in Großstädten wie Chikago, Philadelphia, gibt es Hunderte, und in New York mit seinen zwei Millionen Juden viele Hunderte—arbeiten nicht miteinander, sondern sind Konkurrenz gegeneinander. Das jüdische Leben drüben wäre ein Chaos, organisatorisch betrachtet, wenn nicht die Not der europäischen Judenheit und der Aufbau Palästinas zwei Organisationen geschaffen hätten, welche wenigstens eine lose Zusammenarbeit der Gesamtjudenheit Amerikas ermöglichten. Diese zwei Organisationen sind die „Zionist Organisation of America" und der „Joint Distribution Commission of America" öder „Joint", wie er kurz bezeichnet wird. Hauptaufgabe dieser Organisation/ist die Aufbringung von Geldmitteln. Diese Mittel werden aufgebracht durch Sammlungen, die einmal im Jahre in ganz Amerika durchgeführt werden und an denen die Führer aller Parteien und Gemeinden teilnehmen. Gewöhnlich erhält die Zionistische Organisation 30 % der gesammelten Gelder für ihre verschiedenen palästinensischen Zwecke und der 'Rest steht für die Aufgaben des „Joints" zur Verfügung. Die Führung des „Jotnts", d. h. das Central-Comitee, wird nicht von den Juden Amerikas gewählt, sondern es besteht, ähnlich wie bei uns im „Hilfsverein der1 Juden in Deutschland", aus den prominenten Persönlichkeiten des Landes, prominent durch Reichtum oder hervorragende politische oder soziale Stellung und in einigen Fällen auch durch langjährige anerkannte Arbeit für das Judentum. Das ist das Gremium, das den Ausschlag gibt in Fragen, welche die Unterstützung europäischer Juden betreffen. Fortsetzung in nächster Nummer ff „Übersee-Wanderung Die Ortsgruppe Dresden des Hilfsvereins der Juden in Deutschland veranstaltete eine Kundgebung über das Thema „Übersee- Wa nderung" vor einer den Henriette-Schie-Saal dicht füllenden Zuhörerschaft, die den Vorträgen der Herren Dr. Werner Rosenberg (Berlin) und Landgerichtsdirektor a. D. Dr. A. Wachtel (Leipzig) mit größter Aufmerksamkeit folgte. Der Abend wurde eröffnet mit einer Begrüßung des Vorsitzenden unserer Gemeinde, des Herrn Max Lesser, der unterstrich, daß man trotz des Interesses für Palästina auch die anderen. Auswanderungsländer nicht außer acht lassen dürfte und deshalb der Arbeit des Hilfsvereins großer Erfolg zu wünschen sei. — Dann dankte der Leiter der Dresdner Ortsgruppe, Herr Max Estreicher, für das Interesse und warf einen Blick auf die Geschichte des Hilfsvereins seit seiner Gründung, sowie seine jetzige Hauptarbeit, die in der Auswandererfürsorge und Unterhaltung von Beratungsstellen besteht. Dann machte Dr. Rosenberg (Berlin) mit uns eine Reise um die Erde, um alle die Gebiete zu betrachten, welche für unsere jüdische Einwanderung in Ftage kamen und kommen. Freilich sind die überseeischeu Einwanderungsmöglichkeiten großen Schwankungen unterworfen; so gab der Redner für den Monat Oktober 1936 und Oktober 1937 höchst differierende Zahlen. t Mit Spannung wurden auch die Bemerkungen über die Bedingungen in den einzelnen Ländern aufgenommen: So über U.S.A., wo nach Ueberwindung der Einreiseschwierigkeiten günstige Möglichkeiten sind. Da jetzt für Brasilien eine Sperre eingesetzt hat, so konzentriert; sich das stärkste Interesse heute auf Argentinien. Das „Denkmal des unbekannten Einwanderers" in Buenos Aires FROHE STOMPS vermittelt der SPORTVEREIN SCHULD durch seinen Gesellschaftsabend mit Tanz und heiteren Darbietungen am Sonnabend, den 6. November 1937 im Saal des Trlanon (Volkswohl-Saal), Ostra-Allee Beginn 20 Uhr Eintritt RM 1.—