Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 7 (1.4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4892693-6725280-5770336--2648-4895173- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 2 Nr. - ®emetnkellatt fcet JsFaelitische» Religion! gcmcinbt Dresden Koden ist Freiheit Nur auf eigenem Boden werden wir unser Leben frei gestalten können Spendet zu Keßach Kodon für die Freiheit unserer Kinder KEREN KAJEMETH LEJISRAEE , » sagen ist. In diese Einleitungen sind übrigens auch seine Angaben über sein persönliches Leben verwoben. Eifrig beschäftigte er sich mit den messianischen Vorstellungen des Judentums. Sie lagen ihm vielleicht wegen seiner davidischen Herkunft besonders nahei zudem lebte er, wie viele seiner Zeitgenossen, der sicheren Erwartung, daß die Ankunft des Messias dicht bevorflehe und unmittelbar zu erwarten sei. In seiner philosophischen Haltung ist bemerkenswert, daß er immer von der Selbstverständlichkeit der Gläubigkeit ausging und nicht im Denken die Voraussetzung des Glaubens sah. Er teilte nicht das Bemühen der Denker damaliger Zeit, nach Art "des Maimoinides das Iudentum in einer Reihe von Grundlehren einzufangen und festzulegen; er hielt dafür, daß solche Grundlehren nur ein methodisches Hilfsmittel seien, um denjenigen einen Überblick zu geben, die nicht selbst sich die Summe des Iudentums aus den Schriften erobern können, daß es aber in Wahrheit den Unterschied zwischen Grund- und sonstiger Lehre, zwischen Wichtigem und minder Wichtigem nicht gäbe. In der Auffassung der Geschichte Israels hatte er eine besondere Haltung;- sie war ein merkwürdiges Gemisch von Völkischem und Universalem. Oie Galuth erschien ihm als sinnvoll und planmäßig, weil sie der Sendung Israels und der Verbreitung der Lehre Vorschub leiste. Oie Geschichte Israels erschien ihm als von einer anderen Kausalität bedingt als die jeglicher Geschichte sonst, sie erschien ihm als eine geistig begründete und gerichtete. Zugleich aber wußte er um die Abstammungs-Gebundenheit. Oie innere Spannung beider Anschauungsarten kam ihm nicht so stark zum Bewußtsein, weil er des festen Glaubens war, daß die letzte Stunde der Galuth bereits geschlagen habe. Gegenüber den Marranen war er voller Milde und leitete dazu an, nicht ihre gelegentliche Schwäche zu beachten und ihren Irrtum, sondern ihre innere Treuehaltung und ihren Willen zur Rückkehr. In seiner Person ist er Spiegelbild des damaligen spanischen Iudentums in seiner geistigen Höhe und seiner Traditionstreue, seinem Ringen um einen Sinn des Iudeseins, seiner Ruhelosigkeit und seiner üngebrochenheit, seiner Tragik und dem festen Willen zu einem neuen Anfang Es gab Größere in Israel als er, aber seiner Zeit war er der rechte Mann, die anderen überragend und ßhnen Wege in die Vergangenheit und in die Zukunft weisend. Aus Nr. 3 X der Zeitschrift des Schwesternbundes der 6.6. Schicksalsfrage des Bodens (Aus einem Aufsatz von Adolf pollack, Ierusalem) Oas Bodenproblem ist ein Problem in zweifachem Sinne. Oie Entscheidungen der Mandatarmacht - auf Grund von Vorschlägen der Königlichen Kommission — können von politischen Erwägungen bestimmt werden, wobei nicht immer von den realen Bedingungen des Landes und den wahren Interessen seiner Bewohner ausgegangen wird. Solche Entscheidungen können unsere planmäßige, friedliche Aufbauarbeit erschweren, sie können sie aber niemals zum Stilhkand bringen. Oie andere politische Seite ist die Bodenpolitik des jüdischen Volkes, die es sich zum Ziel gesetzt hat, durch Erwerbung des palästinensischen Bodens als unveräußerliches Eigentum, die starken' Grundlagen eines schöpferischen, auf Eelbsiarbeit aufgebauten, sozial gerechten Lebens zu schaffen. Bei dieser Politik kommt es in erster Linie auf die Kräfte des jüdischen Volkes an, das hat die Erfahrung der letzten 16 Iahre gezeigt, wo trotz, von Iahr zu Iahr wachsender Schwierigkeiten der Volksboden sich verzwanzigfacht hat. Oie Schlüsselpositionen in Emek Iesreel, Emek Gebulon und Emek Ehefer, wo seit 1920 auf nationalem Boden mit nationalen Mitteln über 100 neue Eiedlungspunkte neben städtischen, vorstädtischen und industriellen Positionen entstanden sind, sind der sichtbare, überzeugende Beweis, was organisierte Voltskraft trotz aller äußeren und inneren Hindernisse zu leisten imstande ist. Auch das Schicksalsjahr 1936, das uns die bisher schwerste Belastungsprobe bei unserem Aufbauwerk gebracht hat, hat den Gang der Bodenpolitik nicht aufhalten können. Vielleicht wäre es ohne die Unruhen ein Rekordjahr in der nationalen Bodenvermehrung geworden. Immerhin konnten mehr als 13 000 Ounam neu erworben werden. Ein auf längere Sicht aufgestellter plan, der die Abrundung wichtiger Giedlungszentren und die Erschließung neuer, für unser Gesamtwert entscheidender Gebiete einschließt, wurde von der verantwortlichen Leitung unserer Bodenpolitik ausgearbeitet. Oie Aussichten für die Durchführung dieses planes sind in mancher Beziehung besser, als sie vor den Unruhen waren. Alles hängt aber davon ab, ob das jüdische Volk, als der primäre Exponent dieser Bodenpolitik, seine Kräfte dafür zur Verfügung stellt, ob der Gedanke von der Erlösung des Bodens sich in den Volksspenden, die dafür notwendig sind, dokumentieren wird. Vielleicht darf man eine gewisse Hoffnung aus der Tatsache schöpfen, daß in dem tragischen Schicksalsjahr 6696 die Volksspenden des Keren Kayemeth größer wären als je vorher in den 36 Iahren, die der KKL besieht. Oie Iuden in Oeusschland haben im letzten Iahr auch stärker als je vorher ihre Verbundenheit mit Erez Israel und ihre Einsicht in die Rotwendigkeit einer raschen und breiten Vermehrung des Volksbodens dokumentiert. Sicherlich hat dabei die wichttge Tassache mitgewirkt, daß von den etwa 38 600 Iuden, die in Palästina ihr Heim gefunden haben. Zehntausende mehr oder weniger Ruhnießer des palästinensischen Bodens geworden sind. Oie zweite große traditionelle Aktion des Keren Kayemeth zu pessach, bei der sich der KKL an die Iudenheit. in Oeusschland wendet, wird sicherlich nicht weniger erfolgreich sein als die Aktionen im Vorjahre. Oer Erfolg der Bodenpolitik in Palästina hängt ab von der Stellung, die die Iuden in der ganzen Welt, also auch in Deutschland dazu nehmen.