Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 8 (15.4.1937)
- Date
- 1937-04-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Itr. 8 C8em«t»lelIaU te« Israelitische» Nelt,io,»,«mei»h« Steiio §«11« r S. MATTERSDORFF GEGRÜNDET PRI VATB AN KH AUS 18 4 9 SEESTRASSE 14 RUF 25955 gegangen aus der Befolgung dieses religiösen Gesetzes und kn der Auswirkung der Symbolik, die das Gesetz erzeugt hat. Oie Speisegesehe bilden nur einen kleinen Teil jener 366 Gebote und Verbote, deren Ginn und Absicht es ist, das tägliche Leben zu heiligen und jede, auch die geringste Tätigkeit des Menschen sinnvoll zu ver> knüpfen mit dem Mysterium des Weltgeschehens. Daß hierbei die Ernährung des Menschen eine wesentliche Beachtung findet, ist selbstverständlich, wenn man bedenkt, welch ungeheure Einwirkung die Art der Speisen und Getränke auf die körperliche und damit gleichzeitig auf die seelische Verfassung des Menschen ausübt. So hat die Thora in ihren Epeisegesehen und in den Vorschriften über die Feier der Festtage Richtlinien gegeben, die dazu geführt haben, den Tisch deS jüdischen Hauses mit ähnlichen, überall bekannten Gerichten zu besehen, von denen die wesentlichen in ihrem Zusammenhang mit dem Schrifttum in diesem, der jüdischen Hausfrau gewidmeten Buch, verzeichnet werden sollen. Dies geschieht wohl am überflchtlichsten iy Anlehnung an die Sabbate und Feiertage. Oie Hauptmahlzeiten an diesen Tagen erhalten ihre besondere Weihe durch den Kiddusch, der sie eröffnet. Zu diesem Segensspruch über Wein und Brot werden zwei eigens hierzu gebackene Weißbrote verwendet, Berches, Oatscher, erhalle oder Striezel genannt. Oie beiden ersten Bezeichnungen haben vermutlich ihren Ursprung in dem oft auf den Sabbat angewandten VerS aus Mischleh (Sprüche Salomo) „birkath Haschem taäschir", „der Segen Gottes macht reicht. Oa es Pflicht jeder jüdischen Hausfrau ist, von dem Teig der Gabbatbrote einen kleinen Teil als Symbol des Opfers ins Feuer zu werfen und diese Teighebe Ehallah genannt wird, erklärt es sich sicher leicht, daß man das ganze Gebäck so benannte. Zeder Jude fühlt sich in der Fremde zu Hause, wenn er auf dem Freitagabendtisch die beiden mohnbestreuten, geflochtenen Brote erblickt, auch zu Hochzeiten und Brithmilohs bäckt man Berches, doch wird dem Teig dann etwas £>( und Zucker zugeseht, so daß die köstlichen mürben Oatscher entstehen. - Zn den Semlroths am Freitagabend heißt es: »Fleisch, Wein und Fisch lasset nicht bei den Genüssen fehlen, vor wem fle alle drei stehen, verdient besonderen Lohn." Oer Fisch war bei den Zuden stets ein besonders beliebtes und geschätztes Gericht, nicht etwa nur, weil er gut zubereitet besonders pikant und dem jüdischen Geschmack entsprechend ist, vielmehr wurde er selbst unendlich fruchtbar als Symbol der Fruchtbarkeit betrachtet, ein Faktor, der ihn der jüdischen Volksernährung früherer Zeiten als Symbol besonders wert machte. Man bereitete als besonders leckere Freitagabendspeise den berühmten, sauersüßen, polnischen Karpfen und den gefüllten Hecht, ferner alle Fischarten, wie es die Gegend oder die Zahreszeit oder der Geldbeutel des Hausherrn erlaubte. So unerläßlich aber ist das Fischgericht, daß nach dem Sprichwort »bamokoom ein lsch ist Hering auch ein Fisch" auch diese, dem einfachsten Haushalt zu Gebote stehende Fischspeise als genügend bezeichnet wird. Oabei darf selbstredend, wie schon erwähnt, bei einer richtigen Schabbosmahlzeit ein Fleischgang nicht fehlen, ursprünglich wohl hauptsächlich in Erinnerung an die Opfer. Außerdem aber empfanden die Zuden, wie fast alle Völker, fleischlose Kost als asketische Faflenspeise, die dem Begriff des Festmahles widerspricht. Öles kommt deutlich zum Ausdruck in dem Brauch, die Trauer um die Zerstörung des Tempels zu bokumenttererr durch Verzicht auf Fleischspeisen und Beschränkung auf milchige Kost in den neun Tagen, die dem Ttschohbeab vorangehen. Eier werden am Schabbos nicht gegessen, weil es Sitte ist, den Trauernden ein Ei zu reichen. Und am Schabbos soll jede Trauer von uns fem bleiben. Auch Linsen sind aus dem gleichen Grunde am Schabbos verpönt. Ein anderes, wett bekanntes, ja sogar besungenes Gakbatgericht, derSchalet oder Schalent, verdanft seine beinahe obligate Anwesenheit beim Sabbatmahl nicht etwa auch der Symbolik, er ist vielmehr von tüchtigen, -jüdischen Hausfrauen erfunden wordett, um die Mahlzeit mit einem »varmen Gericht zu schmücken, dessen Herstellung nicht gegen das Verbot, am Schabbos frisch zu kochen oder zu »oärmen, verstößt. Denn der Schalet, ebenso wie die gesetzten Bohnen oder Grünkem werden am Freitagabend ln den Schabbosofen gestellt und verdanken gerade der Tatsache, daß sie darin langsam und gleichmäßig bis zum Gamstagmittag schmoren, ihren Wohlgeschmack. Bei der Aufzählung all der schönen, zum Teil recht kostspieligen Gen'chte, dle als zur Feiertagsweihe unerläßlich bezeichnet werden, könnte man leicht auf den Gedanken kommen, das Zudentum habe hier nur der Reichen gedacht und den Unbemittelten so von dem erschöpfenden Genuß der Feiertage ausgeschlossz^ Dem ist aber nicht so, denn gerade hier ossenbart sich die soziale Fürsorge und erzieherische Absicht der jüdischen Religion. »Wen es hungert, der komme und esse, wer ln Rot ist, komme und feiere das pessachfest mit uns." Dieser Sah, der den Sederabenb eröffnet, ist nicht nur für dieses Fest gedacht, er gilt für jeden Tag des Zahres. v Am pessachfest allein aber gilt, der Sah: »Sieben Tage soll ungesäuertes Brot gegessen werden." Dieses Gebot bedingt natürlich in seiner Befolgung für die Festwoche eine Umwälzung in der Küche, und ihm verdanken wir denn auch eine Reihe der bekanntesten Rattonalgerichte. Müssen doch viele Zutaten, die leicht säuern, wie Mehl, Hülsenfrüchte, kurz alles Ehomez, entbehrt und als Ersah dafür Gen'chte aus Mazzoh hergesiellt werden. Zur Suppeneinlage bienen die beliebten Mazzenklößchen, und ein Teig aus geweichten Mazzen, mit Eiern, Zucker und Gewürzen vermengt, wird zu Krimseln, Schalet und Kugel verarbeitet. Gerne knappert man zum Vesper mit einem Guß von Zucker und Mandeln überzogene und gebackene Mazzen. Es heißt im Vollsmunde: das schönste Fest ist Schewuosdenn da kann man essen wann man will (im Gegensatz zu Rosch-haschonoh), was man will (im Gegensatz zu Peffach) und wo man wlll (im Gegensatz zu Sukkoth). Trotzdem bestehen auch für dieses Fest einige spezielle gastronomische Gebräuche. Ganz gegen die sonsttge Regel gibt es milchige Hauptmahlzeiten, zu denen besondere Kuchen mit viel Milch oder Käse backen werden. Wahrscheinlich war dies an den heißen Gommertagen, an denen die Mahlzeiten früh am Morgen nach dem Gottesdienst oder spät am Abend nach Rächt eingenommen wurden, bekömmlicher. Doch motiviert die jüdische Überlieferung den Gebrauch von Milchspeisen mit allerhand Gründen, u. a. damit, baß am Tage der Gesetzgebung die Vorschriften über den Fleischgenuß noch nicht genügend bekannt waren Und man deshalb, um sein Gewissen zu beruhigen, zu Milchspeisen griff. Das Wünschen und Hoffen für das kommende Zahr drückt sich ln der sinnigen Wahl einiger Speisen für das Roschhaschonohfest aus. So pflegt man einen süßen Apfel ln Honig getaucht zu essen mit dem Wunsch, daß uns ein süßes Zahr beschieden sein möge. Deshalb auch zieren an diesem Fest hauptsächlich süße Speisen den Tisch, während mit Essig zubereitete vermieden werden. lForssetzung und Schluß In nächster Rümmer). füc das fcüUjaUc pccüstci — die Maßschneiderei für den Herrn und für die Dämel F. RÜBEN « SCHNEIDERMEISTER Grunaer Straße 10 am Plrnaischen Platz - Fernruf 28 582 Modernste u. sauberste AusfOhrung aller einschlägigen Arbeiten