Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 8 (15.4.1937)
- Date
- 1937-04-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Gemeindeblail der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Amtliches Organ des Gemeindevorstandes MWlWMMdttSWlAil" "" - - Verantwortliche Schriftieiiung: Leo Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Rrligionsgemeinbe Dresden-A. l, Zeughausstroße 3 / Ruf 14031 und 17887 / / Verantwortlich für den Inseratenteil: Iac. Eternlicht, Dresden-A. 24, Altenzeller Straße 34 / Fernruf Nr. 48020 / Annahmestelle für Inserate ebenda / Die 4ma> gespaltene 46-mm-Zeile kostet 22 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Sruhnert, Oresben-A. 1, Ammonstr. 61 9 XIII. Zahrg. Dresden, den 15. April 1932 -1 H.mimern DIE MEIUIA 3n diesen Tagen sind durch die Stadt die Möbelwagen gerollt; in vielen Wohnungen, die seither ein Heim waren, in denen jedes Bild seinen eigenen Platz hatte, zwischen deren Wänden Erinnerungen an Freuden und Schmerzen lebendig waren, haben die Kisten gestanden, die den Hausrat aufnahmen, Stühle waren auf» einandergetürmt, Bettwerk lag in Bündeln am Boden, die Wände waren leer, und auf der Tapete zeigten sich wie Narben die Stellen, I von denen man die Bilder abgehängt hatte, Möbelwagen rollten durch die Stadt. Man zog um. Diele jüdische Familien sinh zu diesem Ersten umgezogen, viele, -die lange darauf gewartet hatten, daß ein Mietsvertrag zu Ende ging, damit Man endlich aus den großen, vielen Zimmern.mit der unsäglich vielen Mühe für die Saussrau ohne Hilfe und von der hohen Miete weg in die kleine, praktische, billigere Wohnung ziehen könne. Dieser »(SrfU* oder vielmehr die Tage davor oder danach, baS waren Tage »erster Unordnung". Aber bas Umziehen war oft genug auch ein Neuordnen und Sicheinrichten in den inneren Dingen der Familie und der eigenen, der ganz persönlichen Haltung den Ereignissen des Tages gegenüber. Wer es einmal mitgemacht hat, weiß ein Lied davon zu singen, weiß, wie es einem zumute ist, wenn man in die neue Wohnung htneinkommt, und es ist alles wahrhaftig wie »am Anfang": wüst und leer. Oie eine ober zwei Stunden, die man dann müßig zwischen den hallenden Wänden umhergeht, wo jedes leise gesprochene Wort verdoppelt klingt, sind so trostlos und so lang, wie nur Stunden des Wartens sein können. Es tut schon gut, wenn endlich die Ziehleute die Eouch, die Stühle, den Tisch und die leeren Schränke Heraufschleppen. Es tut gut, wenn man endlich Schubladen aufziehen und in die leere Küche Geschirr mitsamt der Holzwolle und betn vielen Zeitungspapier hineintragen kann. Sobald man selbst etwäs tun kann, sobald man die Hände wieder rührt und hin und her läuft, ist auch die Hoffnung wieder da, daß die Wasser dieser Sintflut sich verlaufen und zwischen den Kisten und dem packmaterial das Trockene erscheinen möge. Oer Packipeister, der das Trinkgeld für sich und die Seinen kassiert, hat wirklich so etwas wie die Taube mit dem Ölzweig und der wegrollende Möbelwagen etwas wie die überflüssig gewordene Arche an sich. Sind die starken Männer erst einmal draußen und die Kisten drunten, dann kann mit der Ordnung auch allmählich wieder das Gefühl einziehen, hier werde ein Heim sein. Mitten im Ehaos steht eine leise Vorfreude auf den ersten gedeckten Tisch da, aus diesen selben Tisch, der im jüdischen Hause seit Jahrhunderten eine Insel des Behütens und des Friedens ist, der alle Kräfte des Segens für Israel bewahrt hat. Aber bevor er gedeckt werden wird, kommt erst noch ein Augenblick, der die neue Wohnung wahrhaft zum Mischen Heim macht. Oie erste Mizwoh wird erfüllt: der Hausvater schlägt die Mesusoth an. Diesen Augenblick, in dem seine Hände die kleine Rolle an den Türpfosten drücken, rechtö vom Eintretenden, damit er sie fromm berühren könne, ist selten, und die Kinder haben vielleicht noch nie gesehen, was da geschieht, denn als die Mesusoth in der alten Wohnung angeschlagen wurden, waren sie vielleicht noch gar nicht auf der Welt oder so klein, daß sie nichts davon wußten. Dielleicht, und auch das ist in diesen Tagen und Zähren oft geschehen, geschieht es in dieser neuen Wohnung überhaupt zum ersten Male, daß für dieses Heim und diese Menschen dieses Gebot erfüllt wird, daß die Worte zur Wirklichkeit werden, die jüdische Menschen täglich wiederholt hinter dem Schema sprechen: »-und schlage sie an *■ die Posten deines Hanfes . . . ." Kurze leichte Hammerschläge vom Türpfosten klingen durch die Räume, die von diesem Tage ab jüdischen Menschen Heim und Frieden des Heims bedeuten sollen. Im Geist der Däter und dem - Wunsch und Willen der Kinder gemäß beginnt das Leben in der neuen Wohnung mit einem SegenSspruch: ». . . der uns geboten hat, eine Mefusa anzuschlagen. M. W. DAS //BETH-lfRAEL"-WERK IN HAIFA Oer Versuch einer religiösen Belebung in Palästina ' Dor einem Fahr hat Or. Elk, früher Rabbiner in Stettin, in Haifa einen bemerkenswerten Versuch gemacht: Er hat eine Dereinlgung »Beth-Israel" geschaffen, deren Ziel ist, bas kulturelle und religiöse Leben des Landes in besonderer Weise zu beeinflussen. Grundvoraussetzung dieses Werkes ist die Überzeugung, daß eine organische Entwicklung der Religion, - eine Derbindung mit allen Strömen des Lebens, - einzig und allein in einem jüdischen Lande und im hebräischen Kulturzusammenhang möglich sein kann. Oie religiöse Situation in Palästina ist außerordentlich schwierig. Streng konservativ« HaiMng und Ablehnung jeder religiösen Bindung stehen unmittelbar nebeneinander und führen oftmals zu schroffen Gegensätzen. Während mit den ersten frühziontstischen Einwanderungswellen vielfach noch Menschen ins Land kamen, die sich religiös gebunden fühlten, war die spätere Einwanderung in starkem Maße religionsindifferent ober sogar -verneinend. Oie Alijah seit 1933 hat eine veränderte Lage geschaffen. Es 0934817919^96^679894