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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1937-07-24 · 15 (24.7.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
13 (1937)
Issue
15 (24.7.1937)
Date
1937-07-24
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15_GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN Seite 3 Fürdie Reise I ■■dieedilel Tiirkisch8 M ZIGARETTE J so unerschütterlich geglaubt, und nie war die Enttäuschung so bitterbrennend wie damals. Don Holland bis Italien, von Polen bis Deutschland, von Litauen bis zur Türkei ging die Botschaft: das Leid hat ein Ende.! War es eine Täuschung, eine Irreführung? Jedenfalls aber war es eine Enttäuschung und ein großer Irrtum. Sabbatai-Zwi trat zum Islam über, und die Iuden blieben starrenden Auges und ausgehöhlter Seele in ihrer Not zurück. Diese Gärung wirkte'noch bis «es ins T ».Jahrhundert hinein. j Aus der Tiefe. Jn'Okup an der podolisch-türikischen Grenze lebte um die Iahrhundertwende ein unbekannter Eliezer. Ihm wurde um -1700 ein Sohn geboren. Jude namens den er Israel nannte. Zwar weiß die Legende zu berichten, das! der Prophet Elisahu dem Vater die Geburt eines Sohnes ankündkgte, „der die Augen Israels erleuchten wird*; noch aber waren Vater und Sobn kn tiefstes Ounkek des ilnbekanntfeins gehüllt. Der Knabe besuchte das „Eheder*, die iüdiscbe Volksschule, machte aber dem Lehrer keine Treude. Er liebte es eber, sich in den westen, die Seele erfüllenden, still-rauschenden Wäldem außerbalb der Stadt zu ergehen, als in der enaen Stube ln den tiefen, den VerO^ind mübenden, kühl-wogenben Mastern des Talmud unterzutaucbep. Im Ebeder erzählte man von Gott, lebrte von ibm und seines barten Lebre. Im Walde erlauschte man ibn, erlebte man kbn und seine wunderbare Schöpfung. Dem Knaben war dies nicht bewußt, aber er fühlte es. Denn ein naturverbundenes, wälderweites Gemüt batte er. Im Walde konnte man sibwärmen, im Talmud mußte man denken. Sein Lehrer war unzufrieden und tpuüte mit Sicherbeit: Israel ben Eliezer wird keine Leucbte der Tbora werden und keinen „guten Namen* haben kn Israel. Er wird im tiefen Dunkel unbedeutender Eristenzen sein Leben fristen. Das Licht. In der dunklen Tiefe sozialer Lebensweise, und intestektueller Lehrweise wuchs der iunae Israel auf. Aber in der lichten Tiefe seiner Seele war es hest. Beruflich wurde er „Belker*, Helfer in einer Schule; er muß'e die sunaen Zöglinge vom Hause in die Schule und von da nach Hauke brinaen. Berufen aber ahnte er stch, Iünaer der Kabbalah, der mnstkschen Vistonenwelt. zu werben. Das geheime Licht glühender Gostestrunkenbeit leuchtete ibm aus verailbten pergamenten entaeaen. In einer Höhle, so weiß es dir chgsstdifche Nachricht, bändigte ihm ein aebei'mnksvoller Mann, Nabbi Adam, dke^ Schriften aus. „weil ste mit seiner Seelenwurzel zusammenbinaen*. Gott und Welt, Gott und Mensch, Mensch und Welt, Israel und Gott. Israel und die Völker, Israel und die Thora, Israel und Erez .Israel, Messtos und Israel, Messtas und die Geschichte - an all diese Traaenaharünde wurde man in diesen Kabbalabschristen herangeführt. Lichter blitzten leuchtend auf, und Irrlichter lachten lockend zu. Am Dande abaründkaer Klüfte war eine Verwechslung von Licht und Irrlicht todbringend. Kabbatai'Zwi widerfuhr so eine Vertauschung.. Das Nichts tat stch kn ihm auf und verschlang kbn. Er. der „falsche Messtas*. wußte: die geschaffne Welt ist voller göttlicher Tunken. Diese Tunken streben nach dem Ursprung zurück. Dem Menschen ist es gegeben und aufaegeben, an diesem Erlösunaswerk mktzuarbeiten. Er wußte: Israel ist von seinem heiligen Lande, wo seine Seele wurzelt, vertrieben. Es sehnt stch dahin zurück. Dem Iuden ist es gegeben und aufaegeben, an sekner'Erlösung zu arbeiten. Er wußte: Gottes heilige Tunken und sein Volk stnd unerlöst, asto ist auch Gott - unaussprechlkcherweise - unerlöst. Gott aber will - auch dies unbegreiflich daß der Mensch diese seine Erlösung berbekstibre. Er hat stch „abhängig* vom Menschen gemacht, üllso ist der Mensch mächtig genug, auf Gott und seinen Geschichtsplan Einfluß zu nehmen. Er, Sabbatai-Zwk. hielt die Zeit für gekommen und sich für ermächtigt, die Erlösung Israels zu vollbringen. Kläglich war sein Ende. Totowetlbewerb des Gemeindebloffes Erwünscht, iedoch nicht Bedingung, Hldfsdie Tfotive Wertvolle Preise! Letzter Eirilieferungßtermin: 15. August 1937., Um die Erlösung der in der Materie gefangenen göttlichen Tunken zu vollziehen, gingen Mystiker den Weg der Askese. Kasteiung, Tötung des Tleisches und der fleischlichen Äegkerden war ein Weg zur Lösung 'der Seele vom Körperlichen. Die Derneiiiung des Stoffes, seine Verdrängung befreit den Geist. Die Zeiten vor Baal-Schem-tow waren beherrscht von dieser asketischkabbalistischen Dichtung, besonders in Polen. Tolmudische Gesetzeshärte, verbunden mit asketischer Lebensweise, bewölkten den Himmel des südi'schen Ghetto, und Trübsal und Düsternis lasteten auf den Seelen. Keine Lebensfreude. Auch dies: das Desultat der Verwechslung von Licht und Irrlicht. Diese Gefahren drohten auch dem jungen Kabbalahjünger Israel. Erleuchtung. Er entrann ihr. Ihm kam - aus seinem Seeleninnern - die Erleuchtung. Dann bestand seine Größe. Er rang mit dem Enael und überwand ihn. Er rang mit ihm in der Abgeschiedenheit der galizischeir Karpathenwälder. Dorthin war er gewandert, heiratete die Tochter eines Gelehrten, wurde aber, da er kein zünftiger Talmudist und daher nicht „gesellschaftsfähig* war, von seinem Schwager, einem angesehenen Dabbiner, in ein Dorf geschickt und lebte dort von schwerer Arbeit. Ieden Tag fuhren sie Lehm in die Stadt und ernährten sich davon. Materiell kümmerlich. Geistig aber war die Waldeinsamkeit, die Naturnähe, die Nachbarschaft von Tier und Pflanze der Besinnlichkeit und seelischen Bereicherung sehr günstig. Dort in den Wäldern reifte er heran, dort wuchs in ihm nicht etwa die neue Lehre, sondern die Erneuerung der Lehre zu voller Blüte heran. Er wurde allmählich reif für seine „Offenbarung*. Tortsehung in nächster Rümmer. Sommer-Sthlufi-Uerkauf 26. Juli — 7. August Kleider Mäntel Costüme ' Blusen Wäsche Strümpfe Pullover Hüte Seiden- und Wollstoffe Dresden AI Prager StraBe 6-8 «

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