Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 6 (15.3.1937)
- Date
- 1937-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 ttr. 6 Temeindeblatt der Israelitische» VteligionßgeMeinde Dretdei, ^nimNiiHiiiiMMtuiiiHNiiiiiinmuiiiii.intm»nmmnHm>iiutmmtw»imntnniiii»inniiiic | Oer Zionismus erstrebt fQr das jQdische | I Volk die Schaffung einer Öffentlich-recht- | | lieh gesicherten Heimstätte in Palästina, i | (Baseler Programm) | | Unterstflt2t unsere Bestrebungen durch Eintritt | | in die Zfeoistisdie Orlsgrippe Dresden. | Kein festüdier Anl«^ ohne K.K.L.-Spende. Löst Grotakitlonen dnrdi K.K.L.-Tele«rainine ab. 1 (Schmuckformular« erhältlich: 2.0 Q. Gerichtastrafi« 27 I und In der Buchhandlung Strauß, WaisenhauaatraBö 25.) - e 5 ruimtiiniHiiHittttHHiiiiiiimiHiiiiHiifimiuittiMiiMitiinimmiiiitMiMimiiHiiiiiiHiiiiHiiiiiHHi' Glück allein, fein bißchen Brot und sein bißchen Sorge, sein bißchen Unglück und sein bißchen Licht. Mit diesem »Euer- und. »Euch" scheidet sich ein Mensch von seinem Volk und seinem Glauben, mit diesem »Euch" und »Euer" sagt er: »Ihr geht mich nichts an!" Sagte er es nur uns und täte er nicht mehr! Aber seine Lippen verziehen sich zum Spott, aber seine Augen werden schmal vor Hochmut, wenn er an die Bräuche und Satzungen der anderen denkt, wenn er »Äußerlichkeiten" nennt, was anderen Menschen gültige Form für hohe Inhalte ist. Er ist kein Bösewicht. Er ist kein Lästerer. Er ist nur roh. Er ist nur hart. Und weiß nicht, daß einmal eine Stunde kommen wird, in der er hinter seinen selbstgebauten Mauern frieren muß, in der seine Seele h.ngert und dürstet, weil sie »Ihr" und »Euch" gelernt hat, und nicht »Wir" und »Unser". »Was bedeuten Euch diese Satzungen und Bräuche ....?" . . . . wäre er dort gewesen, er wäre nicht miterlöst worden. Er ist nicht miterlöst worden. „TA/*" Aber neben uns, auf dem Weg, geht ein Stiller, dem es nicht gegeben wurde, die Wunder eines Tages und die Wunder einer Dacht in allen ihren Tiefen zu erfassen. Ihm ist das Bild nicht gegeben, vielleicht nicht einmal: der Gedanke. Aber ein Fühlen ist sein, und was ihm begegnet, rührt ihn an, läßt ihn erschauern und formt sich am Ende zu der armen kleinen Frage: »Was ist das?" Ach wir Hochmütigen! Wir sind so stolz auf unsere wohlgeformten Sätze, auf unsere geschliffenen Begriffe, auf alles das, was wir »Ausdruck" nennen. Wenn aber ein Mund unter der Gewalt deS Großen und Schönen einer heiligen Güte, einer unfaßbaren Größe verstummt und nichts mehr findet als den schwachen Seufzer »Was ist das?" - hat solch einer nicht tiefer gefragt, war solch einer der verborgenen Wahrheit nicht näher als alle Glätte und aller Glanz des schönen Wortes und des weitgespannten Gedankens? Sprich zu ihm! Aber verwirre ihn nicht. Seine Einfalt ist der Einheit der Welt nahe, und ost näher als die Dielfalt. „SCHE'ENO JODEA LI'KHEOL Wenn aber einer nicht fragt? Weißt du, warum er nicht fragt? Dielleicht ist in seiner Seele der Gedanke noch nicht aufgeblüht und hat sich noch nicht zur Frage erschlossen? Dielleicht ist sein Fühlen und sein Denken noch in harter Knospe. »Öffne du ihm die Lippen" - aber öffne sie ihm nicht als ob du einer Knospe Gewalt tätest und sie mit eigenwilligen Händen vor der Zeit auseinander brächest. Dielleicht ist es einer, der n och nicht zu fragen versteht, und in ihm wartet die Frage nur i>ie Stunde ihrer Blüte ab. Öffne du ihm die Lippen, wie zarte pflege eine Knospe zum Erschließen bringen mag. Lehre ihn sehen, lehre ihn verstehen, hilf ihm frpgen, aber lehre ihn nicht schwatzen. Dier von uns! Sie gehen neben uns, sie sitzen mit uns am Tisch, sie reden mit uns, sie fragen uns, sie teilen unser Tun und leiden unsere Leiden, sie sind »Söhne" wie wir alle, Söhne Iudas, Kinder Israels. - Dier von uns. dt. Wr. UNSER LEHRHAUS Diese neue Einrichtung unserer Dresdner Gemeinde hat sich nunmehr durch die in Angriff genommenen und erfreulich gut besuchten Dorlesungen und Arbeitsgemeinschaften schon als ein wertvoller kultureller Faktor erwiesen. Sicher werben die Mitarbeiter am Dresdner Lehrhause - ebenso wie die früheren in Frankfurt a. M., in Berlin, in Köln - noch alle dazu lernen müssen, nm jenen reinen jüdischen Lehrhausgedanken lebendiger Wiffensüberlieferung in der Gemeinschaft von Lehrer und Schülern voll zu verwirklichen, jedoch hat unsere Institution mit Erfolg eine weitverzweigte Arbeit zu leisten begonnen. Bereits fünf Abende von Herrn Rabbiner Or. Fuchs (Ehemnih) haben sich mit den »Propheten Israels" beschäftigt, mit ihren individuellen Grundgedanken und ihrer Stellung in der Geschichte. Besonderen Wert legte der Dortragende auf ihre dichterische Sprache, deren hebräische Rhythmen er in eigener deutscher Übersetzung, die sich ganz eng an die Metn'k des On'ginals anschließt, dankenswerter Weise vortrug. Über »das naturwissenschaftliche Weltbild der Physik" spricht Dudolf Strauß, der in München, Leipzig und Dresden studierte. Dach einer Wiederholung der Grundlagen der klassischen Physik ging er auf die spezielle Delativitäts-Theorie ein und gab auch die Grundzüge der Quanten-Theone In seiner Arbeitsgemeinschaft werden die zum großen Teil jugendlichen Hörer noch über die Quantenmechanik und Wellentheorie Kenntnisse erwerben. Auch die Kurse über »Textile Warenkunde und Gewebeprüfung", sowie Dorträge über »Textlles Kunfigewerbe" welche chem. Siegfried Levy eindn'nglich unter großer Beteiligung abhält, sind zugleich von praktischem Wert und starkem theoretsschen Interesse. In das »Deich der Gebete» (Iüdische Liturgie) führen die Abende der Arbeitsgemeinschaft von Eva Büttner. Sie bemüht sich, den lebendig-geistigen Geholt und den Aufbau unserer Gebete den Teilnehmern nahezubringen und mit ihnen im Geist von Franz Dosenzweig, Buber, Elie Munk, Elbogen u. a. die historische Entwicklung und die innere Kraft unserer Liturgie zu erarbeiten. Oie Dorträge von Herrn Dabbiner Dr. Wolf über »Jüdische Geschichte im Dahmen der Weltgeschichte" konnten erst im Februar beginnen und zeigten in den ersten beiden Abenden bereits die eigenartige Betrachtungsweise, wie geographische Derhältniffe das Dolksschicksal beeinflussen können. Seine Darstellung der jüdischen Frühgeschichte» die bereits bis zur Dichterzeit behandelt ist, orienttert sich an den neuesten Forschungsergebnissen von Elias Auerbach. Oie sehr besuchten Dorträge werden gewiß weiter von starkem Interesse sein wegen der beabsichtigten Derbinbung der Schicksale des Iudentums mit der allgemeinen Weltgeschichte. Or. Alice Apt gab in ihrim ersten Abend über »Soziologie der Juden um die Jahrhundertwende" einen erschöpfenden Abriß aller gesellschaftlichen Kräfte und ihrer Wandlungen. Dabei brachte sie umfassende Definitionen der meisten wichtigen Begriffe, mit 8. MATTERSDORFF GEGRÜNDET PRIVATBANKHAUS 18 4 9 SEESTRASSE 14 RUF 25955