Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 14 (15.7.1937)
- Date
- 1937-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN Nr. U Beachten Sie unsere Werbeankündigungen für die Spielzeit 1937/38 in den nächsten beiden Nummern dieses DRESDEN Blattes! Bisherige Mitglieder bedürfen keiner neuen Meldung, bleiben vielmehr Vereinsmitglieder (sofern sie nicht ihren Willen auszuscheiden bis zum Schluß des Vereinsjahrs: 31. August dem Kulturbund schriftlich angezeigt haben) und haben lediglich die Verlängerungsgebühr von RM 2.— für die neue Spielzeit zu entrichten. Da die Lichtbildausweise gültig gestempelt werden müssen, wird zur Vermeidung von Andrang gebeten, die Ausweise schon jetzt unter Beiftigung von RM 2.— in Briefmarken (Jugendliche usw. wie bisher RM 0.50) an das Kulturbundbüro, Zeughausstr. I zum Abstempeln einzusenden. beherrschende Einswerdung von Volk und Gesetz ist durch die Emanzipation zerstört worden. Eine neue Zusammenfügung aber ist angebrochen. III. Der Aufbau Palästinas oder die unbewußte Umkehr Diese neue Zusammenfügung des Zusammengehörigen vollzieht sich eben jetzt vor unseren Augen im Aufbau Palästinas. Hat die Assimilation die erste wiedergewonnene Einheit (Volk und Gesetz) zerstört, so hat ihre Reaktion in der Palästinabewegung die Wurzeln zu einer neuen Einswerdung, der von Volk und Land, gelegt. Aber diese neue Einswerdung ist eine unbewußte. War die erste, die des Mittelalters, eine unter den Aspekten der Weltzeitlichkeit gedachte, so ist die heutige Einswerdung oft nur das Produkt nationalistischer oder gar rein-wirtschaftlicher Tendenzen. Aber wie immer auch die Einzelnen ihre Tat motivieren mögen — die Einswerdung wird von Tag zu Tag mehr Realität. An uns aber ist es nun, die unbewußte Umkehr zu einer, bewußten zu wenden, die leibliche in eine geistige, um eine Umkehr, die bei den Umkehrenden selbst oft nur als etwas Räumliches (Geographisches) empfunden wurde, zur jüdischen Umkehr (Teschuwah) werden zu lassen. Nicht trauern allein um das Gewesene ist der Sinn des Tischa Beaw: auf jeden 9. Aw folgt ein „Sabbath der Tröstung*. Die Worte des Propheten, die diesem Sabbath seinen Namen geben „Nachamu Nachamu Ami.. .*, „Tröstet, tröstet mein Volk“ (Jes. 40,1) sei der kategorische Imperativ unseres Lebens. Denn das Volk bedarf des Trostes (bewußt oder unbewußt). Und was ist sein Trost? Das Herausgeführtwerden aus der Pathologie seiner Existenzform und damit die Annäherung an die gottgewollte Dreiheit der Idee Israels. Im Herbst nach Palästina Billige Gesellschaftsreise am 22. September ab Dresden Wegen Einzelheiten und wegen Beschaffung der Kreditbriefe wenden Sie sieh schon jetzt an Reisebüro Dr. Hurwitz Gabelsbergerstraße 25 / Fernsprecher 62598 Fotowetlbewerb des Gemeindeblattes Erwünscht, jedoch nicht Bedingung, Jfidisdte Motive Wertvolle Preise! Teilnahmebedingungen vergl. Gemeindeblatt vom 15. Juni 1937, das auf Wunsch auch noch nachgeliefert wird. Letzter Einlieferungstermin: 15.August 1937. Amtlidie Bekamttmadnmqen Erneuerung der Janresplätze in der Synagoge Den Jahresplatzinhabern der Synagoge werden die bisherigen Plätze reserviert, sofern sie ihre Erneuerungsabsicht in der Zeit vom 25. Juli bis 10. August 1937 dem Gemeindeamt schriftlich bekanntgeben bzw. den Mietbetrag einzahlen. Bei Einzahlung auf Postscheckkonto (10288) oder Bankkonto (8. Mattersdorff oder Dresdner Bank Abtig. Waisenhausstr.) werden die Karlen Anfang August zugesandt, Nach dem 10. August behält sich die Gemeindeverwaltung vor, über nichtemeuerte Karten anderweitig zu verfügen.. _•- Nächste Sprechstunde des Herrn Landgerichtsdirektor i. R. Dr. Wachtel vom Hilfsverein: Mittwoch, den 21. Juli 1937, 8*/* Uhr bis 13 Uhr. Personalien Herr Rabbiner Prof. Dr. Winter konnte am 30. Juni 1937 im engsten. Familienkreise seinen 80. Geburtstag begehen. Mit Rücksicht auf die Feiern anläßlich des 50jährigen Amtsjubiläums im Herbst des vorigen Jahres hat der Jubilar alle äußeren Ehrungen zum 80. Geburtstag dankend abgelehnt. Seinem ausdrücklichen Wunsch zufolge durfte des Tages auch im Gemeindeblatt nicht gedacht werden. Wenige Tage später ist unser verehrter Altrabbiner durch das Hinsctteiden einer Tochter, der in allen Kreisen der Gemeinde hochgeschätzten Frau Elly Kornblum, in tiefe Trauer versetzt worden. Wenn Herr Prof. Dr. Winter auch bei diesem schmerzlichen Anlaß wiederum äußere Teilnahmebekundungen nicht wünscht, so darf er doch das Bewußtsein haben, daß die ganze jüdische Gemeinde Dresdens, der er sein Lebenswerk gewidmet hat, an allen Ereignissen ihres Rabbinerhauses herzlichen. Anteil nimmt. 75. Geburtstag? Frau Emma Markus, Eliasstraße 24 (Henriettenstift), konnte am 3. Juli in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit ihren 75. Geburtstag begehen. Wir gratulieren nachträglich herzlichst. Sterbefall: 5. Juli 1937: Frau Elly Korn bl um geb. Winter, Wiesenstraße 8. Ein „Offenes Sinken44 in der Dresdner Gemeinde Man hatte schon viel davon gehört, wie der Musikpädagoge Karl Adler, der Direktor des Stuttgarter Konversatoriums war und bereits dort neben den üblichen künstlerischen Fächern die Volksmusik pflegte, — wie er Jung und Alt bei sogenannten „Offenen Singen“ zu einer echten Gemeinsamkeit zusammenführen könne. Da Direktor Adler heute Musikdezernent der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland ist, so wird sein großes Musikerziehertalent zu einem besonderen Vorteil für die Musikbewegung in unseren Gemeinden werden. Es war deshalb sehr zu begrüßen, daß auch Dresden nunmehr Karl Adler hergebeten hatte. — Nach dem schönen Erfolge, den unsere Chor- und Instrumentalgcmeinschaft jüngst mit der Aufführung von Hugo Adlers „Balak und Bilam“ hatte, wobei sich auch die Zuhörer stark kunstinteressiert zeigten, war es recht, das’ Eisen zu schmieden solang es noch heiß ist. Und Direktor Adler zeigte in einer gemeinschaftlichen Probe dieser Chor- und Instrumentalgemeinschaft (am Sonntag, den 27. Juni, vormittags y% 10 Uhr im Heinrich-Arnhold-Saal), mit welchem unerschöpflichen Leben er den Kreis künstlerisch anzuregen wußte. Wie er dabei Konzentration, Einordnung, Werktreue zu erziehen unternimmt, wie er das „Hören* belebt, wie er immer wieder auf die Beherrschung der handwerklichen Instrumente beim Musizieren hinweist, wie er zu liebevollem Klangbilden hinführt und vor allem die ganze Persönlichkeit zu einem elastischen Bereit-Sein (besonders auch im Orchester durch die verschiedensten pädagogischen Mittel) auflockert, - das waren wirklich Stunden harmonischer Bereicherung. Schwerer war es am vorhergehenden Nachmittag (im Hofe vor dem Heinrich-Arnhold-Saal), mit Kindern und Jugendlichen einen Sing-Kreis zu bilden. Hier zeigte sich, wieviel Undiszipliniertheit, Schlaffheit, vielleicht auch Nervosität noch überwunden werden muß, ehe eine wirklich gute Leistung im Singen zu erzielen sein wird. Wieviel aber schon mag diese erste offene Singestunde Direktor Adlers dazu beigetragen haben, die eigene Haltung beurteilen zu können und vielleicht schon zu einer musischeren Gesinnung gekommen zu sein! „ Von großem Wert wird es natürlich besonders für unsere Jugendbünde werden, sich die großen Lebens- und Gemeinschaftswerte des Singens anzueignen, wie sie dureh die musikpädagogische Art Direktor Adlers erweckt werden können. Eva Büttner