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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1937-04-15 · 8 (15.4.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
13 (1937)
Issue
8 (15.4.1937)
Date
1937-04-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Gemeindeblatt bet Israelitische» Neltgiontgemetnde Kreiden Nr. 6 Badet* ist TceiUeii! Denken Sie daran, wenn unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter Sie um eine Spende für Boden in Erez Israel bitten. t Tausende junger Menschen warten auf Ansiedlungen in in Erez Israel. Ihre Spende schafft die Grundlage für die TceiUed üttsecee Uittdec! kamen Menschen ins Land, die mit ihrer Zionsliebe starke religiöse Impulse verbanden. Diese Menschen fühlten die Verpflichtung, das Veste, was sie an jüdischen Werten mitgebracht hatten, dem Aufbau des Landes einzufügen. Wie Vieles in der Entwicklung des westeuropäischen Judentums verkrümmt sein mag, das Eine kann es der Entwicklung Palästinas geben: Das Wissen um die Mög< lichkeit einer Synthese zwischen Religion und Leben, zwischen Überlieferung und modernem Weltgefühl. Aus mehrfachen Gründen war es ein Wagnis, ein solches Werk zu schaffen. Es lag die Befürchtung nahe, einen Ableger des jüdischen Liberalismus in Deutschland zu schaffen. Das ist aber nicht das Ziel der Bewegung. Davor ist es durch seine starke Verbundenheit mit dem nationalen Aufbau des Landes geschützt. Oie Impulse und die Aufgeschlossenheit der Menschen im werdenden Land sollen die Grundlage für ihre Hinführung zu dem zentralen Problem jüdischer Existenz, dem religiösen Problem, werden. - Menschen verschiedenster Richtung und Haltung hahen sich zusammengefunden. Aber alle sind getragen und geeint in dem Gefühl, daß man neue Wege suchen muß, um das religiöse Leben zu erhalten und organisch in den Aufbau des Landes einzugliedem. Da sind Leute, die noch ganz im Leben der Tradition stehen, aber bereits den Riß und die Entfremdung bei ihren Kindern fühlen. Da sind Menschen, die von dem kommen, was man in vulgärem Sinn liberales Iudentum nennt, und die spüren, daß hier in Palästina der alte Weg in der gewohnten Form nicht fortgesetzt werden kann. Da sind die Zionisten, denen Palästina von jeher Lebensideal war und die gerade in Palästina empfinden, daß der Zionismus von jüdischer Kultur erfüllt sein muß. Und es ist bezeichnend, daß nicht das Alter der Träger der Bewegung istsondern Menschen zwischen 30 und 40 Fahren. Vach einem Fahr Arbeit zeichnen sich die Linien des Werkes im Grundsätzlichen ab. Sin Teil ist geschaffen, ein Teil sieht mitten in der Entwicklung. Und ein weiterer Teil wird im kommenden Iahr heranreifen. Im Mittelpunkt des Werkes sieht der Gottesdienst. Viel Iugend nimmt daran teil, Schulkinder und berufstätige Iugend. Im Gottesdienst werden die Lebensformen des neuen Palästina lebendig. Es wird versucht, diese in Palästina geschaffenen neuen Formen - 15. Schewat, Ehag habikurim -, die außerhalb und ohne Beziehung zum religiösen Leben entstanden sind, religiös zu vertiefen. All dies ist zunächst noch ein Tasten. Man versucht, das neue Lebensgefühl zu formm und es zugleich organisch dem Überlieferten einzufügen. Man kann gewiß noch nicht von Lösungen sprechen. Aber es ist von Festtag zu Festtag das Bemühen, den Rhythmus des palästinensischen Lebens mit den geschichtlichen Westen in Einklang zu bringen. Oer ständig wachsende Teilnehmerkreis und die starke Beteiligung der Iugend ist ein Beweis für die Lebendigkeit und Wirksamkeit der neuen Gemeinde. So sehr der Gottesdienst Mittelpunkt einer religiösen Gemeinschafi ist, kann sich die Arbeit einer Gemeinde doch nicht auf ihn allein beschränken. Zu der Aufgabe, die er stellt, kommt eine zwette von besonderer Bedeutung: Das Leben aus dem Geist und der Gesinnung der Religion heraus in seinen verschiedenen Formen zu gestalten. Daher ist von Anfang an ein umfassendes Gesamtwerk geplant worden, das Gottesdienst und Schule, Volksbildung und soziale Arbeit im weitesten Sinne des Wortes umfaßt. Gerade in der praktischen Bewährung wirb sich entscheiden, ob das Iudentum eine lebengestaltende Kraft hat. Oer geistigen und weltanschaulichen Auseinandersetzung dienen Vorträge und Arbeitsgemeinschaften. Im Mittelpunkt der Arbeit fleht die Erfassung cher Bibel als religiöse Quelle. Sine ungeheure Aufgabe für den, der weiß, wie sehr das Verständnis der Bibel als Quelle der Religion in Palästina verflacht ist, wie Bibel für weite Kreise nichts anderes mehr ist als ein Lehrbuch der Geschichte und Archäologie. Dieser Aufgabe werden besondere Lehrstunden gewidmet, die aber darüber hinaus auch den Zugang zu der Gesamtheit der Werte des jüdischen Geistes zu erschließen versuchen. Oie Voraussetzung für alle Bemühungen dieser Art ist der Gedanke, baß eine organische Entwicklung des religiösen Lebens die Kenntnis dieses Lebens selbst fordert. Man versucht auch, sich mit den geistigen Kräften, die Zeit und Leben beherrschen, in besonderen Veranstaltungen, Vorträgen und Oiskussionsabenden auseinanderzusehen. Wöchentlich finden Veranstaltungen statt, die über den religiösen Rahmen hinaus die Werke des allgemeinen Kulturlebens den breiten Volksschichten nahebringen wollen. Musikaliche Veranstaltungen, literarische und pädagogische Vorträge wechseln miteinander ab. Ein Lesesaal, dem bereits die wesentlichen Zeitungen zur Verfügung stehen, und eine Bibliothek, die zwar noch in den Anfängen steckt, aber schon in Kürze erweitert werden soll, dienen der Verbreitung undllnterbouungderVeranstaltungen. OieFugend, besonders die erwerbstättge Iugend, findet auf diese Weise einen Rahmen, der für ihre Eingliederung in eine religiös bestimmte Gemeinschaft wesentlich ist. Man faßt die Iugend in Heimabenden zusammen, in denen sie in die Fragen der hebräischen und der allgemein europäischen Kultur eingeführt wird. Oie Schuljugend ist in großer Zahl mit dem Gottesdienst verbunden und wird darüber hinaus durch regelmäßige Fügendnachmittags, für die eine Fugendbibliothek zur Verfügung sieht, erfaßt. Schließlich sind Ansätze zu einer wirksamen Sozialarbeit vorhanden. Oie Arbeit steht noch im Anfang. Oie Gemeinde, um die man ringt, ist noch im Werden. Aber man sieht schon ihre Gestalt. Man kann sich auf Grund der vielseitigen Ansätze sehr gut ein Bild davon machen, was hier werden soll: eln kulturelles und soziales Werk, das auf der Grundlage einer lebensnahen und lebensverbundenen Religiosität ruht, ünd es ist wunderbar, die gläubige Gewißheit zu spüren, die alle diese Menschen in ihrer Arbeit beseelt und die diesen Versuch zum Gelingen führen wird. Oie Entstellung und Symbolik der jüdischen Spezialgerichte Aus dem sehr empfehlenswerten »Kochbuch für den jüdischen Haushalt*. Herausgegeben vom Jüdischen Frauenbund lPhilo-Derlag, Berlin). Wie alle Kunst einen wesentlichen Teil der Dolkskultur barsiellt, so auch die Kochkunst, die sich bei allen Völkern der Entwicklung und Verfeinerung der Sitten automatisch anschloß. Oie Geschichte, die wirtschaftliche und geographische Lage, die religiösen und sozialen Gebräuche und nicht zuletzt der jedem Volke eigentümliche Geschmack haben dazu geführt, daß sich längst bestimmte Nationalgerichte herauskristallisierten. Von den Kochkünstlern der Nation erfunden, wurden sie bald auch von der Menge gut zubereitet und geliebt. Nun ist es ja die Eigenart des jüdischen Volkes, daß in den letzten zwei Fahrtausenden weder eine Landschaft es umschließt, noch eine durchaus gemeinsame Geschichte eint, und daß seine Einheit einzig gehalten und garanttert ist durch das Gottesgesetz, das der ganzen Iudenheit voranleuchtet. So sind die jüdischen Nationalgerichte, deren es eine Reihe sehr bekannter und beliebter gibt, hervor- Ich such« laufend Gelder für Beteiligung in Industrie und Handel, zum Teil gegen hypothekarisdie Sidiertieiten bei günstiger Verzinsung und angemessenem Gewinnanteil. Zusdirlften an Wirtschaftsberater Dr. Hans-Dietrich Pohly Dresden A 24, SemperstraBe 4 — Fernsprecher 18 693

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