Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Volume
- XIII (1937)
- Issue
- 21 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 /1. II. 1937 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN Seite 3 zeigt die freundliche Gesinnung in dieser Beziehung. Die Ica (Jewish Colonisaticm Association) hat 40 Millionen Goldfrancs dort investiert, Schulen gegründet und besonders Familiensiedlung größten Stils vorbereitet. Die jüdische soziale Hilfsbereitschaft und Solidarität wurde überhaupt von dem Redner als eine der wertvollsten Grundtendenzen zur Erhaltung des Judentums lobend herausgestellt Es würde zn weit führen, Uber die ins Einzelne gehenden oft mit Humor gewürzten Betrachtungen Dr. Rosenbergs über die Bedingungen für Chile, Uruguay, Paraguay, Peru, Columbien, Ecuador, Australien, Kenya u. a. hier zu berichten. Die vom Hilfsverein herausgegebenen Korrespondenzhefte geben hierüber eingehende Auskunft. Tröstlicherweise war aus allem zu entnehmen, daBsichimmer neue Tore öffnen, wenn andere Tore der Einwanderung sich verschließen. Der als Provinzberater hochgeschätzte Landgerichtsdirektor Dr. Wachtel gab in seiner eindringlichen Art einen Überblick über die typischen Fehler der Auswanderer und schilderte die reichen Er fahrungen seiner Sprechstunden. Trotz aller zermürbenden Einzeleindrücke der Arbeit im Hilfsverein bleibe die Gewißheit: Israel wird nicht untergehen! Am Schluß des Abends dankte Rabbiner Dr. Wolf für die entworfenen Bilder und unterstrich, wie »jeder Jude Bürge für den andern" sein müsse, wie jeder einmal Gast des Hilfsvereins werden könne und deshalb auch jeder die Mitgliedschaft schon jetzt erwerben solle. E. B. Feierliche Eröffnung der „Jüdischen Winterhilfe" Die Israelitische Religionsgemeinde in Dresden eröffnete ihre Winterarbeit: die Durchführung der Sammlungen und die Betreu ung der Hilfsbedürftigen) mit einer feierlichen Kundgebung, bei der ein Präsidialmitglied der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Herr Rechtsanwalt Dr. Ludwig L. Seligsohn, abgeordnet war, um die Ansprache zu halten. Vorher spielte unsere Instrumentalgemeinschaft unter Leitung von Kapellmeister Walter Goldmann eine Ouvertüre von Teleman mit würdigem edelen Klangcharakter. Dann sprach für den Dresdner Vorstand Herr Dr. Walter Grün. Er ging von den Gebetsworten des Schlußfestes aus, daß der Winter herankommen möge zum Segen und nicht zum Fluche, zur Sättigung und nicht zum Hunger. Jüdische Pflicht verlange aber über schöne Worte und gute Gesinnung hinaus echte Nächstenliebe, die sich in wirklichen Opfern erweise, — und »Opfer" sei erst, was den Geber wirklich belastet und ihn schmerzt. Obwohl unsere Mitglieder das bereits befolgt hätten und die Zeiten für den Einzelnen schwerer geworden seien, müßten die früheren Leistungen noch erhöht werden Viele Einwände gälte es zu widerlegen: nur der erfüllt seine Pflicht, der Uberall mitwirkt und nicht unkontrollierbar vorgibt, etwas zu tun. Auch sollte man sich abgewöhnen, immer erst auf Aulforderungen und Briefe zu warten, sondern auch aus eigenem Antrieb seine Pflicht tun. Gerade heute, wo selbst früheres großes Vermögen und persönliche Tüchtigkeit nicht mehr schützen, sollte sich Jeder bereithalten. — Zur Stärkung der inneren seelischen Kräfte wolle auch die gebotene Feierstunde, umrahmt von Musik, beitragen, und die Reichs-Zentralstelle, wo alle Fäden zusammenlaufen, habe Herrn Seligsohn von der Präsidialvertretung beauftragt, mit seiner Rede den wertvollen Mittelpunkt unserer Kundgebung zu bilden. Der Redner begann mir den, Eingangsworten unseres Thora- Abschnitts »Lech l'cho" als tretendes Motto für unsere Situation und schilderte in aufrüttelnder Anschaulichkeit, wie aus der Zerreißung der Familien, aus dem Blick auf Not und Schande Verzweiflung entstehen könne, wenn nicht der denkende Mensch schließlich nüchtern die Sachlage zu betrachten sich aufraffe und dann zur Tat schreite. Not kenne doch ein Gebot, und die Fürsorge für Andere sei die beste Therapie für uns selbst. — Ein Rückblick auf die organisatorischen Arbeiten vor zwei Jahren, als plötzlich die Juden aus der Deutschen Winterhilfe ausgeschieden wurden, zeigte, daß gerade die Plötzlichkeit der Arbeit einen besonders starken Auftrieb gab; Aber auch im vergangenen Jahr SchreibmaSChinetl wie Erika,Conti,Ideal.OIympiausw. Rechenmaschinen, Farbbänder and Kohlepapiere bekannt u. preiswert Facbgeschift Sally Mayer, Walpurgisstr.9, Ruf 12045 X. B Auswanderer sollten nicht versäumen, eine KolferSChrcibmaSChinC minunehmen schallte man es trotz der Auswanderung, die zunächst die Begütertsten umfaßte. Unterstützt wurden im vergangenen Jahre noch 82818 Personen, gegen 83761 Personen im vorhergehenden Jahre mit RM 3630000.— gegen RM 3644 000.—. Mit größtem Interesse vernahm man die statistischen Erhebungen, die Verhältniszahl der Alleinstehenden,-der Geschlechter, die Einteilung der Spenden in Ucld und Waren, das Verhältnis der Aufbringung in den einzelnen Ländern zur Hilfeleistung, wobei auch der Ausgleichs- ' fonds in Aktion treten mußte, der im vergangenen Jahr 15 % betrug. Aber auch der Seelischtn Winterhilfe neben der materiellen wurde gedacht. Hierher gehört auch die Einzelbei reuung durch den Helfer, der mit kühlem Kopf und heißem Herz auch durch Zuspruch Hilfe bringt. Die 10366 Menscher, die als ehrenamtliche Mitarbeiter sammeln und verteilen, werden es auch trotz schrumpfender Decke schaffen, wenn sie sich mit unabänderlichem Willen „Chasak we emaz" zurulen und als Sammler sogar manches kalte, ausgebrannte Herz zur Pflirht ermahnen und vielleicht sogar als Mitstreiter gewinnen. Mit dem Ende der diesmaligen Haftara aus Jesaja: »Nicit lürchte dich, Würmchen Jaakow, Menschlein Jißrael...." beschloß der zu Herzen sprechende Redner seine wertvollen Ausführungen, in der Hoffnung, daß sich unsere jüdische Gemeinschaft bewähren und nicht unterließen werde in diesem nächtlichen Kampf, wenn sie vielleicht auch nicht unverletzt aus dem Ringen hervorgehen werde wie unser Stammvater Jakob. Mögen auch diejenigen Gemeindemitglieder, die der Festesstuhde im Henriette-Schie-Saal nicht beiwohnten,sich mit gleicher Hingebung in die Reihen derer einreihen, die »einen lebendigen schützenden Wall gegen die Not des Winters" bilden wollen. E. B. // Der Besitz des Armen ist sein Recht auf deine Hilfe" Midrasch zu Spr. Sal. 22, 22 QeH (äcäulüdiseJUc WiHteeUitfrl Der Oktoberbeitrag (jeweils 1 Prozent der Einkommensteuer 1936) ist überfällig. Damit In der Betreuung der Hilfsbedürftigen keine Stockung eintritt, wird umgehende Ueberwel; sung erbeten auf: Postscheckkonto Dresden 10288. Israelitische Religionsgemeinde Abt. Winterhilfe. Nächster Eintopfsonntag: 14.November Gebt reichlich Denkt daran, daß andere nicht zu essen haben. Den ehrenamtlichen Sammlern aber erleichtert ihre Arbeit, indem Ihr die Spenden bereithaltet! Wenn Ihr ausgeht, bevor der Sammler da war, übergebt Eure Spende, wenn möglich, einem jüdischen Hausbewohner. .Wer in den Listen der Eintopfspende fehlen sollte, wird gebeten, dies der Jüdischen Winterhilfe Abt. Haussammlung, Zeughausstr. 3, Erdgeschoß zu melden und seine Spende einstweilen zu übersenden. Zur nächsten Sammlung kommt dann der ehrenamtliche Helfer ins Haus. Hermann Haugk Nachf. ffifl^izyn Herren-Hüte - Herren-Moden Prager Straße 37 Herren-Wäsche