Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 10 (15.5.1937)
- Date
- 1937-05-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Gemeindeblatt dtr Israelitische» Neltgtonlgemeiude Dresden Nc. W Menschlich« Weisheit und Erkenntnis, wahre menschliche Frömmigkeit beugt sich daher vor der Allmacht und Weisheit des EchöpferS, die daS Weltall inS Dasein gerufen und im ewigen Kreislauf der ihm innewohnenden Kräfte eS erhält, mit der Erkenntnis: Er ist (JHWH) der Ewigseiende, seine Gedanken und seine Wege sind nicht die unseren; sie können mit menschlichem Maße nicht gemessen, mit dem Auge deS Sterblichen nicht erschaut noch ergründet werden. Wieder, wie so oft schon in unserer Geschichte, ist eine Zeit harter Not über die Iuden in mehreren Ländern,'in denen sie leben, gekommen. Vielleicht gibt eS auch in der Gegenwart nicht wenige unter uns, die kleinmütig fragen:l^>mat> hareotah - warum läßt Du, o Gott, unS also leiben? Aber lernen wir auS der Geschichte, besonders auS den Erzählungen von der Äefreiung und Offenbarung. »Ihr habt gesehen, was ich an Ägypten getan, und wie ich Euch wie auf Adlersflügeln getragen habe!*, wird dem Volke vor der Offenbarung am Sinai zugerufen. Za, auf Adlers,iügeln hat die göttliche Vorsehung uns durch die Geschichte Boden id TceiUeil! Denken Sie daran, wenn unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter Sie um eine Spende für Boden in Erez Israel bitten. Tausende junger Menschen warten auf Ansiedlungen in Erez Israel. Ihre Spende schafft die Grundlage tur die TceiUeit ümcccc fiUtdec! getragen, und wenn auch noch so schwere Leiden und Verfolgungen während der Jahrhunderte und Jahrtausende unS heimgesucht haben Israel lebt und besteht. Ewig unser Gott, ewig wir, Israel, sein Volk, daS ist der Gedanke der Zuversicht, den auch daS Fest der Offenbarung gar eindringlich uns kündet. Die jüdische Presse Am 2. Mai 1837 erschien die erste Nummer der »Allgemeinen Zeitung des Iudentums*. Oer jugendliche Ludwig Philippson, damals wenig mehr als 24 Iahre alt, hat mit dieser seiner Zeitungsgründung bahnbrechend gewirkt,- sie kann geradezu als die Grundsteinlegung 'für die jüdische Presse bezeichnet werden. Es hat schon zuvor jüdische Zeitschriften gegeben. Als älteste ist die seit 1667 in Amsterdam erschienene »Zeitung aus India* zu nennen, in jiddischer Sprach« mit hebräischen Lettern. Auch Moses Mendelssohn begründete 1750 in Verlin eine Zeitung: »Koheleth Mussar* (Sittenprediger); sie erlebte jedoch nur zwei Nummern. Erstes jüdisches Äachn'chtenblatt war dann die »Oyhernfurther Privileg irrte Zeitung* (1771-72), in deusscher Sprache mit jüdisch-deusschen Lettem. Vornehmlich den Vildunsbestrebungen des ausgehenden 18. Iahrhunderts diente das von Mendelssohn - Schülern geschaffen« Organ »Hameassef* (1784 - l8ll),vorwiegend in hebräischer Sprache, aber doch schon mit einem in deusschen Lettem gedmckten deusschen Teil »Sulamith*. Oie »Allgemeine Zeitung des Iudentums* war die erste in deutscher Sprache esscheinende Zeitung, die diesen Namen mit Recht ttug und chre Zweckbestimmung erfüllte, wie sie im Zeitungskopf grkmnzeichnet war: »Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse in Betreff von polittk, Religion, Literatur, Geschichte, Sprachkunde und Belletristik*. Sie wurde in der Tat eine Plattform zur Aussprache in allen jüdischen Angelegenheiten, unter Zusammenfassung von Mitarbeitem aus allen Ländem. Durch sie wurde ein Kontatt zwischen den verschiedenen jüdischen Gruppen und Richtungen hergestellt; Otthodoxe und Liberale, Rabbiner, Lehrer, Gemeindevorsteher kämm in Referaten, Meinungen, Entschließungen zu Wort. Selbst an dem Worte »unparteiisch* braucht man - für die Zeit, in der Philippson die Zeitung leitete - nicht ohne weiteres Anstoß zu nehmm: persönlich liberal brachte er in der Tat auch gegnerische Äußemngen, wenn er auch nicht unterließ, in Anmerkungen seine abweichenden Ansichten auszusprechen. Was ihn selbst bei seiner joumalistijchen Arbeit leitete, hat er in dem Aufsah am Schluffe des 25. Iahrgangs skizziert: »... war es uns niemals darum zu tun, bloß zu redigieren und dem Publikum ein gedmcttes Blatt mehr vorzulegen - vielmehr stellten wir es uns stets zur Aufgabe, nach außen und innen prakttsch wirssam zu sein, wesentliche s. MAU ERSDORF? GEGRÜNDET PRIVATBANKHAUS 18 4 9 SEESTRASSE 14 RUF 25955 Verbesserungen in den äußeren und inneren Zuständen und Verhältnissen hemorzurufen oder doch zu fördern, .... durch Wecken der Energie und des Gemeingeistes aus jener Wen Ouldesschaft ... und jener Zersplitterung herauszuschaffen, in welcher jede Gemeinsamkeit des Handelns fehlte und nur örtlich die Gemeinden für sich wirksam waren*. Oie wesentliche Aufgabe der Presse, Sprachrohr zu sein, ein Spiegelbild des Lebens in die Öffentlichkeit zu stellen, und in Auswirkung dessen Denken und Tun anzuregen, ihm bestimmte und bestimmende Gedanken nahezubringen, die Gesamtheit zu formen, ihr Aufgaben zu stellen und sie über deren Fottgang zu unterrichten, trat Philippson mit seiner »Allg. Ztg. d. Iudent.* als erster auf das jüdische Leben übertragen und damit den Anstoß zu der Entfaltung gegeben, die zu einer heute weit ausgedehnten jüdischen Presse geführt hat. Vis in die jüngste Zeit hinein, in der die »Iüdische Rundschau*, die »E.-V.-Z«itung*, auch das »Israelitische Familienblatt* und einige andere Zeitungen diesen Rahmen gesprengt habm, sind jüdische Zeisschriften - abgesehen von der Wiffenschast, der Kunst oder anderen besonderen Gebieten bestimmten - dem Vorbild der »Allg. Ztg. d. Iudent.* in ihrem äußeren -und innneren Aufbau, im Format wie in der Anordnung ihrer Spatten gefolgt. Aber es ist ihnen nicht gelungen, die eingeschlagene Linie mit gleicher Festigkeit und dem gleichen »Mut einer Überzeugung*, dessen Ludwig Philippson sich rühmen durfte, zu verfolgen. Darum haben sie nicht vermocht, diese älteste jüdische Zeitung zu verdrängen, haben sie immer nur eine Lebensdauer von einem oder andetthalb Iahrzehnten erreicht. Auch heute noch ist der Name der »Allg. Ztg. d. Iudent.* nicht verschwunden, wenn er auch nur noch als Untertitel der »E.-D.-Zeitung* sichtbar ist. Es ist bemerkenswert, daß von den heute in Deutschland erscheinenden rund 100 Organen der jüdischen Presse außer der »Allg. Ztg. d. Iudent.* nur vier ein Sründungsjahr aus dem IS. Iahrhundert nennen können: Oie »Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Iudentums* (seit 1851); der »Israelit' (seit 1860); die „Deutsch-Israelitische Zeitung* (seit 1884); die »Zübifche Rundschau* (seit 1846). Eine Geschichte der jüdischen Presse in Deutschland wie auch in ihrem ganzen Zusammenhang ist noch nicht geschrieben. (Sie ist im »Iüdischen Lexikon* skizziert, konnte aber im Rahmen etneS solchen Handbuchs nur eben eine Übersicht geben). Sie muß einmal gearbeitet werden, um zu zeigen, welche Wandlungen deS jüdischen Lebens ihr Gesicht umgeformt haben, und wiederum, tnwieweü solche Wandlungen ihrem Einfluß zuzuschreiben sind. c _ Ich sudte laufend Gelder für Beteiligung in Industrie und Handel, zum Teil gegen hypothekarisdie Sidierheiten bei günstiger Verzinsung und angemessenem Gewinnanteil. Zusdiriften an Wirtschaftsberater Dr. Hans-Dietrich Pohly Dresden A 24, Semperstrafie 4 — Fernsprecher 18 693