Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 8 (15.4.1937)
- Date
- 1937-04-15
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Gemeindeblatt der Israelitische» Neliziondgemeinde Dresden Seit« » Oie Chorproben zu ,3a(af und Bilam" finden auch weiter jeden Montag, 20 Llhr, im Heinrich-Arn» hold'Saale Zeughauostr. 1, Gartenhaus, statt. Sofortiger Tleueinttitt noch möglich. Hermann Haugk Nachf. M^ftreizyn Herren - Hüte - Herren-Moden Prager Straße 37 Herren-Wäsche Jüdischer Kulturbund Dresden Tanja Ury-Zunser (Klavier) und Myriam Zunser (33io- ((ne) gaben im ersten Teil ihres Konzertes edele Kammermusik von Händel und Beethoven: emst und doch phaniasievoll, dazu mit feingeschliffener letzter technischer Vollendung. Tanja Ury, die in ihren letzten Konzerten in Amsterdam und in Den Haag wiederum alS eine außergewöhnliche Pianistin von großem Format gefeiert wurde, erfüllte mtt der Ehopinjchen Fansasie F-Moll die hochgespannten Erwartungen. Nach dieser siarkbewegten Wiedergabe zeigte sie in Ehopinschen Walzern, Etüden und der bekannten OeS-Our Berceuse ihren Ginn für zarte Lyrik und Grazie. In der Burleske »Oer Jongleur* deS begabten modernen jüdischen Komponisten Ernst Toch brachte sie mit überlegenster technischer Beherrschung daS famoS konzipierte Eharaktersiüsk so suggestiv zur Geltung, daß eS stürmisch da capo verlangt wurde. In den Ungarischen Tänzen von BrahmS-Ioachim zeigte Myriam Zunser - ehemalige Schülerin von Professor Flesch und Adolf Busch - Melancholie und Temperament gleichermaßen sowie ihren vornehmen Ton und die Sicherheit ihrer »Hohen Schulet E B. Dela Lipinskaja ES ist schier unmöglich, über diese berühmte Frau und Künstlerin etwaS NeueS zu fagen^ Wir wollen nur immer wieder dankbar konstatieren, baß sie in der einzigartigen Verschmelznng ihrer scharmanten Weiblichkeit mit bedeutenden Kunstleistunge» auf verschiedenen Gebieten unS Stunden heiteren Genusses, interessanten Amüsements und auch wieder höchst persönlicher künstlerischer Anregung schenkt. Mit unermüdlicher Vitalität und einer sehr intelligenten Überlegenheit weiß sie an einem Abend Stimmung und Form ihrer Darbietungen zu wechseln. Diesmal lag daS Schwergewicht in jenen Nummern, in welchen sie zugleich schauspielerisch in stilisierten Kostümen und MaSken ihre Kunst zeigte, so: daS Duett in einer Person zwischen Französin und Nüssen, bann die Filmparodie auf Klein-Shirley und vor allem die Szene deS Ehafsidim-Bochur, wie er daS altbekannte Fragelied von der Ssiuda deS Maschiach singt und alS daS Allerbeste: die Ehaffene-Schilderung auS dem Osten! Besondere Freude bereitet eS immer auch, die früheren Kabinettflückchen — ost noch verfeinert - wiederzuhören,- dazu gehören daS reizende »Oie Prinzessin auf der Erbse* oder »Oie Kosaken im Vorüberziehen*, - zugleich eine bewundernswerte Bravourleistung der Pianistin, als die seinem on-dit zufolge) Dela Lipinskaja ihre Künstierlaufbahn begonnen haben soll. Wenn sie sich nicht selbst begleitete, tat daS mit vollstem Eingehen auf ihr kapriziöses Wesen Walter Lajtai, der auch mit einer Anzahl - gefälliger moderner Tanzkompositionen sich lebhaften Beifall erspielte. E. B. Lieder» und Ar1en»Abenvon Paula Salomon (Lindberg) Eines der schönsten Konzerte der an künstlerischen Darbietungen auch dieS Jahr wieder reichen Dresdner Saison war der Abend von Paula Lindberg-Salomon, der am 7. April im Henriette-Schie- Saal stattfand. Trotz der Änderungen enthielt daS Programm doch eine Fülle deS Wertvollen und vielseitig Interessierenden. Zuerst sang di« in der vordersten Neihe der Oratoriensängerinnen schon Habt meine Geschäftsräume verlegt nach Lüllidiaustr. 12, Erdg. I | | J. 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Willi Aron, der sich in Berlin durch die erfolgreichen Darbietungen seines Opern-StudioS (zuletzt mit »Oie vier Grobiane* von Wolf-Ferrari) einen Namen gemacht hat, zeigte als Begleiter am Flügel eine kapellmeiflerliche Art zu gliedern und auch die Instrumente im Klavierpart anzudeuten. -Don den zehn jüdischen Gesängen und bearbeiteten Volksliedern trug Paula Lindberg mit besonderer Inbrunst daS »Iiheju lerozaun imre phi* auS der viel gelobten und viel umstrittenen Freitagabend-Liturgie deS amerikanisch-jüdischen Komponisten I. Weinberg vor, daS bei der Wiederholung ebenso eindringlich und tief empfunden wirkte. Auch in dem leidenschaftlichen »Lied an Gott* von M. Kowalski (Frankfurt a. M.) wahrte die Sängerin die Grenzen eines maßvollen und deshalb umso nachwirkenderen DortragS. Oie Volkslieder wird Wan selten mit so vollendeter Kunst singen hörenumsomehr fällt bei so makelloser Wiedergabe mancher Mangel in den kompositorischen Bearbeitungen auf, deren ost gesuchte Einfachheit (wie in „Die Wäscherin* von G. Fromm) immerhin sympathischer wirkt wie etwa die peinlich mißklangreiche Begleitung Alfred GuttmannS zu »Ieruscholajim*. K. B. Jtabb. Or. Rußbaum (Berlin) über „Boden ist Sicherheit". In der Großen Synagoge hielt auf Einladung der Dresdner Zionistischen Ortsgruppe Nabbincr Dr. Max Nufibaum ein groß angelegtes Neferat. Besonders wertvoll war die selten angeschlagene psychologische Note, mit der er daS Gefühl der »Jüdischen Unsicherheit*, die tiefe religiöse, psychologische und politische Ursachen habe, erklärte. Er griff dabei aus Martin BuberS genialen Gedanken zurück, daß daS jüdische Volk einen „Dialog* zwischen Gott und Mensch entdeckt und diese religiöse Idee deS Dialoges der Welt geschenkt habe. Durch diese Frage- und Antwort-Stellung konnte jedoch auch ein UnflcherhcitSgesühl entstehen, weil gerade der sehr verantwortungsbewußte Jude sich nie ganz sicher fühlte, seinem Gott die richtige Antwort gegeben zu haben. Oie politische Unsicherheit enstand naturgemäß auS der Tragik deS Objekt-SeinS, dem Antichambrieren und unter fremder unfreundlicher Kontrolle- Stehen. Oie psychische Unsicherheit ist schließlich eine Folge jenes ironischen Lächelns, mit dem man unsere Geschenke an die Welt nicht ernst nimmt. Der Nedner zeigte nunmehr an geschichtlichen Bewegungen, wie sich daS Judentum dieser Unsicherheit zu entledigen suchte. Ho ging er vor allem auf die Messianische Bewegung ein; denn die Erscheinung eines Erlösers hätte die religiöse Sicherheit deS verstandenen Dialoges zwischen Gott. und Mensch erwiesen und hätte politische und psychische Unsicherheit beseitigt, Mein Schreibmaschinengeschäft befindet sich jetzt Walpurgisstraße 9, 1. Stock Sally Mayer Telefon 12045 Erlka( Conti, Ideal und andere Systeme *